Im Salon der Sterne – Teil 1: Weißwein

Was gibt es Neues aus der spanischen Weinszene? Welche Entwicklungen lassen sich beobachten oder besser gesagt schmecken? Guía Peñin veranstaltet jährlich den Salón de las Estrellas. Eine Messe, zu der nur jene Weinmacher eingeladen werden, die im Peñin-Führer mit mindestens vier von maximal fünf möglichen Sternen ausgezeichnet sind. Über 120 Weingüter folgten dem Ruf – darunter einige ganz junge und welche mit jahrhundertealter Tradition, stattliche Eine-Million-Flaschen-Betriebe sowie Kleinwinzer mit einer Jahresproduktion von weniger als 10.000 Flaschen.

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Auch ich habe mich am gestrigen Mittwoch aus der Alpujarra in die Hauptstadt zum „Salon der Sterne“ begeben. Aufgestanden um 4.30 Uhr, noch bei Nacht die Straßen der Sierra Nevada hinuntergekurvt, im Morgengrauen auf der Autobahn die sich schier endlos ziehenden Olivenhaine Andalusiens passiert, dann am Vormittag durch die noch viel endloser erscheinende und fast menschenleere Hochebene von La Mancha, ehe ich zur Mittagszeit in Madrid eintraf.

Bei den Weißweinen legt Galicien vor
Galicien ist schon länger für seine exzellenten Weißweine bekannt. Vor allem richtet sich der Fokus der Weinwelt auf das Anbaugebiet Rías Baixas und dessen charaktervolle Weine von der Sorte Albariño. Beide sind fast schon ein Synonym für die Region im äußersten Nordwesten Spaniens. Nachdem ich mich nun durch viele Weißweine verkostet habe, ist mir klar, dass man Galicien weiterfassen muss: DO-Regionen wie Valdeorras, Monterrei und Ribeiro sind mit autochthonen Rebsorten wie Godello und Treixadura stark im kommen. Sie erzeugen zartfruchtige Weine mit knackiger Säure, filigraner Struktur und einem langen Nachhall.

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Winzer Javier Alén vom Weingut Viña Mein macht im galicischen Anbaugebiet Ribeiro eine hervorragende Cuvée aus Treixadura (70%), Loureira (20%) und Albariño (10%). Seine Jahresproduktion beläuft sich auf etwa 6.000 Flaschen.

Außerhalb Galiciens ist es freilich die DO Rueda, die ebenfalls mit außergewöhnlich guten Weißweinen aus der Verdejo-Traube überzeugt. So der eher fruchtbetonte Verdejo 2014 von Rolland & Galarreta oder der Perseo 7 vom gleichnamigen Weingut mit einer animierenden Säure und einer kräftigen Struktur. Verglichen mit dem Biss und der Frische, die besagte Weißweine aus Galicien und Rueda haben, kommt so mancher Chardonnay aus Navarra (Weingut Castillo de Monjardín) oder Mallorca (Weingut Binigrau) fast schon zierlich-lieblich, man könnte auch sagen langweilig daher.

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Ernesto Pino Arance strebt nach eigener Aussage „den besten Verdejo in ganz Rueda zu machen“ an. Was auch immer „das Beste“ bedeuten mag, sein Perseo 7 von 2015 ist bereits sehr passabel geraten.

Den Riesling gibt’s jetzt auch in Spanien
Eine weitere interessante Entdeckung war für mich das Weingut Hacienda de la Pajarera aus der DO Valencia. Neben famosen Rotweinen aus Bobal und Monastrell stellt Winzer Carlos Garcia eine Weißwein-Cuvée aus Riesling, Viognier und der autochthonen Sorte Verdil her. Dieser Doña Quiteria 2015 verfügt über eine angenehme Säure und lebhafte Frische und ist mit seinen floralen Aromen ganz anders als die Rieslinge, wie wir sie aus Deutschland oder Österreich kennen. Schneller als erwartet habe ich also den Riesling in Spanien gefunden – den Untertitel dieses Blogs werde ich dennoch beibehalten.

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Jungwinzer Carlos García und seine Frau Laura vom Weingut Hacienda de la Pajarera mit ihrer Cuvée aus Riesling, Viognier und der autochthonen Rebe Verdil. 

Last but not least ein Abstecher ins Anbaugebiet Castilla zu einem Weißwein aus der Rebe Airén. Diese in Kastilien-La Mancha vielangebaute Sorte ergibt überwiegend Massenweine von niedriger Qualität und wird vor allem zur Herstellung von Brandy herangezogen. Umso überraschter war ich beim Probieren eines im Eichenfass fermentierten Airén vom Weingut Viña Ruda als mir dieser schmeckte: kräftiger Körper, markante Säure, etwas Würze. Vom eher seltsamen Webauftritt des Weinguts abgesehen, haben wir es hier mit einem durchaus guten und ungewöhnlichen Wein zu tun.

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Familie Ciobanu vom Weingut Viña Ruda hat es zu meinem Erstaunen fertiggebracht, aus der Rebsorte Airén einen guten Wein zu machen.

Schätzungsweise dreißig Weißweine habe ich probiert, ehe ich zu den Roten überging. Auch wenn es nicht leicht ist aus vielen guten bis ausgezeichneten Weinen eine Auswahl zu treffen, hier sind meine persönlichen Favoriten, alle kommen sie aus Galicien:

• Weingut Bouza do Rei | Albariño Bouza Do Rei 2015 | DO Rías Baixas | ca. 8,50 Euro
• Weingut Viña Mein | Eiras Altas 2015 | Cuvée aus Treixadura, Loureira und Albariño | DO Ribeiro | ca. 20 Euro
• Weingut Virxe de Galir | Pagos del Galir Godello 2015 | DO Valdeorras | ca. 9 Euro
• Weingut Adegas Valmiñor | Minius 2015 | Godello | DO Monterrei | ca. 9 Euro

Hier geht es zum Artikel über die Rotweine und zu weiteren Winzern und Winzerinnen, die ich auf dem Salón de las Estrellas 2016 kennengelernt habe.

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