Señorío de Nevada – Hotel mit Weingut im Zeichen der Berge

Aktuell herrscht Erntezeit. In der andalusischen Sierra Nevada sind damit vor allem Mandeln gemeint. Die Bergkette und deren Umland bei Granada sind wahrlich kein Hotspot der Weinwelt, wenngleich es in der Region einige ausgezeichnete und interessante Weingüter gibt. In Erwartung eines solchen haben mein Londoner Freund und Fotograf Simon Roth und ich das Weingut Señorío de Nevada besucht. Und siehe da, auch dort herrscht Erntezeit, derzeit werden die weißen Sorten Viognier und Vijiriega eingeholt.

Sierra Nevada, Landschaft
Mandelbäume vor der Kulisse der Sierra Nevada (Foto: Simon Roth)

Hacienda Señorío de Nevada ist in erster Linie ein luxuriöses Hotel, umgeben von sechzehn Hektar Rebland und mit integriertem Weingut. Das Weingut war aber zuerst da. 1996 gegründet, wurde es 2006 an ein Konsortium verkauft, welches das Anwesen auf den heutigen Stand ausbaute. Für anspruchsvolle Weintouristen stellt es einen fast idealen Ort dar: Neben allem Komfort, den ein Vier-Sterne-Etablissement so bietet, können sie eine pittoreske Weinlandschaft sowie hauseigene Weine von durchaus beachtlicher Qualität genießen.

Weinberg von Senorio de Nevada
Die roten Sorten wie Tempranillo und Garnacha sind fast reif und werden in den kommenden Tagen geerntet (Foto: Simon Roth)

Simon und ich sparten uns eine Übernachtung und kamen stattdessen auf eine Weinguts-Führung inklusive Tasting zu Besuch. Acht weitere Personen fanden sich im Foyer ein, wo wir von Yolanda begrüßt wurden. Unser Guide führte uns nach Draußen, wo die Weinberge unmittelbar ans Gebäude heranreichen.

Zwei Faktoren sind in Bezug auf den Weinstandort besonders zu beachten: die mineralischen Schiefer- und Kalkböden sowie die relative Hochlage von 700 Metern Meereshöhe. Das Wort „relativ“ verwende ich an dieser Stelle ganz bewusst: Verglichen mit der höchsten deutschen Weinlage am Hohentwiel auf 560 Metern liegen die Weinberge von Señorío de Nevada relativ hoch. Im Vergleich zu manch anderen Lagen in der Provinz Granada von bis zu 1400 Metern wiederum eher niedrig.

Señorío de Nevada, Weinberg
Weinberg von Señorío de Nevada im Schatten der Sierra Nevada (Foto: Simon Roth)

Dennoch bleibt die relative Höhe ein wichtiger Faktor, wie Yolanda bei unserem Rundgang betonte: In den Sommermonaten steigen die Tagestemperaturen regelmäßig auf deutlich über 35 Grad an. Klar, wir befinden uns nah am Mittelmeer, an einem der südlichsten Zipfel Europas, auf der geografischen Breite von nordafrikanischen Städten wie Tunis und Algiers.

Allerdings sorgen die Höhe und Nähe zu den Bergen in der Nacht für eine Abkühlung auf um die zwanzig Grad. Diese nächtliche Frische lässt die Reben ihre Zuckerproduktion herunterfahren und zur Ruhe kommen. Die Beeren bilden in diesen Pausen Säure und Tannine heraus, was die Grundlage für einen ausbalancierten Wein darstellt.

Im Weinkeller von Senorio de Nevada
Betriebsamkeit im Keller nach der Ernte von Viognier und Vijiriega (Foto: Simon Roth)

70.000 Flaschen im Jahr füllt Señorío de Nevada ab. Ein Teil der Produktion wurde bereits auf organisch-biologisch umgestellt. Neben den sechzehn Hektar Rebland, die das Weingut in Eigenregie bewirtschaftet, werden zusätzlich Trauben auf fünf Hektar von örtlichen Weinbauern dazugekauft. Für alle Flächen gilt, dass die Erträge im Sinne einer hohen Qualität reduziert werden: Beim Grünschnitt im Frühsommer werden Trauben entfernt, damit jene, die am Stock bleiben, mehr Nährstoffe erhalten.

