Méndez Moya – Pionier im biodynamischen Weinanbau

Von der Provinzhauptstadt Granada aus führt die Autobahn A-92 in Richtung Almeria durch ein weitläufiges, fast menschenleeres Hochplateau, das enormer Trockenheit und teils heftigen Winden ausgesetzt ist. Im Sommer leidet das Land unter Hitze, die Winter sind eisig. Nimmt man die Ausfahrt bei Dólar, so verläuft eine schnurgerade schmale Straße nach zehn Kilometern ins Weiler El Pozico, wo sich die Weinlagen und Weinkellerei von Bodegas Méndez Moya auftun.

Bodega Mendez Moya bei El Pozico
Nahe des Weilers El Pozico befindet sich das Weingut Méndez Moya auf einer Hochebene.

Man merkt der Gegend gar nicht so richtig an, dass man sich auf über 1.200 m. ü. NHN befindet. Noch vor etwa einer Woche, also Mitte Mai, hätte er Sorgen vor Frost gehabt, der die bereits treibenden Reben zerstören könnte, erzählt uns Winzer José Méndez Moya.

Gefahr von Gefriertemperaturen im Mai in Andalusien, auf einem Breitengrad von Nordafrika, das ist schon ungewöhnlich. Die Hochlage kann sich diesbezüglich als Fluch erweisen, ist andererseits aber auch ein Segen. Denn aufgrund der kühlen, frischen Nachttemperaturen verlängern sich die Reifezeiten der Reben, so dass José Méndez Moya seine Weinlese von Ende September bis Mitte Oktober durchführt. Viele Winzer in Andalusien, die niedriger liegen, müssen bereits im August ihre Ernte einholen.

José Mendez Moya im Rebberg
Auf rund 1.200 Metern Meereshöhe liegen die Weinberge.

Die langen Reifezeiten sind wichtig, betont José. Denn sie entsprächen dem natürlichen Reifezyklus der Pflanzen. „Natürlich“ ist ein Wort, das es insgesamt hervorzuheben gilt, will man die Weine, den Weinanbau und die Weinphilosophie von José Méndez Moya beschreiben.

José praktiziert biodynamische Landwirtschaft, seine Arbeit richtet er nach dem Mondkalender aus. Im Weinberg verzichtet er gänzlich auf Kunstdünger und Pestizide. Stattdessen vermengt er als Dünger den Kot von Ziegen und Schafen mit den Pressrückständen seines Weins und führt diese Mischung den Böden zu. Die Rebstöcke werden einmal im Jahr mit einer Emulsion aus Kalk, Schwefel und Wasser vor Schädlingen geschützt. Das ist alles.

Auch bei der Weinbereitung verzichtet Méndez Moya auf jedwedes, was konventionell arbeitende Winzer ihren Weinen so beigeben. Die Gärung erfolgt in einem natürlichen Prozess ohne Zugabe von Zuchthefen. Darüber hinaus werden die Weine von Méndez Moya weder mit Schwefel stabilisiert, noch geschönt. José ist fest davon überzeugt, dass dieses Verfahren am besten für sie ist.

José Mendez Moya und Gruppe
José Méndez Moya führte uns durch die Weinberge und seine Weinkellerei. Unsere Schweizer Gäste Raphaela und Patrick (beide links) waren mit dabei.

Wer diesen Blog regelmäßig liest, der mag den Eindruck gewinnen, dass sich die Hälfte der andalusischen Weingüter auf Naturweine spezialisiert hat. Dem ist nicht so. Was ich auf dieser Plattform immer wieder vorstelle, ist eine Pioniergeneration an Weinmachern, die eine hochinteressante Minderheit darstellen.

Mit dem folgenden Zahlenspiel seien die Relationen einmal dargelegt: Zusammengerechnet kommen Naturweingüter wie Barranco Oscuro, Garcia de Verdevique, Bodegas F. Schatz und Méndez Moya auf eine Jahresproduktion von etwa 120.000 Flaschen. Zum Vergleich: Der katalanische Cava-Produzent Freixenet bringt es jährlich auf 200 Millionen Flaschen, und auch in den benachbarten Anbauregionen Valdepeñas und La Mancha gibt es zahlreiche Weingüter, die alleine auf weit über 1 Million Flaschen im Jahr kommen.

Der deutsche Discounter Aldi bezog für eine befristete Weinaktion die Weine von Méndez Moya, erzählt uns José. 40.000 Flaschen wollte Aldi von einem Wein ursprünglich haben, 4.000 Stück konnte er letztlich nur liefern. Mehr gab’s nicht, bzw. war anderen Distributoren schon zugesagt. Aus elf Hektar Rebland keltert er jährlich nur 45.000 Flaschen, die sich auf sechs verschiedene Weine verteilen, darunter fünf Rotweine aus den Reben Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Syrah sowie einen Weißwein aus Sauvignon Blanc.

Ökologische Landwirtschaft wird großgeschrieben
José Méndez Moya ist ein Verfechter von biodynamischer Landwirtschaft und natürlicher Weinbereitung.

