Garcia de Verdevique – auf dem Dach Spaniens

In der Alpujarra-Region in Andalusien befinden sich die höchsten Weinberge Spaniens und des europäischen Festlands. Weit hinauf geht es unter anderem beim Weingut Garcia de Verdevique, das Reben bis auf einer Höhe von 1.400 m. ü. NHN im biologischen Anbau kultiviert. Geführt wird das kleine Weingut von Vater und Sohn – beide tragen den Vornamen Antonio. Als meine Frau Emily und ich unseren Besuch abstatten, ist der junge Antonio auf den Feldern beim winterlichen Rebschnitt. Also stellt uns Vater Antonio den Betrieb und dessen Weine vor.


Die Straße zum Weingut Garcia de Verdevique. Im Hintergrund der schneebedeckte Gipfel des 3.481 Meter hohen Mulhacen (Sierra Nevada).

Antonio Garcia de Verdevique entstammt einer Weinbauernfamilie. Großvater und Vater erzeugten den für die Alpujarra typischen Vino de Costa, was auf deutsch „Küstenwein“ heißt (wegen der unmittelbaren Nähe zum Mittelmeer). Der einfache Wein wurde in Kanistern abgefüllt und in der Region für kleines Geld verkauft. Als Antonio – der sein ganzes Leben an diesem Ort verbrachte – das bescheidene Anwesen in den 1980er-Jahren übernahm, stellte er bald auf biologische Landwirtschaft um und investierte in moderne Gerätschaften: neue Weinpresse, Stahltanks, Abfüllanlage. Vier unterschiedliche Weiß-, zwei Rotweine und einen Schaumwein keltern Vater und Sohn heute. Etwa 20.000 Flaschen jährlich. Die meisten werden nach wie vor regional vertrieben. Es hat sich aber auch ein niederländischer Weindistributor gefunden, und selbst das weltbekannte Gourmetrestaurant Noma in Kopenhagen kredenzt einen ihrer Weine – die Crianza von 2006.


Blick auf das Weingut Garcia de Verdevique, das in der Sierra de la Contraviesa liegt, die wiederum eine Teilregion der Alpujarra darstellt.

Diese Crianza enthält zu sechzig Prozent Tempranillo und dreißig Prozent Cabernet Sauvignon. In geringen Mengen fließen zudem Petit Verdot, Garnacha und Pinot Noir mit ein. Gemessen an der Qualität – ich habe die Jahrgänge 2009 und 2010 verkostet – wandert die Flasche im regionalen Handel für sehr preiswerte fünf Euro über den Ladentisch. Jeder Jahrgang schmeckt dabei anders, weil die Garcias im Grunde Naturweine herstellen – auch wenn sie diese nicht so benennen. Im Weinberg wird nicht gespritzt, und im Keller kommen kein Schwefel und keine Zuchthefen zum Einsatz. Ebenfalls verzichten sie auf eine Filtrierung des Weins.

Das trockene Klima begünstige die biologische Landwirtschaft, sagt Antonio. Es vermindere das Risiko eines Schädlingsbefalls. Wenn er sich das optimale Wetter aussuchen könnte, wie würde es aussehen, frage ich. „Kalte Winter, warme Sommer mit kühlen Nächten unter zwanzig Grad und 50 bis 100 Liter Niederschlag über das Jahr verteilt“, entgegnet er.

Beim Faktor „kühle Nächte“ spielt die hiesige Hochlage natürlich eine entscheidende Rolle. Sie beschert den Stöcken wichtige Ruhepausen, unterstützt die Säurebildung und verlängert die Reifezeiten der Reben. Doch auch in diesem Teil Andalusiens macht sich der Klimawandel bemerkbar. In den 1970er Jahren, sagt Antonio, wären die Gipfel der Sierra Nevada das ganze Jahr über schneebedeckt gewesen und die Trauben hätten sie im November geerntet. Heute trügen die Berge nur im Winter eine Schneehaube, und die Weinlese starte bereits Ende September.


Antonio Garcia de Verdevique und meine Frau Emily stoßen mit dem neuen Jahrgang 2016 an.

