Die Knochige aus Valencia

Es geht hier um einen Naturwein aus Valencia. Aber eigentlich war ich in Granada unterwegs. Keine Alhambra, sondern Behördengänge. Dabei ist die Alhambra unbedingt einen Besuch wert, ihre maurischen Paläste und Gärten sind weltweit einzigartig.

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Damit mein Aufenthalt nicht ganz trist verläuft, habe ich in der Calle Navas einen Weinladen besucht. Sollten Sie einmal in Granada sein: besagte Straße ist voll von guten und schlechten Tapas-Bars. Los Diamantes ist ein Fischrestaurant welches ich guten Gewissens darunter empfehlen kann. Gleich zwei davon gibt es: das Stammhaus (Calle Navas 28) ist immer voll – bei Touristen wie Einheimischen beliebt. Das zweite, noch junge Los Diamantes befindet sich am Ende der Calle Virgen del Rosario (Nr. 12), in die Calle Navas direkt übergeht. Dieses neue und zugleich altmodische Fisch-Tapas-Lokal ist bei Touristen weniger bekannt, bei den Granadinos aber schon ein Renner. Nicht einfach zur Mittagszeit hier einen Platz zu finden.

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In Calle Navas gibt es auch den Weinladen, den ich schon erwähnte. Ein kleines Geschäft mit geschätzt zwanzig Quadratmetern Ladenfläche. Trotzdem übersichtlich sortiert, und für einen spanischen Weinladen dieser Größe eher ungewöhnlich, hält er sogar einige ausländische Tropfen im Sortiment. Einen Riesling Kabinett von J.L. Wolf (heute Villa Wolf) aus Wachenheim habe ich zu meiner Freude entdeckt sowie Sauvignon Blancs aus Pouilly-Fumé und Sancerre. Ganz klarer Schwerpunkt aber: Spanien. Den Inhaber bat ich mit meinem schlechten Spanisch um eine Weinempfehlung: „Rotwein, um die zehn Euro, Region egal, kein Tempranillo.“ Und schnell noch ein „por favor“ hinterhergeschoben. Nach kurzem Überlegen zeigte er auf vier oder fünf Flaschen, darunter auch auf La Huesuda aus dem Weinanbaugebiet Valencia. Ein Wein, der mir auf seinem schlichten Etikett nicht weniger als „100% rock and roll“ und „0% sulfitos“ verspricht. Raw Rock’n’Roll? Da musste ich einfach zugreifen.

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Naturwein – oft als Raw wine und in Spanien als Vino natural bezeichnet – ist nicht gleichzusetzen mit Biowein. Bei Naturweinen nimmt eine biologische bzw. biologisch-dynamische Bewirtschaftung zwar einen wichtigen Stellenwert ein, zum anderen geht es aber auch darum beim Weinausbau – also bei der Herstellung des Weins im Keller – auf möglichst viele Zusätze und Technik zu verzichten. Dazu gehört zum Beispiel das Vermeiden der Zugabe von Reinzuchthefen, von Schwefel oder der oftmalige Verzicht auf eine Filtrierung (Schönung). Ziel soll es sein einen naturnahen Wein zu erzeugen, bei dem der Mensch so wenig wie nötig in die Produktion eingreift. Philosophisch gesprochen: eher begleitet der Winzer den Wein in seinem Werden, als dass er ihm seinen Stempel aufdrückt. Klare gesetzliche Bestimmungen bzw. von einem Verband definierte Regeln, was einen Wein zum Naturwein macht, gibt es jedoch nicht.

Bislang habe ich wenige geschmackliche Erfahrungen mit Raw wine gemacht. Als ich noch in Berlin lebte, besuchte ich das inzwischen geschlossene Maxim in der Gormannstraße zwei- oder dreimal. Diese Weinbar hatte sich auf Naturweine spezialisiert und mir einige fabelhafte wie weniger großartige Geschmackserlebnisse beschert. Naturwein kann manchmal wie Most daherkommen, das 0,15er-Glas aber trotzdem sieben Euro kosten. Nun also ein Raw wine aus Valencia. Beim Öffnen der Flasche zuhause merkte meine Frau an, dass „La Huesuda“ übersetzt „die knochige Frau“ bedeutet. „Knochige Frau“, „100% rock and roll“ – ich war gespannt.

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Und überrascht. Ein rubinroter Wein, der nach dunklen Beeren und etwas animalisch riecht und in seiner Struktur sehr schön ausbalanciert ist – sprich: harmonisch am Gaumen, dezente Tannine und leichte Säure. 100% Rock and Roll hatte ich mir allerdings kantiger und herausfordernder vorgestellt. Der Name der „knochigen Frau“ erschließt sich mir dafür nun, denn für spanische Verhältnisse handelt es sich um einen leichten, schlanken Wein: In einem Artikel auf diesem Blog habe ich von einer Blindverkostung bei spanischen Freunden berichtet und festgestellt, dass der spanische Weingeschmack auf körperbetonte, schwere Rotweine ausgerichtet ist. Schön also, dass es Ausnahmen dazu gibt.

Der Vollständigkeit halber hier die relevanten Angaben zum Wein: Weingut (Bodega) Los Pinos / La Huesuda / DO Valencia / 2013er Cuvée aus Syrah, Monastrell, Garnacha / 14% Vol. / ca. 11 Euro

Und noch ein Tipp für Alhambra-Besucher: Wichtig ist, dass Sie die Eintrittskarten vorher Online kaufen, denn der Einlass in die Alhambra ist begrenzt. Es gibt keine Tageskasse, an der Sie spontan Tickets erhalten könnten.

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