Garcia de Verdevique – der neue Jahrgang

In meiner Wahlheimat Andalusien bin ich vor etwa einem Jahr auf ein Weingut gestoßen, das ich seither viermal zwischen Februar und November 2017 besucht habe. Die Naturweine von Garcia de Verdevique haben sich inzwischen zu meinen „Hausweinen“ entwickelt, die regelmäßig unsere Abendessen begleiten. Jetzt sind die neuen Jahrgänge im Handel, und das sorgt natürlich für große Aufregung im Hause Götz, denn damit entscheidet sich unter anderem, wie das Jahr 2018 kulinarisch gesehen verläuft.


Februar 2017, erster Besuch. Auf dem Weg zu Garcia de Verdevique.

Das Weingut von Vater Antonio und Sohn Alberto Garcia liegt versteckt in der Sierra de la Contraviesa, nur 15 Kilometer Luftlinie vom Mittelmeer entfernt. Von hier aus erhält man einen guten Blick auf den größeren Gebirgszug der Sierra Nevada, deren 3000er-Gipfel im Winter mit Schnee bedeckt sind.

Das Terroir ist einzigartig und trägt sicher dazu bei, dass die Weine von Garcia de Verdevique so außergewöhnlich sind. Zum einen haben wir es mit einer für Europa ungewöhnlichen Hochlage zu tun: Die Weinberge der Garcias liegen auf 1150 bis 1400 m – auf dem ganzen Kontinent finden sich kaum höhere Lagen. Einige Parzellen sind mit dem Traktor nicht befahrbar bzw. zu erreichen, weshalb Sohn Antonio sie vor dem Frühjahr ganz traditionell mit Pferden umpflügt. Zum anderen sind die Rebstöcke größtenteils sehr alt, die meisten um die 80 Jahre, manche sogar bis zu 120 Jahre. Ihre Erträge sind geringer, als das bei jungen Reben der Fall ist. Allerdings reichen die Wurzeln der alten Stöcke tiefer und sind so in der Lage mehr Mineralstoffe aus dem Boden zu ziehen.

Darüber hinaus tut der Schieferboden das seine, um die Erträge gering, aber die Qualitäten hoch zu halten. Aus sechs Hektar Rebland keltern die Garcias je nach Jahresernte zwischen 15.000 und 20.000 Flaschen. In fruchtbareren Regionen Nordspaniens oder Mitteleuropas liegt die Ausbeute im Vergleich schnell mal um ein Dreifaches höher. Last but nor least, sind die Weinmacher selbst ein Teil des Terroirs: Seit vielen Generationen bestellt die Familie Garcia dieses Fleckchen Erde, das Wissen darum wird von der einen auf die andere Generation übertragen.


Juni 2017, zweiter Besuch. Mit 1350 m eine der höchsten Lagen Europas.

Nicht nur die geografischen und klimatischen Umstände sind speziell, sondern auch die Weinbereitung: Antonio und Alberto Garcia keltern nämlich Naturweine. Neben einer biologischen Landwirtschaft, die auf den Einsatz von Kunstdüngern und Spritzmitteln verzichtet, bezieht sich der Begriff „Naturwein“ vor allem auf die Arbeit im Weinkeller: Die Rot- und Weißweine werden mit Naturhefen (spontan) vergoren, das heißt ohne Zugabe von Reinzuchthefen. Ferner unterlassen die Garcias das Schwefeln und Schönen ihrer Weine.

Dass ungeschwefelte Weine nicht lange haltbar sind, wie viele glauben, ist übrigens falsch. Noch nicht lange her hatte ich die Crianza 1999 von Garcia de Verdevique bei mir zuhause im Glas. Ein unfassbar guter, eleganter Wein, der auch nach 18 Jahren schön saftig und kraftvoll und ohne jeden Fehler daherkam. Mit Naturweinen verhält es sich schlichtweg so wie bei den „normalen“ Weinen: Es gibt schlechte und gute. Wenn der Winzer unsauber arbeitet, dann sind freilich auch Naturweine schlecht.

Persönlich habe ich nichts gegen die Verwendung von Schwefel und eine Schönung der Weine mit Eiweiß oder Gelatine. Ich bin da kein Dogmatiker, bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Allerdings gibt es genügend Weinmacher, die zeigen, dass es ohne chemische bzw. weinfremde Substanzen geht. Vermutlich funktioniert das in kleinen Weingütern einfacher als in großen Weinbetrieben, weil bei vielen Angestellten die Fehlerkette entsprechend größer ist und bei Naturweinen besondere Sorgfalt geboten ist, um sie bspw. vor Oxidation zu schützen.


November 2017, vierter Besuch. Blick auf das Weingut.

