Berlin, die Alpujarra, ein Apfelschaumwein und vieles mehr

Werner Hofer kommt aus Berlin und handelt dort mit Olivenöl und Naturweinen aus der Alpujarra. Da tun sich doch ein paar Parallelen zu mir auf! Ich, ein Ex-Berliner, der heute in der Alpujarra lebt, außerdem über Wein schreibt und aus 65 Olivenbäumen eigenes Öl gewinnt. Allein diese Umstände stellen einen geradezu zwingenden Grund dar, sich kennenzulernen. Also lud ich Werner in mein winziges Bergdorf zu mir nach Hause ein, sobald er in der Gegend wäre. Und er sagte zu. Wat freu ick mir! Endlich mal wieder ein Berliner, endlich mal wieder ein Gast, mit dem man gepflegt über Mietpreise, Hipster und Gentrifizierung sprechen kann.

Vor einigen Wochen war Werner mit seinem Geschäftspartner Stefan Schneider und dessen Frau Sigrid schließlich wieder in der Alpujarra unterwegs, um nach neuen Weingütern sowie kleinen Manufakturen und Produzenten mit besonderen kulinarischen Erzeugnissen Ausschau zu halten. Das Team scheint darin ein feines Näschen entwickelt zu haben: Als Gastgeschenk erhielt ich den Apfelschaumwein „La Espeluzná“. Dieser wird in der Sierra Nevada von Manuel Moreno und Sara Bertoni im klassischen Champagner-Verfahren gekeltert, die zweite alkoholische Gärung findet hierbei in der Flasche statt. Die Äpfel für den Schaumwein gedeihen auf erstaunlichen 2000 m Höhe, für Weinreben wäre es so weit oben viel zu kalt, und das über Schotterwege zu erreichende Cortijo Macarena liegt wohl auch nah an der Apfelobergrenze. 

Apfelschaumwein La Espeluzna aus Sierra Nevada
Kein Most, sondern hochfeiner Apfelschaumwein aus 2000 m Höhe!

Wir tranken den als „Sidra espumosa brut nature“ ausgewiesenen Apfelschaumwein nicht an jenem Abend, vielmehr kredenzte ich den Tropfen meinem Freund Connor zwei Wochen später. Ob er Lust auf einen „Sidra“ habe, fragte ich ihn. Eine rein rhetorische Frage, denn Connor hat immer Lust auf ein alkoholisches Getränk. Ja klar, entgegnete er erwartungsgemäß und gab sich sogleich als Cider-Experte zu erkennen. Früher, in Irland, erzählte er, habe er viel und gerne Most getrunken. Sogleich hatte Connor ein paar Apfelwein-Anekdoten aus seinem Leben parat. Was ich ihm und mir dann eingoß, machte ihn kurzzeitig sprachlos: Dieser „Sidra espumosa“ ist nicht süß und auch nicht sauer; dafür staubtrocken, hochfein, erfrischend und mit herrlich fruchtigen Aromen. Er habe so einen guten „Cider“ noch nie getrunken, gab Connor zu. Faktisch ist es auch kein Cider, sondern offensichtlich ein mit handwerklicher Perfektion, im traditionellen Verfahren gekelterter Schaumwein aus Äpfeln. Beziehen lässt sich diese in geringen Mengen abgefüllte Kostbarkeit mit gerade einmal 7% Vol. Alkoholgehalt in Kürze in Werners und Stefans Online-Shop auf alpujarra-olivenoel.de. Was Connor und mich betrifft, so war die Flasche schnell geleert, und mir obliegt jetzt die Aufgabe für Nachschub zu sorgen. 

Weißweine für Verkostung
Weißweine aus Galicien und Málaga.

Für den Abend mit Werner, Stefan und Sigrid hatte ich vier spanische Weine zur Seite gelegt. Den Einstieg bildete ein Albariño aus Galicien. Albariño ist nach Verdejo die populärste und bekannteste spanische Weißweinrebe. Während es einfach ist hervorragende Verdejos – vor allem aus der D.O. Rueda – im Preissegment unter zehn Euro zu finden, gestaltet sich diese Aufgabe bei den galicischen Albariños etwas schwieriger. Der 2016er des Weinguts Bouza do Rei in der D.O. Rías Baixas gehört zu den wenigen Albariños unter zehn Euro, die mir ausgesprochen gut gefallen. Der Tropfen hat eine filigrane Struktur, zeigt die sortentypische knackige Säure und reflektiert mit feiner Mineralität die Granitböden der Rías Baixas. Auf einer Weinmesse in Madrid konnte ich mich einmal mit dem Geschäftsführer des Weinguts unterhalten. Mit rund 1 Mio. Flaschen im Jahr zählt Bouza do Rei zu den großen Weinerzeugern in Rías Baixas. Groß ist in diesem Fall auch gut.

Spanien hat bei weißen Reben aber viel mehr zu bieten als Verdejo und Albariño. Das führt uns beispielhaft der trocken ausgebaute Weißwein „La Encina Inglés 2015“ von Finca La Melonera aus der D.O. Sierras de Málaga vor Augen. Winzerin Ana de Castro Rufián keltert ihn in der Serrania de Ronda aus den autochthonen Sorten Moscatel Morisco, Doradilla und Pedro Ximénez. Es ist ein Wein, der am Gaumen Präsenz zeigt und nachhallt und wie gemacht ist für jene Konsumenten, die es nicht immer nur „leicht, frisch und fruchtig“ haben wollen. Stattdessen ein voluminöser Körper, spannende und vielseitige Aromen von Keksen, Hefeteig und gelben, leicht geschrumpelten Äpfeln.

