Almudena Alberca – Spaniens erste Master of Wine

Vor einem Jahr habe ich die Weinmacherin Almudena Alberca bei einer Pressereise in der D.O. Rueda kennengelernt. Nun ist sie frisch gekürte Master of Wine, noch dazu Spaniens erste. Das ist allemal ein Artikel auf diesem Blog wert, denn der Titel Master of Wine (MW) gilt in der Weinbranche als höchste Qualifikation, die eine Person erwerben kann. 

Der steinige Weg zum Master of Wine führt über theoretische und praktische Examen sowie eine schriftliche Abschlussarbeit. Wer das dreistufige, über mehrere Jahre andauernde Programm erfolgreich absolviert, wird schließlich Teil eines kleinen exklusiven Zirkels: Weltweit gibt es derzeit nur 380 Master of Wine.

Almudena Alberca, Master of Wine
Almudena Alberca im September 2017. Jetzt ist sie Spaniens erste Master of Wine.

Theorie: fünf Prüfungen à drei Stunden
Auf der Website des Institute of Masters of Wine kann man sich frühere Examen herunterladen. Mir liegen so die Prüfungsfragen der Jahre 2013 bis 2017 vor. Der Theorieteil wartet nicht etwa mit Antworten in Multiple Choice auf, sondern er besteht aus offen gestellten Fragen, die knackiger sind als jeder Moselriesling und die es frei zu erörtern gilt. Ein paar Kostproben gefällig?

  1. Vergleichen Sie die Reben-Erziehungssysteme in folgenden Weinregionen: a) Mosel, b) Elsass, c) Marlborough, d) Chateauneuf-du-Pape.
  2. Die Verfügbarkeit von Wasser ist in einigen Weinregionen zunehmend ein Problem. Wie kann ein Weinbauer die Wassernachhaltigkeit bei der Einrichtung und Bewirtschaftung von Weinbergen in Trockengebieten am besten gewährleisten?
  3. Es wird häufig beobachtet, dass Weine nicht einwandfrei sauber sind und über einen geringen Anteil potenziell fehlerhafter Aromen verfügen, die oftmals als „funky“ bezeichnet werden. Wie können Weinmacher ein wünschenswertes Element an „funkiness“ am besten für ihren Wein bewerkstelligen?
  4. Wer verdient Geld in der Weinindustrie und warum? Beschreiben Sie im Detail drei spezifische Beispiele von profitablen Weinunternehmungen aus verschiedenen Lieferketten der Weinindustrie.
  5. Sie erben 10 Mio. US-Dollar und wollen diese in der Weinindustrie investieren. Wie würden Sie Ihr Geld einsetzen, um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen? Erklären Sie bitte Ihre Logik.

Wenn Sie – liebe Leser und Leserinnen – diese fünf Fragen fundiert beantworten können, sind Sie theoretisch reif für den Master of Wine. Gerne dürfen Sie Ihr Wissen auch in der Kommentarspalte dieses Artikels mit uns teilen. Zu Frage 1c) weiß ich beispielsweise, dass man im neuseeländischen Marlborough viele Rebstöcke auf engem Raum, aber mit wenig Trauben pro Stock erzieht. Insgesamt müssen Sie für den Master of Wine allerdings nicht fünf Fragen, sondern fünf dreistündige Theorieprüfungen bestehen bzw. überstehen. 

Mit Almudena Alberca in Rueda unterwegs
Unterwegs mit Almudena Alberca im Weingut Caserío de Dueñas in Rueda.

Abgesehen von hoher Lernbereitschaft und Zeit bringen MW-Aspiranten außerdem ein bisschen Kleingeld mit: Genau 12.204 Britische Pfund kostet es derzeit, die drei Kursstufen samt Prüfungen zu durchlaufen. Steuern immerhin inklusive. Ob sich dieses Investment lohnt, ist aber nicht sicher. Denn selbst wenn Teilnehmer den theoretischen Teil bestehen, sind sie noch lange nicht am Ziel. 

Praxis: drei Blindverkostungen mit jeweils zwölf Weinen
Als noch schwieriger dürften sich die drei praktischen Examen herausstellen, in denen jeweils zwölf Weine blind verkostet und unter anderem nach Rebsorte und Herkunft zugeordnet werden sollen. Als Weinblogger und Moderator von Degustationen habe ich mittlerweile dutzende Blindverkostungen organisiert und durchgeführt und kann sagen: Selbst Weinprofis blamieren sich mitunter, wenn es darum geht die Rebsorte und Region eines Weins blind zu bestimmen. Auch mir erging schon so bei einer Blindverkostung: Ich wusste damals sogar, welche Weißweine serviert wurden, nur deren Reihenfolge kannte ich nicht. Den Albarino aus Galicien hielt ich für einen Riesling aus der Pfalz, den Riesling aus der Pfalz wiederum für einen Verdejo aus Rueda und so fort. Keinen einzigen Treffer landete ich damals. Wie peinlich. Was mich betrifft, so kann ich beruhigt sagen, dass ich nie ein Master of Wine werde. 