Wir verkosten den neuen Jahrgang 2016, der noch nicht in Flaschen abgefüllt ist. Antonio wandert von Stahltank zu Stahltank und zapft die jungen Tropfen in unsere Gläser. Das ist unter anderem deshalb interessant, weil wir so die Weine sortenrein trinken – also jeweils den Cabernet Sauvignon und den Tempranillo, die sich bei der folgenden Weinbereitung ja noch zu einer Cuvée vereinen. Ebenso den herrlich saftigen Sauvignon Blanc, der später mit Viognier und Chardonnay zu einem Wein verschnitten wird.

Zwei autochthone weiße Reben werden ebenfalls vinifiziert: Jaén Blanco und Vijiriega (auch Vigiriego genannt). Ergänzend trinken wir zuhause die abgefüllten Jahrgänge 2014 und 2015. Erstaunlich ist bereits die Farbe des von Garcia de Verdevique reinsortig ausgebauten Vijiriegas – eine Sorte, die nur in der Alpujarra und auf den Kanarischen Inseln vorkommt: Altgold die im Barrique gereifte Variante; karamellfarben jene aus dem Tank. Es handelt sich um sogenannte „Orange Wines“ – also Weißweine, die wie Rotweine auf der Maische vergoren werden und dadurch ihre intensive Farbe erhalten. Beide Sorten – Jaén Blanco und Vijiriega – sind säurebetont und verfügen über einen kräftigen Körper. Wer auf liebliche Weine steht, sollte die Finger davon lassen. Wer es gerne knackig mag, könnte seine Freude an diesen Weißweinen haben.

Nachdem ich die vergangenen Monate auf diesem Blog viele erstklassige spanische Weingüter und deren Weine überwiegend im Preissegment von zehn bis vierzig Euro beschrieben habe, mag es komisch erscheinen, dass ich ausgerechnet den von Garcia de Verdevique im Stahltank ausgebauten Vijiriega 2015, der in den kleinen Supermärkten und Metzgereien der Alpujarra für etwa vier Euro verkauft wird, als einen der außer- und ungewöhnlichsten Weißweine bezeichne, die mir in dieser Zeit begegnet sind. Dieses Urteil trifft gleichfalls auf den Sauvignon Blanc-Viognier-Chardonnay-Verschnitt von 2013 zu und ist in der Tat als Warnung (ungefilterte, leicht trübe Naturweine), wie auch als Aufforderung zum Genuss an Sie – verehrte Leser und Leserinnen – zu verstehen.


Schaumweine liegen kopfüber in den Rüttelpulten. Das Weingut erzeugt sie im traditionellen Verfahren der Flaschengärung.

Unser Rundgang durch die Bodega Garcia de Verdevique endet bei den Schaumweinen. Im traditionellen Verfahren der Flaschengärung erzeugt das Weingut einen staubtrockenen Vijiriega (Brut Nature, mit weniger als drei Gramm Restzucker pro Liter). Dieser „Espumoso“ – so werden Sekte außerhalb der spanischen Cava-Regionen deklariert – zeichnet sich durch eine rotgoldene Farbe, intensive Perlenbildung sowie kräftige Aromen von Sauerkirsche und Hefeteig aus.

Zwei Stunden sind vergangen, Zeit für die Heimreise. Wir nehmen noch einige Flaschen mit nach Hause. Weil Vater Antonio regelmäßig mit einem Kleinlaster auch in unseren Teil der Alpujarra kommt, um Weine auszuliefern, tauschen wir Telefonnummern aus. Er solle uns vorher bitte anrufen, wir nähmen ganz bestimmt wieder ein oder zwei Kartons ab.


Ein paar Flaschen von Garcia de Verdevique auf meiner Terrasse zuhause.

Da ich eingangs in Bezug auf die Alpujarra von den höchsten Weinlagen auf dem europäischen Festland sprach: Die höchsten Weinberge Europas liegen übrigens auf Zypern. In der Region Limassol reichen sie glaubhaften Quellen zufolge hoch bis auf 1.500 Meter Meereshöhe.


Link zum Weingut: www.bodegasgarciadeverdevique.com

Link zum niederländischen Weindistributor, der die Weine von Garcia de Verdevique zu günstigen Versandkosten nach Deutschland liefert und eigens ein 6er-Probepaket zur Bestellung anbietet: www.granadawijnen.nl

RSS
Follow by Email
Facebook
Facebook
Google+
http://spaniens-weinwelten.com/2017/02/25/garcia-de-verdevique/
Twitter

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.