Bodegas Almijara – die Moscatel-Pioniere

Die D.O. Sierras de Málaga ist in punkto Rebfläche ein kleines spanisches Weingebiet, das sich auf fünf Zonen verteilt, die über ganz unterschiedliche Terroirs verfügen. Eine dieser fünf Regionen ist die Axarquia, eine abgelegene und teils schroffe Berggegend mit spektakulären Steilhängen, auf denen zumeist die einheimische weiße Sorte Moscatel de Alejandría wächst. In Weinkreisen hat es die Axarquia im letzten Jahrzehnt zu einer gewissen Bekanntheit gebracht, weil berühmte Weinmacher wie Telmo Rodriguez und Jorge Ordoñez von Kritikern hochbewertete natürliche Süßweine bzw. trockene Weißweine aus Moscatel hier erzeugen.

Competa, Axarquia
In Cómpeta in der Axarquia.

Ein Weingut, das (inter-)national weniger bekannt ist, allerdings in der Axarquia ganz am Anfang der „Bewegung“ der trocken ausgebauten Moscatel-Weißweine bzw. im natürlichen Verfahren erzeugten Süßweine stand, ist Bodegas Almijara. Almijara, das ist der Name eines zur Axarquia gehörenden Bergzugs. Vergangene Woche habe ich das Familienweingut am Rande der Kleinstadt Cómpeta besucht.

Bodegas Almijara, Vinos Jarel
Bodegas Almijara bei Cómpeta.

Ich werde von Maria S. Ávila erwartet, die den Betrieb führt. Das Weingut wurde 1993 von ihrem Vater gegründet. Die Familie habe jedoch schon viel früher Reben angebaut und Wein gemacht, sagt sie. Der Haupterwerb lag seit dem 19 Jahrhundert in der Herstellung von Rosinen. Der nebenbei gekelterte Wein diente der Familie vor allem zum Eigengebrauch. Heute erzeugt Bodegas Almijara jährlich etwa 30.000 Liter Wein, daraus werden ein trockener Weißwein und natürliche Süßweine abgefüllt, alle entstammen sie der Rebe Moscatel de Alejandría und gelangen unter der Marke „Vinos Jarel“ in den Handel.

Weinlagen, Bodegas Almijara
Einige Steillagen von Bodegas Almijara. Die Weinparzellen sind in der Axarquia zumeist klein.

Wir befinden uns im Hof des Weinguts auf etwa 630 Höhenmetern mit Blick auf eine Talschneise, die sich bis zur Costa del Sol hinunterzieht. Das Mittelmeer liegt etwa zehn Kilometer Luftlinie entfernt. Maria zeigt auf die Steilhänge auf der anderen Seite der Schneise. Dort würden einige ihrer Moscatel-Reben wachsen, sagt sie. Uff, entkommt es mir, das sieht verdammt steil aus. Ich mit meiner Höhenangst könnte in diesen Lagen garantiert nicht arbeiten. Die Neigung, erfahre ich, beträgt durchschnittlich 45 (!) Prozent, das sind moselähnliche Dimensionen, die mit den Schieferböden der Axarquia eine weitere Parallele erfahren.

Paseros von Bodegas Almijara
„Paseros“, in denen die Trauben nach der Ernte für Süßweine getrocknet werden.

Meine Aufmerksamkeit lenkt sich auf mir seltsam erscheinende „Beete“, die mit Metallstangen eingefasst sind. Hier wird doch nicht etwa Gemüse angebaut? Nein, das sind die sogenannten „Paseros“, in denen die gelesenen Trauben ausgelegt und in der Sonne getrocknet werden, um daraus natürliche Süßweine oder Rosinen zu erzeugen. Derzeit, sagt Maria, sprießt gerade das Unkraut in den Paseros. Im Sommer würden sie dann aber schön gereinigt, und im September während der Erntezeit bieten sie mit den „Beerenteppichen“ ein sinnliches Fest für Auge und Nase.

Blick aufs Mittelmeer
Weingut auf 630 m Höhe mit Mittelmeer-Blick.