Die Weinbereitung im Keller erfolgt nach konventionellen Maßstäben, was unter anderem bedeutet: die alkoholische Gärung mittels Zuchthefen in temperaturregulierten Stahltanks; die Schönung des Weins mit Eiweiß und Gelatine sowie eine Filtrierung vor dem Abfüllen. Die höherpreisigen Rotweine werden ferner in Barriques aus amerikanischer und französischer Eiche zu Crianzas ausgebaut – sie reifen für 12 Monate im Eichenfass und danach für mindestens ein weiteres Jahr in der Flasche, bevor sie in den Handel gelangen.

Barriquefässer bei Senorio de Nevada
Barriques aus französischer und amerikanischer Eiche (Foto: Simon Roth)

Auf die Besichtigung von Weinberg und Weinkeller folgt unweigerlich die Weinprobe. Simon und ich hatten das Glück vom eigentlich ausverkauften Weißwein aus Viognier und der autochthonen Sorte Vijiriega noch ein Glas abzubekommen. Ein saftiger Tropfen mit einem ausgewogenen Frucht-Säure-Verhältnis, der sich beim Trinken weich und rund anfühlt. Herzlichen Dank, Yolanda!

Nahezu die selben Attribute würde ich dem Rosé aus Garnacha zuschreiben. Bei der Weinbereitung bleibt er für vier Stunden auf der Maische, in denen er die Farbpigmente aus den roten Beerenschalen zieht. Danach wird er gepresst und wie ein Weißwein ohne Schalen und Kerne vergoren. Pilar aus Madrid, die ebenfalls an der Führung teilnahm und bei der Weinprobe mit uns am Tisch saß, kam zu einer etwas kritischeren Beurteilung des Rosés als ich. Ihr Statement: „Ein langweiliger, aber guter Wein.“ Das klingt widersprüchlich, jedoch verstehe ich was Pilar damit meint, denn oft ist es so, dass gute und selbst sehr gute Weine nicht automatisch besonders aufregend oder spektakulär schmecken.

Tasting
Yolanda hat uns durch’s Weingut geführt und das Tasting moderiert (Foto: Simon Roth)

Auch wenn unser Guide Yolanda bei der Führung hervorhob, dass wir uns aufgrund der Nähe zur Sierra Nevada mit Gipfeln von weit über 3000 Metern Höhe nicht in einem mediterranen Klima befinden, so haben die Rotweine von Señorío de Nevada meines Erachtens doch einen stark mediterranen Einschlag. Das heißt, sie sind körperbetont und alkoholisch.

Zumindest gilt diese Einschätzung für die drei Crianzas, die das Weingut in einer eigenen Rangliste als Bronze, Silber und Gold (Oro) einstuft und unter diesen Bezeichnungen auf den Markt bringt. Ihr Preissegment reicht von zehn Euro (Bronze) bis zwanzig Euro (Oro).

Ob Gold (Cuvée 2012), Silber (Syrah 2013) oder Bronze (Cabernet Sauvignon 2013) – alle sind sie dicht, konzentriert und beerig, wenngleich ich dem Oro mehr Länge, Tiefe und Charakter bescheinigen würde als den beiden anderen. Spätestens an diesem Punkt glaube ich eine gewisse Stilistik aller Weine von Señorío de Nevada ausmachen zu können. In einem Wort zusammengefasst hieße dies: harmonisch.

Tasting Flaschen
Grünes Etikett rechts: Kräuterig und balsamisch schmeckte der Petit Verdot (Foto: Simon Roth)

Am ungewöhnlichsten fand ich den Petit Verdot 2015. Der junge, nicht im Holzfass ausgebaute Biowein verfügt weder über die Schwere und Dichte, noch über die Beerigkeit der zuvor genannten Crianza-Weine. Dafür zeigt er kräuterige, würzige und balsamische Aromen sowie erdige und mineralische Komponenten. Dieser Petit Verdot fließt nicht ganz so gemütlich (harmonisch) über den Gaumen, was ihn für mich wiederum interessant macht.

Mit unseren Zufallsbekanntschaften Yolanda und Pilar waren Simon und ich bei der Degustation oft einer Meinung. So unter anderem, dass uns Señorío de Nevada sauber gemachte und gute Weine beschert. Unter den Guten gibt es ferner ein, zwei echte Höhepunkte.

Tasting Gruppe
Auf Weintour durch Andalusien: Pilar und Yolanda machten bei Hacienda Señorío de Nevada halt (Foto: Simon Roth)


Link zu Hotel und Weingut: www.senoriodenevada.es

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