Rotweine für Berliner Gäste
Rotweine aus Extremadura und Galicien.

Bei den Rotweinen durfte erneut Galicien beginnen, nun mit einer Mencía aus der D.O. Valdeorras. Die rote Mencía ist mittlerweile in der ganzen Weinwelt durch die D.O. Bierzo in Kastilien und Léon bekannt. Das Anbaugebiet Valdeorras liegt zwar in Galicien, grenzt aber direkt an das Bierzo an. Bekannt ist Valdeorras eigentlich für die Weißweine aus der Godello-Rebe. Mencía wird aber auch kultiviert. Die reinsortige „La Copelia 2016“ erinnert an die derzeit vielbeschworenen, gerne schlank, filigran und säurebetont daherkommenden „Cool-Climate-Weine“. In jedem Fall ist diese Mencía viel schlanker, filigraner und säurebetonter als man das für gewöhnlich von spanischen Rotweinen kennt bzw. erwartet. Ein klasse Wein mit mineralischen Noten und einer feinen Süß-bitter-Balance, der uns zu überraschen und allen zu gefallen wusste. 

In die Kategorie der dichten, körperbetonten Rotweine fällt hingegen der „Habla la Tierra 2016“ von Bodegas Habla. Für sechs Euro verfügt der Verschnitt aus Tempranillo, Syrah und Cabernet Sauvignon über ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis: Sehr sauber und klar im Geruch offenbart der Wein ferner eine schön austarierte Struktur aus Frucht, Gerbstoffen und Säure. Jener Habla la Tierra ist übrigens der Einstiegswein dieses großen Weinproduzenten in der Extremadura. Bodegas Habla bringt auch Rotweine für bis zu 300 Euro die Flasche auf den Markt.

Berliner Gäste
Gäste aus Berlin.

Es blieb natürlich nicht bei den vier Weinen. Wir hatten uns so viel zu erzählen und waren noch nicht mal bei Hipstern und Gentrifizierung angekommen. Also öffnete ich noch einen Rotwein, eine Garnacha aus dem katalanischen Anbaugebiet Costers del Segre, die uns etwas dünn und unausgegoren erschien. Zur Seite damit! Stefan hatte einen Rotwein aus der Extremadura mitgebracht, der anstelle dran glauben musste. Werner legte noch ein paar Schokoladen dazu, die sie beim Besuch der lokalen Manufaktur am Nachmittag erstanden hatten. Draußen windete es, und das sorgte immer wieder für kurze Stromausfälle im Haus. Der Stimmung tat’s keinen Abbruch. Das obligatorische Flughafen-Thema war irgendwann besprochen und plötzlich war es sehr spät. Dann entschwand der Besuch aus Berlin in der wolkenverhangenen und regnerischen Alpujarra-Nacht.


Ergänzende Info:
Auf ihrer Seite Alpujarra Olivenöl vertreiben Werner und Stefan derzeit einige Weine des von mir sehr geschätzten Weinguts Garcia de Verdevique in der Alpujarra-Contraviesa. Mein Tipp: der Rotwein „Tinto Cosecha 2015“.
Weitere charaktervolle Naturweine von ausgezeichneten Weingüter aus der Provinz Granada wie Barranco Oscuro und Mendez Moya sollen im Angebot bald folgen.

4 Kommentare

  1. Danke für die Beschreibung dieses hinreißendenden Abends in diesem wunderbaren Artikel. Besonders freut mich, dass der Cider bei Dir un Connor so gut angekommen ist.
    Besten Gruß aus Berlin, Stefan

    1. Hallo Stefan, vielen Dank. Ich denke gerne an diesen schönen (Wein-)Abend zurück. Viel Erfolg mit den neuen Naturweinen und Apfelschaumweinen in eurem Sortiment. Ich hoffe, die Tropfen aus der Alpujarra/Sierra Nevada erhalten in Deutschland die Aufmerksamkeit und Nachfrage, die sie verdienen. Spanien ist so viel mehr als Rioja, Navarra & Co. Beste Grüße Thomas

  2. Hallo Thomas,
    wieder zurück aus Basel, danke noch mal für diesen wunderbaren Abend bei Euch, der sehr schmackhafte Einblicke in die Welt der spanischen Weine außerhalb von Rioja und Navarra aber in unserem Fall auch außerhalb der Alpujarra und der Sierra Nevada gegeben hat.
    Hast Du zu Manuel und Sara, die den Sidre machen, bereits Kontakt aufgenommen? Das Thema wäre einen Beitrag bei Dir wert.
    Lorenzo y Luisa von Barranco Oscuro sind übrigens am Samstag, 12.05. in Berlin in der Weinbar Naturales und vorkosten dort mit anderen spanischen Winzern einige ihrer Weine. Ich freue mich schon sehr darauf.
    https://www.facebook.com/events/447897512308761/

    Herzliche Grüße,
    Werner

    1. Hallo Werner, herzlichen Dank für deinen Kommentar. Cortijo Macarena will ich dieses Jahr noch besuchen, steht weit oben auf meiner Liste. Uff, um die spanische Weinverkostung in der Weinbar Naturales beneide ich dich. Da wäre ich zu gerne mit dabei. Ganz viel Spass und neue Entdeckungen wünsche ich dir an dem Abend! Beste Grüße Thomas

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