Nun aber zu den neuen Jahrgängen von Garcia de Verdevique, die ich eingangs angekündigt habe. Folgende drei Rotweine, die grade in den Handel gekommen sind, habe ich diese Tage verkostet. Insgesamt, so viel vorab, bin ich mehr als angetan von ihrer Dichte, Konzentration und dem Grip, den sie am Gaumen zeigen:

Curore Profundo 2015. Cuvée aus Pinot Noir, Petit Verdot, Garnacha, Syrah. VdlT Cumbres del Guadalfeo. 15% Vol. Ausbau im Stahltank.
Meine Notizen: Ein mächtiger Wein mit spürbaren, gut eingebetteten Tanninen. Trotz der Jugend ein weicher Wein mit viel Kraft und Tiefe. Der Wein ist beerig und würde ins fett-marmeladige kippen, wenn da nicht die spektakuläre Säure (der Hochlage geschuldet) sowie die vom Schieferboden resultierende Mineralik wären, die ihn saftig, frisch und komplex machen.

Tinto Crianza 2011. Cuvée aus Tempranillo, Cabernet Sauvignon. VdlT Cumbres del Guadalfeo. 15% Vol., 12 Monate Ausbau im Barrique.
Meine Notizen: Komplex und elegant. Breites Aromensprektrum von würzig über balsamisch über animalisch bis hin zu fruchtig. Weiche Tannine. Harmonisch und mit viel Körper. Lang anhaltend. Heute brillant und wahrscheinlich auch noch in zehn Jahren.

Tinto 2016. Tempranillo, Cabernet Sauvignon. VdlT Cumbres del Guadalfeo. 14,5% Vol. Ausbau im Stahltank.
Meine Notizen: So jung und schon so gut. Muskulöser Körper, gut ausbalanciert. Tannine deutlich, aber nicht aufdringlich. Ebenfalls enorm saftig. Reife Frucht, unterlegt mit einer animierenden Säure.


Antonio und Alberto Garcia in ihrem Weinkeller.

Nun habe ich abschließend eine schlechte und zwei gute Nachrichten für Sie, liebe Leser und Leserinnen:

Zuerst die schlechte: Die von mir hier besprochenen Jahrgänge können Sie in Deutschland (noch) nicht beziehen.

Die erste gute Nachricht: Sie können Bodega Garcia de Verdevique mit mir im Rahmen einer Weintour besuchen, die ich im Juni 2018 durch die Sierra de la Contraviesa und Costa Tropical (Provinz Granada) anbiete. Und dann freilich auch die besagten Weine verkosten. Mehr dazu erfahren Sie auf dieser Webseite in der Rubrik „Weintouren 2018“.

Die zweite gute Nachricht: Neuerdings vertreibt der in Berlin ansässige Händler „Alpujarra Olivenöl“ die Weine von Garcia de Verdevique. Unter anderem sind mit dem Tinto 2015 und dem Tinto Crianza 2010 zwei ebenfalls exzellent ausgefallene Jahrgänge darunter. Die Weine können Online bestellt und deutschlandweit bezogen werden.


Auch 2018 wird gut werden mit Garcia de Verdevique.


Weitere Infos:
Link zum Weingut: www.bodegasgarciadeverdevique.com

3 Kommentare

  1. Hallo Tom,
    habe heute goeich deinen Weintipp probiert, prima Wein! …und ganz einfach den hier in Berlin zu bekommen! Hatte versucht den Wein bei Delinat zu bestellen, die haben den aber nicht, …habe aber per Internet herausgefunden, dass hier in Belrin ein kleiner Händler mit Olivenöl aus der Alpujarra sitzt, der just auch diese Weinbauern im kleinen Sortiment hatte. Und den hat er mir auch heute gleich noch nach Hause gebracht, so dass ich mal reinschmecken konnte. Er wollte wissen wie ich auf Ihn und den Wein komme, hab ihm von unserer Bekanntschaft und deinem Engagement für den Wein erzählt etc…er kennt deinen Blog, und wird hoffentlich auch direkt mit dier Kontakt aufnehmen.
    so weit
    cheers
    Thomas

    1. Hallo Thomas! Danke für deine Nachricht! Freut mich zu hören, wenn dir der Wein schmeckt und du ihn auch einfach beziehen konntest. Viele Grüße nach Berlin und hoffentlich bis bald. Tom

      1. Hallo Herr Bürk, hallo Herr Götz,

        na, das freut mich sehr, dass Ihnen, Herr Bürk, der Wein gut schmeckt und vor allem, dass die Buschtrommeln so schnell waren, dass Herr Götz uns bereits in seinem Artikel erwähnt hat.
        Die neuen Jahrgänge werden wir in Kürze auch am Lager haben. Darauf freue ich mich schon besonders, denn probiert habe ich sie ebenfalls bereits Anfang Dezember. Sie sind wieder sehr gut gelungen.

        Mit den besten Grüßen aus Berlin,

        Werner Hofer

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