Trotzdem kann man von einem kleinen Trend in Richtung Bio-Landwirtschaft und biologischem Weinanbau selbst in Andalusien sprechen. Vor zehn Jahren hätten ihn die Obst- und Gemüsebauern aus der Region noch ausgelacht, für das was er macht, erzählt José. Einen Spinner nannten sie ihn. Nun kämen sie auf ihn zu und erkundigten sich über seine Methoden, weil auch diese Landwirte erkennen, dass der gedankenlose Einsatz von Pestiziden auf Dauer mehr schadet als nützt. Und weil es vor allem in Mitteleuropa einen wichtigen Absatzmarkt gibt, der zunehmend Wert auf gesunde und natürliche Lebensmittel legt.

Ferner ist es beachtlich, was José in seinem winzigen Geburtsort El Pozico über die Jahre aufgebaut hat. Etwas Land hat er geerbt, mehr Fläche dazugekauft. Im Jahr 2000 pflanzte er die Rebstöcke, 2005 füllte er die ersten Weinflaschen ab. In dem Jahr begann auch der Bau seiner imposanten, teils untererdig liegenden Weinkellerei, für die er lokal vorkommende Baumaterialien – Steine, Hölzer, Kalk – verwendete.

Bis ins Jahr 2007 lag die Haupterwerbsquelle seiner Familie im nahgelegenen Skigebiet in der Sierra Nevada. Winterurlaubern boten sie dort Ferienwohnungen an. Nicht als Eigentümer, sondern als Agentur versteht sich. Seit 2007 sind er und seine Frau vollberuflich Winzer.

Im Weinkeller bei Bodegas Mendez Moya
Die kleinen Gärtanks stehen erhöht auf Böllern, was der schonenden Weinbereitung im weiteren Verlauf der Vinifizierung dient.

Für den Ausbau der Weine hat sich José Méndez Moya ein ausgeklügeltes System zur schonenden Weinbereitung ausgedacht. Die kleinen Gärtanks, in denen das Lesegut zuerst aufgefangen wird, stehen erhöht auf Böllern. Der spätere Transport der Maische in die großen 18.000 Liter fassenden Stahltanks erfolgt nicht durch maschinelles Pumpen, welches den Wein durch den heftigen Druck durcheinander wirbeln und stressen würde, sondern durch fließen. Dafür werden Auffangbehälter unter die kleinen Gärtanks gerollt und der Wein darin abgelassen. Mit einem Aufzug werden die Auffangbehälter auf eine Empore transportiert, von wo aus der Wein über einen Schlauch unter Mithilfe der Schwerkraft in die großen Tanks fließt.

Auch bei der Weinlese legt José Méndez Moya äußerste Sorgsamkeit an den Tag. Die Ernte beginnt nachts um 2 Uhr und endet morgens um 8 Uhr. Bei den kühlen Nacht- und Morgentemperaturen ist die Gefahr der Beschädigung des Leseguts geringer. Wenn Schalen bspw. aufreißen setzt bei Hitze unter Umständen eine zu frühe Gärung ein, die sich negativ auf die spätere Qualität des Weins auswirkt oder ihn sogar völlig verdirbt.

Die Weinprobe 
Vier Rotweine verkosteten wir. Zwei, darunter auch der Weißwein, waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs leider ausverkauft. Die neuen Jahrgänge werden erst in ein paar Wochen abgefüllt. Meine kurze Enttäuschung darüber – denn den Sauvignon Blanc hätte ich zu gerne probiert – entwich nach dem ersten Schluck des jungen Rotweins (Joven 2015). Eine feine Mineralik und Saftigkeit kennzeichnen den Tropfen. Adstringierendes Tannin tritt zwar deutlich zutage, zeigt sich dabei allerdings nicht hart, sondern recht ausgewogen.

José Mendez Moya mit Emily
Bei der Degustation gab es viel Zeit, um sich über Weine und Weinphilosophie zu unterhalten.

Die folgenden drei Weine lagen nochmals eine Qualitätsstufe höher. Mir persönlich schmeckte ein Verschnitt aus Tempranillo, Merlot, Cabernet Sauvignon des Jahrgangs 2007 mit 15 Monaten Barrique am besten. Durch sein Alter zeigte die Farbe ein ins Mürbe gehende rot. Am Gaumen präsentierte sich der Wein samtig, konzentriert und elegant.

Meine Frau Emily und sofern ich mich richtig erinnere auch unsere Schweizer Begleiter Raphaela und Patrick tendierten hingegen eher zur Cuvée aus Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Syrah von 2010 und mit 14 Monaten Barrique. Dieser ausgezeichnete Wein war weich und dicht in seiner Erscheinung und offenbarte betont beerige, fruchtige Anklänge.

Der letzte Wein unserer Degustation, die von Tapas begleitet wurde, war ein reinsortiger Cabernet Sauvignon, der die sortentypische Noten von grüner Paprika zeigte und etwas nach Kuhstall roch. Ich stamme aus einem Bauerndorf und liebe diesen Duft. Kindheitserinnerungen.

Weinprobe bei Méndez Moya
Nicht immer, aber öfters servieren andalusische Weingüter Tapas zur Weinprobe.

Insgesamt gesehen können die Weine von Bodegas Méndez Moya als körperbetont und weich charakterisiert werden. Schön ist: Trotz ihrer Fülle sind sie geschmeidig und weniger fettleibig als manch andere mediterrane Weine. Mit einem Säurewert von um die 5 g/l sind die Weine zudem frisch und saftig, und der Alkoholgehalt fällt mit 14% Vol. für südspanische Verhältnisse fast schon moderat aus.


Link zum Weingut: www.mendezmoya.com

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