Spaniens Weiße

Über 600 Rebsorten werden in Spanien zu Wein verarbeitet. Eine Zahl, die das spanische Wirtschafts- und Handelsministerium nennt und die auf eine beeindruckende Vielfalt schließen lässt. Vermutlich haben Sie von weißen Trauben wie Borba, Lairén, Esquitxagos und Treixadura noch nie gehört. Ich bis dato zumindest nicht. Was uns Deutsche, die bei Spanien häufig nur an Tempranillo denken, insgesamt überraschen mag, ist, dass die Weißen etwa 45 Prozent der gesamten Weinproduktion Spaniens ausmachen. Gängige autochthone Sorten bzw. in Spanien weit verbreitete internationale Reben sind unter anderem:

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Verdejo-Trauben (Foto: © ICEX)

Verdejo
die meisten Spanier denken bei Weißwein zuerst an Verdejo. Im Anbaugebiet Rueda findet die autochthone Traube zu ihrer Höchstform und ergibt trockene, erdige Weine, die gleichzeitig viel Fruchtaromen und ein feines bis rassiges Säurespiel enthalten können. Verdejo und Rueda – das ist eine Liebesbeziehung wie Riesling und Mosel.

Albariño
Traube, die aus dem galicischen Anbaugebiet Rías Baixas stammt. Im Laufe der Jahre habe ich einige Albariños ab sieben Euro aufwärts verkostet. Qualitätsunterschiede gibt es immer – doch stets waren sie frisch und lebendig sowie mit knackiger Säure und feiner Frucht ausgestattet. Für mich ein idealer trockener Begleiter zu Gerichten mit Meerestieren.

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Albariño-Feld in Rías Baixas (Foto: Juan Manuel Sanz / © ICEX)

Garnacha Blanca
diese Weißweinsorte wird landesweit angebaut, am häufigsten tritt sie in katalanischen Weingebieten wie Priorat, Tarragona oder Terra Alta in Erscheinung. Garnacha Blanca ergibt zumeist trockene, kräftige Weine. In Südfrankreich ist sie unter dem Namen Grenache Blanc ebenfalls populär.

Macabeo
eine häufig vorkommende Weißweintraube, vor allem in nordspanischen Anbaugebieten wie Rioja (wo sie Viura heißt), Navarra oder Penedés. Macabeo dient in Penedés als Basissorte für die dortigen Cavas (Schaumweine). Beliebt ist die Rebe ebenfalls im benachbarten Südfrankreich.

Xarello
eine Rebe, die in Katalonien leichte und spritzige Weißweine ergibt. Nett zu trinken an heißen Sommertagen. Zudem wird Xarello – neben Macabeo und Parellada – als Basissorte für die katalanischen Schaumweine (Cavas) verwendet.

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Cavas in den Kellern von Codorníu (Foto: Ignacio Muñoz-Seca / © ICEX)

Moscatel
die spanische Bezeichnung für Muskateller. Aus Moscatel entsteht unter anderem der bekannte Süßwein Moscato de Málaga. Die Rebe findet in Spanien insgesamt weite Verbreitung und wird vermehrt trocken ausgebaut. Dabei entstehen in der Regel fruchtbetonte Weine mit oftmals deutlich wahrnehmbaren exotischen Aromen (Mango, Ananas, Maracuja) von zum Teil außerordentlicher Qualität.

Airén
in Bezug auf Quantität steht diese Traube ganz oben. Keine wird in Spanien häufiger angebaut. Weshalb die Sorte trotzdem fast unbekannt ist, liegt daran, dass sie größtenteils zur Herstellung von Weinbrand (Brandy de Jerez) genommen wird. In zentralspanischen Gebieten wie Castilla und La Mancha sowie um Madrid (Toledo, Cuenca) entstehen aus ihr auch Weißweine – zumeist Massenweine niedriger Qualität. Einzig auf dem Salón de las Estrellas 2016 – einer Weinmesse in Madrid – verkostete ich zu meiner Überraschung einen sortenreinen Airén, der mir schmeckte. Bislang meine einzige positive geschmackliche Erfahrung mit dieser Rebe.

Godello
eine zunehmend populäre Sorte, die vor allem in ebenfalls aufstrebenden galicischen Weingebieten wie Monterrei und Valdeorras sowie im Bierzo (Kastilien und León) angebaut wird. Godello hat viel Potenzial, die Traube bringt trockene, fruchtig-frische Weine mit markanter Säure hervor.

Godello Weine aus Valdeorras
Godello Weine aus Valdeorras (Foto: Juan Manuel Sanz / © ICEX)

Treixadura
eine weitere autochthone Rebe der Weingebiete Galiciens. Im kleinen Anbaugebiet Ribeiro kommt die Treixadura zum Beispiel gerne vor. Die Sorte kann hervorragende saftige Weißweine ergeben, die ausgeprägte Säure und Frucht besitzen, mit „Biss“ daherkommen und einen Eindruck am Gaumen hinterlassen.

Palomino
eine Traubensorte, die in den andalusischen Weinanbaugebieten von Jerez und Contado de Huelva dominiert. Palomino ist die Hauptsorte für verschiedene trockene bis süße Sherry-Varianten wie Fino, Manzanilla, Amontillado und Oloroso.

Pedro Ximénez
wird vor allem in Andalusien angebaut. Aus den überreifen und in der Sonne getrockneten Pedro Ximénez-Trauben wird der gleichnamige Sherry gewonnen. Da der Konsum von Sherry seit einigen Jahren (leider) rückläufig ist, nehmen auch die Anbauflächen ab.

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Pedro Ximenez trocknet in der Sonne (Foto: Piedad Sancho-Mata / © ICEX)

Sauvignon Blanc
eine meiner Lieblingsreben. Mit die größten Weißweine sind für mich immer noch die mineralischen Sauvignon Blancs aus der Loire-Region. Ich habe auch schon interessante spanische Sauvignon Blancs getrunken, die ebenfalls die typische Frucht von Stachelbeere und vegetabile Noten wie frisch gemähtes Gras offenbaren. Vergleichsweise ließen sie aber etwas an Rasse vermissen.

Chardonnay
zu Chardonnay ist eigentlich schon alles gesagt und geschrieben worden. Weltweit wohl die bekannteste Weißweinsorte. Und auch in Spanien werden Chardonnay-Weine in fast allen Regionen produziert. Ich selbst gehöre allerdings eher der ABC-Fraktion (Anything but Chardonnay) an.

Wie eingangs gesagt, ist dies bei rund 600 Rebsorten, die in Spanien angebaut werden, nur eine kleine Auflistung. Insgesamt gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt – zum Beispiel Winzer, die in der Hitze Südspaniens Grünen Veltliner produzieren oder Weingüter, die in der trockenen Extremadura Gewürztraminer abfüllen. Diese Exoten haben gewiss einen eigenen Artikel auf diesem Blog verdient. Ich halte Sie darüber auf dem Laufenden.

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