Das Andalusien Tasting

Dreizehn britische Wandersleut, denen es tatsächlich Spass macht im Winter in den Bergen der Sierra Nevada herum zu stapfen, haben mich für die Organisation und Moderation einer Weinprobe angefragt. Das Thema: Die hiesige Provinz Granada, ergänzt um einige Weiß- und Rotweine aus weiteren andalusischen Anbaugebieten. Da sagte ich freilich gerne zu, und die Veranstaltung entwickelte sich dann auch zu einem anregenden Abend mit unterhaltsamen Gesprächen.

Weine für Andalusien Tasting
Achtmal Andalusien bitte!

Das mit dem anregenden Abend lag einerseits an den Weinen aus Andalusien, andererseits und ganz besonders an den überaus freundlichen und interessierten Wanderern aus Großbritannien. Ich muss sagen, dass ich Briten wirklich mag. Höflichkeit und Understatement – zwei (altmodische) britische Middle-Class-Tugenden – gepaart mit einem Schuss Extravaganz, sagen mir insgesamt sehr zu.

Darüber hinaus gehörten der Gruppe einige fortgeschrittene Weintrinker/innen an, das zeigte sich schnell an den Fragen, die gestellt wurden, zum Beispiel zu Böden und der Art des Weinausbaus. Hingegen bemerkte ich auch, dass sich die dreizehn britischen Verkoster geschmacklich vor allem mit Weinen aus Frankreich, Italien und – die koloniale Vergangenheit lässt grüßen – Südafrika, Neuseeland und Australien auskannten. Andalusien bzw. Spanien insgesamt, klammern wir einmal das Thema Sherry und das Anbaugebiet Rioja aus, stellten für nahezu alle Teilnehmer ein im Grunde unbeschriebenes Blatt dar.

Andalusien Tasting
Welches Weinderl hätten’s denn gern?

In Großbritannien wird Alkohol hoch besteuert. Allgemein liegen die Lebenshaltungskosten und Preise für Lebens- und Genussmittel deutlich über spanischem Niveau. So blickte ich in allseits überraschte Gesichter, als ich den Preis eines Weißweins aus dem Anbaugebiet D.O. Condado de Huelva verriet. Mit fünf Euro verfügt der Mioro Gran Selección 2016 vom Weingut Privilegio del Condado über ein prima Preis-Leistungs-Verhältnis. Hauptsächlich aus der für die Provinz Huelva typischen Rebsorte Zalema gekeltert, zeigt er sich zartfruchtig und frisch am Gaumen mit dezenten Bitternoten im Abgang. Easy-drinking, aber nicht langweilig. In Großbritannien koste ein Wein dieser Qualität schnell mal zehn Pfund oder mehr, so einige Kommentare, also umgerechnet das Zweieinhalb- bis Dreifache.

Auf den Preis bezogen, konnte ich die Verkoster mit der Tinto Crianza 2010 von Bodega Garcia de Verdevique später nochmals verblüffen. Dieser Rotwein aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon, der in den Läden der Alpujarra sechs Euro kostet und den ich auf diesem Blog schon öfters vorgestellt habe, schmeckt derart gut und vielschichtig, dass mir die Gruppe den geringen Preis zuerst gar nicht glauben wollte. Einige hielten es für einen Scherz. Erstaunt waren viele Personen zudem, weil es sich hier um einen ungeschwefelten Naturwein handelt. In etwas konservativeren Weinkreisen tun sich Naturweine normalerweise schwer.

Horacio Calvente
Horacio Calvente, einer der besten Winzer Andalusiens.

Bei den Weißweinen fand mehrheitlich der Guindalera Mountain Wine 2016 von Horacio Calvente aus der D.O.P. Granada den größten Zuspruch. Ich nenne ihn den „Survivor Wine“ (den Überlebenden), weil die Reben aus der Sorte Moscatel de Alejandriá stolze 120 Jahre alt sind und die vernichtende Reblausplage, die Südspanien um bzw. ab 1900 heimsuchte, unbeschadet überstanden. Die Reben für den Guindalera Mountain Wine wachsen in einer Hochlage von bis zu 1400 m, das ist typisch für das bergige Hinterland des Mittelmeers in der Provinz Granada. Hier finden sich die höchsten Weinlagen Kontinentaleuropas, die in Gesamteuropa nur noch von einigen Parzellen auf Zypern und den Kanarischen Inseln überboten werden.