Das Trocknen von Trauben unter freiem Himmel ist eine jahrtausendealte Tradition in Andalusien. Die reif, aber nicht überreif geernteten Weinbeeren werden in den nach Süden ausgerichteten Paseros verteilt. Durch die Sonneneinwirkung verlieren die Beeren an Wasser, während Fruchtzucker und Säure erhalten bleiben. Nachts werden die Trauben mit Planen abgedeckt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Tagsüber werden die Planen wieder abgezogen. Je länger die Beeren in der Sonne „rosinieren“, umso süßer werden sie. Aus den süßen Trauben bzw. Rosinen können entsprechend natürliche Süßweine erzeugt werden. Wie diese Methode der Weinbereitung funktioniert, habe ich kürzlich genauer in diesem Artikel beschrieben.

Vinos Jarel
Weine von trocken bis süß: alles aus Moscatel

Acht bis neun Tage liegen die Beeren für den „Moscatel Jarel Naturalmente Dulce“ in der Sonne. Ich probiere den Jahrgang 2016, der goldgelb im Glas steht, lustvoll nach süßen Früchten duftet und am Gaumen ein feines Süß-Säure-Spiel offenbart. Dieser restsüße Wein ist süß, ja logisch, aber er ist definitiv nicht klebrig, sondern wunderbar frisch.

Ölig braun zeigt sich der „El de Siempre Vino Dulce“, als er von Maria ins Glas gegossen wird. Zwanzig Tage liegen die Beeren für den Dessertwein in der Sonne, sagt sie und fügt hinzu, dass er sechzehn Jahre alt sei. Beim Verkosten habe ich wirklich das Gefühl flüssige Rosinen zu trinken. Enorm süß, ich tippe auf einen Restzuckergehalt von um die 400 g/l, und von dickflüssiger Konsistenz, die immer noch eine schöne wahrnehmbare Säure enthält.

Weinkeller von Bodegas Almijara
Im Weinkeller von Bodegas Almijara.

In kundigen Weinkreisen besonders bekannt und anerkannt ist Bodegas Almijara für den „Jarel Seco y Afrutado“. Seit dem Jahr 2000 wird dieser Weißwein gekeltert, es handelt sich um den ersten trocken ausgebauten Moscatel de Alejandría in der D.O. Sierras de Málaga. Die Rebe Moscatel wurde zuvor nur zur Herstellung von diversen Süßweinen – zumeist mit Weingeist gespritet oder mit Traubenmostkonzentrat angereichert – eingesetzt. Málaga hat darin eine lange Tradition.

Nun aber dieser sortenreine, trockene Moscatel aus vierzig bis siebzig Jahre alten Reben. Sein Jahrgang 2016 lässt eine klare und saubere Frucht von reifen Aprikosen erkennen und schmeckt enorm frisch und saftig. Auch dank des Ausbaus von sechs bis acht Monaten auf der Feinhefe überzeugt er mit Grip am Gaumen und einem langen Abgang. Dies ist das Original und der einstige Wegbereiter für inzwischen zahlreiche trocken vinifizierte Moscatel de Alejandría in den Sierras de Málaga.

Maria Ávila
Natürlich nehm ich Wein mit heim. Maria Ávila packt ein.

Vor der Verkostung führte Maria Ávila in die Kellerei. Zwar haben auch hier ein paar Stahltanks zur temperaturregulierten Gärung Einzug gehalten, ansonsten beherbergt der Raum viele Holzfässer verschiedener Größen, historische Werkzeuge, vergilbte Fotos aus früheren Jahrzehnten an den Wänden und eine traditionelle Presse, die bis heute im Einsatz ist und bei der die Trauben zwischen Matten gelegt und mit einem schweren Metallbolzen gepresst werden. Man spürt und sieht in diesem Raum ganz deutlich eine über Familiengenerationen weitergegebene Weinkultur; Wein ist hier kein Lifestyle, sondern schlichtweg gelebter Alltag.

Link zum Weingut: www.bodegasalmijara.com

Vinos Jarel
Der Geschmack der Axarquia in der Alpujarra.

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