Horacio Calvente und sein Mountain Wine

In dem wenig pittoresken Dorf Jete befindet sich einer der besten Winzer der Provinz Granada. Die Fahrt zu Horacio Calvente und seinem Weingut ist ungleich schöner. Vom zehn Kilometer entfernten Mittelmeer und der Stadt Almuñécar her kommend, schlängelt sich die Straße durch ein fruchtbares grünes Tal, in dem Mangos und Avocados gedeihen. Der Küstenabschnitt heißt nicht umsonst Costa Tropical. Wer den Weg über das Landesinnere antritt, zum Beispiel von Granada aus, findet sich auf schmalen Straßen wieder, die sich über die schroffen Hügel der landschaftlich reizvollen Sierra de los Guájares winden.

Vom Hobbywinzer zur Bodegas H. Calvente
Horacio Calvente war Bauarbeiter, seine Frau in einem Schönheitssalon beschäftigt. Wie viele Spanier, die auf dem Land leben, hielt er sich im Garten ein paar Rebstöcke, aus denen er jedes Jahr etwa zweihundert Flaschen Wein für den Eigenbedarf kelterte. Natürlich durften auch ein paar Freunde und Nachbarn mittrinken. Und weil ihnen Calventes Wein besser schmeckte als der von anderen Weinbauern der Gegend, ermutigten sie ihn sein Dasein als Hobbywinzer in einen Beruf zu überführen. Zwanzig Jahre ist es nun her, dass Horacio Calvente seinen Job als Bauarbeiter an den Nagel hing und die Bodegas H. Calvente gründete. Heute kultiviert er Weinstöcke auf 44 Hektar Land, beschäftigt sieben feste Mitarbeiter und füllt jährlich 180.000 Flaschen ab, die er in zwölf Länder, darunter auch Deutschland, exportiert.

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Horacio Calvente (Foto: © Simon Roth)

Hohe Weinlagen und Qualitätsstandards
Calvente ist Autodidakt und ein Perfektionist, der von der Arbeit im Weinberg über den Transport der Ernte bis zum Ausbau im Weinkeller größte Sorgfalt an den Tag legt und nichts dem Zufall überlässt. Er fährt sogar nach Frankreich, um eigens die Bäume auszuwählen, aus denen die Holzfässer für seine Weine gefertigt werden. Nur die Rotweine lagert er in barricas – so werden in Spanien die 225 Liter fassenden Eichenfässer genannt. Seinen Weißwein baut er in Stahltanks aus. Den Ertrag pro Hektar begrenzt Calvente auf 2.500 Kilogramm Traubenernte. Das ist verschwindend gering und liegt zum einen daran, dass er die Reben beschneidet: nur die besten Trauben bleiben am Stock, ihnen allein sollen die Nährstoffe der Pflanze zugute kommen. Zum anderen ist das Land karg, trocken und steil. Maschinenernte ist in den Lagen von Guindalera und Castillejos unmöglich. Die Tage im südlichen Andalusien sind zudem extrem heiß, und die Nächte können in den Bergen zwischen 800 und 1.400 Höhenmetern, wo Horacio Calvente seine Weinberge besitzt, empfindlich kalt werden. Seine Stöcke müssen leiden, um gute Trauben hervorzubringen, er bewässert sie noch nicht einmal.


Ernte in den Bergen (Foto: © Bodegas H. Calvente / Global Image Project S.L.)

Bis zu 120 Jahre alte Reben lassen den Mountain Wine entstehen
Für mich der spannendste Calvente-Tropfen ist der Mountain Wine, ein reinsortiger Moscatel de Alejandría. Diese Muskateller-Art war in Spanien durch eine Krankheit fast gänzlich ausgestorben und überlebte nur im Mikroklima entlang der Costa Tropical und deren Hinterland. Die Rebstöcke, aus denen Calvente diesen Wein gewinnt, sind 80 bis 120 Jahre alt. Im Bukett offenbart er dezente Aromen von tropischen Früchten wie Maracuja. Am Gaumen zeigt sich eine angenehme Säure, so dass ein Gesamteindruck von Frische, Frucht und Harmonie zurückbleibt. Sein bekanntester Rotwein Guindalera ist eine Cuvée aus Syrah, Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot, den er als Crianza in amerikanischen und französischen Eichenfässern in Erstbelegung ausbaut. Nach dem unmittelbaren Öffnen der Flasche rieche ich Tieraromen und abgehangenes Fleisch. Mit etwas Luft verändern sich Geruch und Geschmack. Der Wein hat eine dunkle, fast schon ins Schwarze gehende Farbe sowie erkennbare, dabei nicht aufdringliche Tannine. Überlagern vielleicht ein wenig zu viel Holztöne den Wein? Meine beiden Mittrinker verneinen. Sie finden ihn einfach nur gelungen.

Horacio Calvente steht nie still. Er ist ein Innovator, der die Weinbereitung in der D.O.P. Granada und im Süden Andalusiens vorantreibt. Seine beiden Schaumweine – die er im Verfahren der Flaschengärung herstellt, aber aus gebietsrechtlichen Gründen nicht Cava heißen dürfen – waren die ersten in der Region, die den D.O.-Status erlangt haben. Im Moment probiert sich Calvente an einem weißen Süßwein aus, den er möglicherweise 2017 auf den Markt bringt. Näheres dazu will er noch nicht verraten. Wir halten die Augen offen und sind gespannt.


Anmerkungen zum Text:
Die Begriffe D.O. und D.O.P. (Denominación de Origen bzw. Denominación de Origen Protegida) werden im Glossar auf diesem Blog erläutert.

Weinberge und Weinkeller der Bodegas H. Calvente zeigt dieser 5-minütige Film auf YouTube.


Besuchsinformationen:
Bodegas H. Calvente, Calle Vinilla 6, 18699 Jete (Granada), Tel. +34 958 644 179, www.bodegashcalvente.com

Gruppen ab 6 Personen können über das Sekretariat des Weinguts eine Führung durch die Weinkeller mit anschließender Degustation vereinbaren.

Von Montag bis Samstag ab 17 Uhr geöffnet ist der Weinverkauf beim Weingut. Die Flaschenpreise sind in diesem Hausverkauf um die zwei Euro günstiger als die Verkaufspreise im Weinhandel.

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2 Kommentare

  1. Interessanter Artikel. Bin öfter in Granada und auch schon auf Calvente Weine gestossen. Die Geschichte dahinter kannte ich aber nicht. Freue mich auf weitere Beiträge. Gruß, Stefan

    1. Hallo Stefan, vielen Dank für die freundlichen Worte. Ich freue mich stets über weitere Kommentare.
      Herzliche Grüße
      Thomas Götz

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