Verkostung bei Caserio de Duenas
In Rueda dreht sich fast alles um die weiße Sorte Verdejo, so auch bei unserer Verkostung.

Dabei enden die Blindverkostungen für den Master of Wine noch nicht einmal mit der bloßen Bestimmung von Rebsorte und Herkunft. Ferner sollen Techniken der Weinbereitung erkannt und benannt sowie Qualität, Stilistik und Kundenzielgruppe für den jeweiligen Wein definiert werden. Die Degustationen umfassen dabei eine große Bandbreite – vom Orange Wine aus dem Jura bis zum Palo Cortado aus Jerez; vom Champagner bis zum Tokajer. Zwischen diesen Rändern tummelt sich besonders viel Bordeaux und Burgund, aber auch Loire, Rioja, Marlborough, Kalifornien, Toskana und Piemont.

Der internationale Weinkanon? Frankreich führt, Spanien auf Augenhöhe mit Italien
Bei den jährlichen Master-of-Wine-Prüfungen werden also 36 Weine im Praxisexamen verkostet. Auch hierzu liegen mir die Listen der letzten fünf Jahre vor, womit wir auf insgesamt 180 Weine kommen. Ich habe sie spaßeshalber nach Ländern durchgezählt: Frankreich (60), Italien (21), Spanien (19), Neuseeland (15), Australien (15), USA (14), Südafrika (6), Österreich (6), Deutschland (6), Portugal (6), Ungarn (3), Argentinien (2), Chile (2), Kanada (2), Georgien (1), England (1), Griechenland (1).

So gewichtet also das hochangesehene „Institute for Masters of Wine“ die Weinwelt: Frankreich ist nach wie vor das Nonplusultra des internationalen Weinkanons. Italien, Spanien, Australien, USA und Neuseeland konkurrieren um die folgenden Plätze. Alle anderen dürfen noch ein bisschen mitspielen. Man sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass das Institut 1955 in London gegründet wurde. Kurse und Prüfungen können in London, Sydney und Napa (USA) belegt werden. Wir haben es also mit einer traditionsreichen Einrichtung und angloamerikanischen Sichtweise zu tun.

Da fällt mir doch glatt eine Frage an das Institute for Masters of Wine ein. Vielleicht eignet sie sich ja für kommende Theorieprüfungen:

  1. Weinberge machen in Frankreich drei Prozent der bestellten Agrarflächen aus. Hingegen werden in Frankreich 20 Prozent aller Pflanzenschutzmittel und 80 Prozent aller Fungizide im Weinbau eingesetzt. Wie ist das möglich? Erklären Sie bitte im Detail.

Weingut Caserio de Duenas
Das Weingut Caserío de Dueñas gehört zur Grupo Bodegas Palacio 1894, deren Technische Direktorin und Önologin Almudena Alberca ist.

Die Abschlussarbeit: Filtertechniken für Tempranillo-Weine
Als ich Almudena Alberca im September 2017 im Weingut Caserío de Dueñas traf, da hatte sie den theoretischen und praktischen Teil zum Master of Wine bereits bestanden und musste „nur“ noch ihre Abschlussarbeit verfassen. Diese trägt den Titel „Comparative analysis of filtration techniques for young oaked Tempranillo wines from Ribera del Duero“ (dt.: Vergleichende Analyse von Filtertechniken für junge, im Holzfass ausgebaute Tempranillo-Weine aus Ribera del Duero). 

Mit Ribera del Duero und Tempranillo kennt sich Almudena Alberca als Technische Direktorin der Grupo Bodegas Palacio 1894 freilich aus. Zu jener Weingruppe gehört neben Caserío de Dueñas vor allem die bekannte Bodegas Viña Mayor, deren Weine seit 2015 ebenfalls aus der Hand von Almudena Alberca stammen. Zuvor war die Önologin bereits in einem anderen angesehen Weingut in Ribera del Duero tätig, und zwar bei Dominio de Atauta.

Betonei bei Caserio de Duenas
Almudena Alberca experimentiert beim Weinausbau auch mit Betoneiern. Hier bei Caserío de Dueñas.

Almudena Alberca ist die erste Spanierin, die den Titel Master of Wine trägt. Damit reiht sie sich in eine Riege von Koryphäen wie Jancis Robinson (1984) und Serena Sutcliffe (1976) ein. Herzlichen Glückwunsch!


Weitere Info:
Den Artikel zu Almudena Alberca und Caserío de Dueñas vom September 2017 können Sie auf unserm Blog hier nachlesen: Auf nach Rueda – ein Weißweingebiet als Dependance

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