Bodega Balcona – feinste Weine aus Bullas

Wer sich auf eine Weintour durch die südspanische Region Murcia begibt, der wandelt gewissermaßen auf den Spuren der roten Monastrell. Das gilt auch für die DO Bullas, ein weniger bekanntes Anbaugebiet als beispielsweise das nördlich benachbarte Jumilla. In der Kleinstadt Bullas habe ich im Juli die Winzerin Josefa „Pepa“ Fernández getroffen und wir fuhren zusammen ins wunderschöne Tal Valle del Aceniche, wo sich ihr Weingut Bodega Balcona auf 825 m Höhe befindet.

Bodega Balcona in Bullas
Blick auf Bodegas Balcona im Valle del Aceniche südlich von Bullas.

Der Name Balcona ist eine Hommage an die Großmutter: Die Witwe mit zwei Kindern kaufte sich in den 1940er-Jahren den Hof südlich von Bullas und begann, zur damaligen Zeit für eine Frau sehr ungewöhnlich, mit dem Weinanbau. Ihr Spitzname war „La Balcona“, weil sie im Städtchen Bullas ein Haus mit Balkon besaß. Das heutige Weingut ist im Besitz von Josefa und ihren vier Brüdern. Gemeinsam bewirtschaften sie 70 Hektar Rebland. Die meisten Trauben verkaufen sie an andere Weinerzeuger. Aus 7 Hektaren erzeugen sie eigene Weine.

Bevor wir auf diese Weine zu sprechen kommen, ein paar Worte zum Anbaugebiet DO Bullas, das vielen deutschsprachigen Lesern und Leserinnen nicht geläufig sein dürfte: Wir befinden uns im trockenen Südosten Spaniens auf einem Hochplateau, etwa 80 Kilometer Luftlinie vom Mittelmeer entfernt. Vergleicht man die Gegend rund um Bullas mit Deutschland, so kann man sagen, dass es sich um einen extrem kargen Landstrich handelt. Vergleicht man das Gebiet hingegen mit der in Sachen Wein bekannteren und nahegelegenen Appellation Jumilla, so fällt die Vegetation üppiger und die Landschaft grüner aus. Bullas weist mehr Niederschläge auf als Jumilla.

Alte Monastrell Rebe
66 Jahre alter Monastrell-Rebstock in einer Lage von Bodega Balcona.

Der Grundwasserspiegel liegt in Bullas zudem höher. So können sich alte Rebstöcke mit ihren bis zu zwanzig Meter tiefgehenden Wurzeln aus diesem unterirdischen Wasserspeicher stetig versorgen. Auch Bodega Balcona besitzt Parzellen mit alten Reben, Josefa Fernández und ich begehen eine solche Weinlage mit 66 Jahre alten Monastrell-Gewächsen.  Die Rebstöcke erfahren eine biologische Landwirtschaft und werden in Buscherziehung gehalten. „Wir waren mit die ersten in Bullas, die auf ökologischen Anbau setzten“, erzählt mir Josefa. Zwanzig Jahre liegt das nun zurück, als sie und ihre Brüder begannen das Lesegut nicht nur an andere zu verkaufen, sondern eigenen Wein daraus zu keltern.

Inspiriert wurde Josefa von der Weinphilosophie von Lluis Pèrez Verdú vom weltbekannten Weingut Mas Martinet im Priorat. Er war in den 1990er Jahren in Bullas unterwegs und gab seine Ideen und Kenntnisse von einer zeitgemäßen Qualitätsweinerzeugung preis. Ein wichtiger Pfeiler ist dabei eine nachhaltige und umweltverträgliche Bearbeitung der Weinberge. Unter anderem heißt das: keine Pestizide, keine Herbizide, kein Einsatz von Stickstoffdüngern. Es ist im Grunde eine logische wie einfache Gleichung: Wer guten Wein machen will, braucht gesunde Trauben. Wer gesunde Trauben will, braucht gesunde Reben. Wer gesunde Reben will, muss Pflanze und Böden schonend behandeln.

