Albariño – das Gold Galiciens

Albariño. Die Weißweinsorte Galiciens. Mit einem enormen Potenzial ausgestattet, um höchste Qualitäten hervorzubringen: von filigran bis körperreich, von elegant bis mächtig, von zartfruchtig bis hocharomatisch. Dabei frisch und saftig schmeckend, unterlegt mit straffer Säure und teils spektakulärer Mineralik, welche die Granitböden ihrer Appellation D.O. Rías Baixas widerspiegelt. Seltsam, dass ich diese Sorte zum ersten Mal vor sieben Jahren bei einem Date mit meiner heutigen Frau trank und davor noch nicht einmal vom Namen kannte. Hat es damals vielleicht sogar am Wein gelegen? Wenn ich heute in Spanien eine Weinmesse besuche, dann teste ich mich wie selbstverständlich zuerst durch möglichst viele Albariño, bevor ich zu anderen Sorten und Regionen übergehe. Deshalb ist dieser Artikel auch eine Art Jahresrückblick (es ist die Zeit dafür und auch ich verschone Sie nicht davor), in dem ich „meine“ drei Albariño des Jahres 2017 küre sowie die für mich besten Tropfen unter zehn Euro nenne.

Albarino
Albariño-Trauben (Foto: Juan Manuel Sanz / © ICEX)

Rías Baixas – das südlichste Weingebiet Nordeuropas
Dass Albariño aus Rías Baixas heute buchstäblich in aller Munde ist, ist noch gar kein so altes Phänomen. Selbst in Galicien wurde die Rebe lange Zeit nicht mehr gefördert, weil die relativ saftarmen Trauben mit dicker Schale nicht genügend Most ergaben. Erst in den 1980ern setzten ein Umdenken zu mehr Qualität und die Hinwendung zu alten einheimischen Sorten verstärkt ein. Anfangs blieben Rebe und Region jedoch nur Wein-Insidern bekannt. 1991 kürte dann der „Club de Vinos Gourmets“ die besten jungen spanischen Weißweine. Die vier ersten Plätze belegten dabei Albariños aus dem Rías Baixas. Binnen kürzester Zeit wurden die Albariños in den schicken Bars von Madrid populär, und auch im Ausland fanden die Weine rege Beachtung.

Die Rías, wie die tief ins Land ziehenden Fjorde der Atlantikküste heißen, sind aufgrund ihres großen Reichtums an Meeresfrüchten und mit dem Wein aus Rías Baixas („Untere Fjorde“) eine Region für Feinschmecker. Aus fünf Subzonen setzt sich das kleine Anbaugebiet im äußersten Nordwesten Spaniens zusammen. Gemeinsam kommen sie auf gerade einmal etwas mehr 4.000 Hektar Rebfläche, die sich in 21.825 Parzellen unterteilen, was für eine beeindruckende Kleinteiligkeit und Diversität spricht. Atlantische Winde bringen Regenfälle bis zu 2.000 mm pro Jahr und sorgen für ein grünes, fruchtbares Land. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für Deutschland lag 2016 bei 736 mm. Vom „südlichsten Weingebiet Nordeuropas“ sprechen die Galicier deshalb häufig Bezug nehmend auf Rías Baixas, dessen säurebetonte Weine mit ihrer Frische und Spritzigkeit so gar nicht dem (veralteten) Bild der „schweren Spanier“ entsprechen.

Albarino-Weinberg, Rias Baixas
Fruchtbares Weinland: Rías Baixas (Foto: Juan Manuel Sanz / © ICEX)

Die Top-3
Mir fällt es erstaunlich leicht meine Top-3-Albariños für’s Jahr 2017 zu nennen. Obwohl es nicht wenige waren, die ich im Mai auf Spaniens größter Weinmesse FeNaVin in Ciudad Real und gerade erst im November auf dem Salon de las Estrellas in Madrid verkostet und dann freilich auch immer wieder mal zuhause und bei Freunden getrunken habe. Trotzdem: Eindeutig haben diese drei Tropfen den größten Eindruck hinterlassen, alle sind sie strukturbetont und mineralisch.

Bodegas Zarate, Eulogio Pomares, 2015 Carralcoba
Ein konzentrierter, enorm mineralischer Albariño, dessen bis zu siebzig Jahre alte Reben auf Granitgestein mit hohem Glimmeranteil wachsen. Von Winzer Eulogio Pomares wird der Wein im Kastanienfass spontan vergoren. Am Gaumen zeigt er sich komplex mit vielen Nuancen und hallt lange nach. PS: Ein ebenfalls außergewöhnlicher Albariño von Bodegas Zarate ist der Balado, der mit seinen teigigen Aromen fast schon an Champagner erinnert, nur ohne Blubber.

Bodegas Albamar, 2015 Pepe Luis
Jungwinzer Xurxo Alba hat mit dem Pepe Luis einen Albariño geschaffen, der sich wie ein Gedicht anfühlt, das es zu interpretieren und entschlüsseln gilt. Der Wein offenbart Zitrusaromen, er wird getragen von einem straffen Säuregerüst und entfaltet eine breite wie tiefgehende Geschmackswelt. Der Ausbau erfolgt in gebrauchten Barriques und im Fuder bei dreizehn Monaten Hefestandzeit. Zum Trinken eine Herausforderung und Wonne zugleich.

Bodegas Carlos Rey Lustres, 2015 Nadigma Sobre Lias
Ein eleganter Albariño, 21 Tage im Stahltank vergoren und danach vier Monate auf der Hefe gestanden. Mit Grip und viel Struktur ausgestattet und dennoch auch von schöner Cremigkeit. Das mineralische Profil ergänzen ein zarter Duft von reifem Obst und forale Aromen.

Fenavin: Eulogio Pomares von Bodegas Zarate
Eulogio Pomares, Bodegas Zarate, mit zwei seiner großartigen Albariño.

Neben diesen für mich herausragenden Top-3 gibt es viele sehr gute Albariños, auch in der Preiskategorie unter zehn Euro. Das wären beispielsweise der Bouza do Rei 2015 vom gleichnamigen Weingut sowie der Torroxal 2015 von Adegas Valminor sowie der Nai 2016 von Terra de Asorei. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit in der Stilistik und bei der Aromenvielfalt zeichnet sie als gemeinsames Merkmal eine knackige Säure und Saftigkeit aus, die charakteristisch für Weißweine aus Albariño sind.

Alles Albariño? Nicht unerwähnt soll der junge Trend zu Rotweinen bleiben. Dass aus der galicischen Appellation Ribeira Sacra exzellente Rotweine aus der Mencia-Rebe kommen, dürfte Weinexperten geläufig sein. Nun schwingen sich weitere Anbaugebiete in Galicien, darunter auch Rías Baixas, dazu auf ihre Weinpalette in Bezug auf die Roten zu erweitern. Zumeist sind es Verschnitte aus autochthonen Reben wie Souson, Espadeiro und Pedral. Die Weine werden jung getrunken und wirken in ihrer schlanken, säurebetonten Stilistik ganz „unspanisch“. Der Fento (wieder von Bodegas Zarate) sei beispielhaft genannt.

Xurxo Albamar von Bodegas Albamar
Xurxo Alba mit seinem Pepe Luis.

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