Horacio Calvente wechselte in den 1990er Jahren den Beruf vom Bauarbeiter zum Winzer. Seine Rot-, Weiß- und Schaumweine zählen mittlerweile zum Feinsten, was Südspanien zu bieten hat. Der Guindalera Mountain Wine gibt sich exotisch im Duft sowie spektakulär mineralisch und saftig im Geschmack. Ein Weißwein mit vielen Facetten und Tiefe.

Bei den Rotweinen gefiel als Einstieg sogleich der Cabernet Sauvignon 2014 von Veleta Wine, ebenfalls aus der D.O.P. Granada. Es ist ein junger Wein, ein sogenannter Roble, der für kurze drei Monate im Barrique ausgebaut wird. Trotz seiner 14,5% Vol. kommt der Tropfen elegant und fruchtig daher, ergo weniger wuchtig und alkoholisch als man denken sollte. Diese Feinheit ist sicher auch ein Verdienst der jungen Önologin Rosa Pascual, die für die Weinbereitung bei Veleta Wine, der Marke des Weinguts Dominio Buenavista, zuständig ist.

Rosa Pascual
Rosa Pascual, u. a. Önologin bei Veleta Wine.

Rosa Pascual arbeitet als Önologin außerdem für zwei weitere Weingüter in Andalusien, namentlich Bodega Rambla Huarea in Granada und Bodega Palomillo in Almeria. Stets zeichnen sich ihre Weine in der Stilistik durch eine schöne Harmonie und Balance aus. Frisch und saftig sind sie, gerne auch kräftig, aber niemals plump und fett. Diesen Umstand betone ich deshalb, weil wir es mit Weinen aus dem südlichsten Zipfel Europas zu tun haben, die in einem mediterranen Klima entstehen und weil die hier genannten Qualitäten angesichts von Trockenheit und Hitze keine Selbstverständlichkeit sind.

Auf ein überaus positives Echo stieß ferner die 2014er Crianza „Vega del Geva“ von Bodega Pérez Hidalgo in der D.O. Sierras de Málaga. Die Brüder José und Francisco Pérez Hidalgo haben 2001 ihr Weingut in Álora gegründet, ein Ort, der überregional für seine Oliven, die Áloreñas, bekannt ist. José und Francisco sind die einzigen professionellen Weinmacher in der unweit von Málaga entfernten Kleinstadt und keltern drei Weine: den hervorragenden Weißwein Flor Floris aus Moscatel de Alejandriá sowie zwei exzellente Cuvées aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah (Crianza bzw. Reserva). Die von uns verkostete Crianza (12 Monate Barrique) ist dicht und komplex – erdige, kräuterige, würzige Töne treten hervor, die Tannine sind weich und gut eingebunden, die Säure fein ausbalanciert. Kostenpunkt hier in Spanien: zehn Euro. Fast ein Schnäppchen.

Perez Hidalgo
Pérez Hidalgo: drei Weine mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis

Der Vollständigkeit halber hier alle neun Weine unseres Andalusien-Tastings:

Mioro Gran Selección 2016, Bodega Privilegio del Condado, D.O. Condado de Huelva
Guindalera Mountain Wine 2016, Bodega H. Calvente, D.O.P. Granada
4V 2016, Bodega Cuatro Vientos, VdlT Cumbres del Guadalfeo
Vijiriego 2016, Hacienda Senorio de Nevada, D.O.P. Granada

Cabernet Sauvignon Roble 2014, Veleta Wine / Dominio Buenavista, D.O.P Granada
Barbazul 2014, Bodega Huerta de Albalá, VdlT Cadiz
Tempranillo y mas 2010, Barranco Oscuro, Contraviesa-Alpujarra
Vega del Geva 2014, Bodega Pérez Hidalgo, D.O. Sierras de Málaga
Tinto Crianza 2010, Garcia de Verdevique, Contraviesa-Alpujarra

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