Bodega Balcona
Bodega Balcona. Eine funktionale, unprätentiöse Kellerei.

Die mit Abstand am häufigsten an- und ausgebaute Rebsorte der DO Bullas ist die autochthone Monastrell. Es ist eine Mittelmeersorte, die ihren Ursprung im Südosten Spaniens hat. Abgesehen von Bullas ist sie vor allem in den nahgelegenen Weingebieten Jumilla, Yecla und Alicante beliebt. Auch in Südfrankreich kommt sie unter dem Namen Mourvèdre vor, insbesondere in der Provence.

In Bullas hat sich die Monastrell im Laufe der Jahrhunderte hervorragend an das Kalk-Lehm-Terroir angepasst. Außerdem verträgt sie die hohen Temperaturen, wie sie in diesem Teil Spaniens vorherrschen. Da wir uns außerdem auf einem Hochplateau befinden, kühlt es im Sommer nachts ab, was die Reifezeiten der Trauben verlängert und den Beeren eine gute Frucht-Säure-Balance beschert.

Josefa Fernandez
Winzerin Josefa Fernandez mit einem ihrer hochfeinen Monastrells im Glas.

Entsprechend frisch und mit feiner Säure kommt der Jungwein Mabal Monastrell Organic 2017 daher, den ich mit Josefa Fernandez zuerst verkoste. Dies ist ein Rotwein, der einfach zu trinken ist und dank seiner schönen Frucht und animierenden Saftigkeit ideal für einen zwanglosen Abend im großen Freundeskreis geeignet ist. Sauber und klar in der Nase wie am Gaumen wird dieser Wein jedem Ihrer Freunde schmecken.

Von kräftigerer Farbe und Aromatik zeigt sich der Selección 37 Barricas, Jahrgang 2006. Das mag neben dem Alter des Weins auch daran liegen, dass wir es mit einem Verschnitt zu tun haben, der abgesehen von Monastrell zu 25% aus Tempranillo und zu 10% aus Cabernet Sauvignon gekeltert ist. Das Bukett offenbart eine reife Frucht, während der 37 Barricas am Gaumen mit präsenten, aber sehr gut eingebundenen Tanninen zu überzeugen weiß. Ein Wein mit viel Struktur und Länge.

Von feingliedriger Eleganz und Lebendigkeit zeugt der Partal 2016. Dieser sortenreine Monastrell ist mein Favorit. Komplex und voller Finesse, gibt der Wein reifes Steinobst wie Zwetschge zu erkennen, umrahmt von Mineralität, zarter Weichheit und einer anregenden Würze im langen Abgang. Der Partal 2016 wird in 400 l fassenden Eichenfässern ausgebaut und liegt erst seit elf Monaten auf der Flasche. Dieser Wein hat Reifepotenzial: „Weitere elf Monate und der Wein schmeckt nochmals besser“, sagt Josefa. Man mag es kaum glauben, so gut wie er jetzt schon ist.

Weine von Bodega Balcona
Karge Kalksteinböden sind Teil des Terroirs von Bullas.

Zu den Grundprinzipien der Weinbereitung von Bodega Balcona zählen eine Spontanvergärung der Weine mit natürlich im Weinberg und Keller vorkommenden Hefen sowie ein äußerst behutsamer Schwefeleinsatz. Bei der Klasse der von mir verkosteten Rotweine – bei mir zuhause genoss ich sie ein zweites Mal – hätte ich zu gerne auch vom Weißwein Mabal Blanco probiert. Doch dieser Tropfen aus der Sorte Macabeo ist restlos ausverkauft und der neue Jahrgang war zur Zeit meines Besuchs noch nicht abgefüllt. Eigentlich ein guter Grund, um erneut nach Bullas zu gehen.


Bezugsmöglichkeit: Spanische Quelle, Berlin

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