Bodegas Bentomiz – Moscatel & Merlot, Bauhaus & Bäckchen vom Ibérico

„Es war ein kompliziertes Jahr“, sagt uns Clara Verheij vorneweg, als sie sich im Verkostungsraum ihrer Bodegas Bentomiz zu uns setzt. Mit Peter Stuckwisch von Weinding hatte ich zuvor das von ihrem Partner André Both zubereitete Mittagsmenü genossen. Unter anderem das herrlich zart geschmorte Bäckchen vom Ibérico-Schwein mit Shiitake-Pilzen, Mango-Creme und frischen Feigen. Der Sommer sei nie richtig heiß geworden, was die Trauben langsamer reifen ließ als gewöhnlich, fährt Clara fort. Und nun, mitten im September zur Erntezeit, regnet es immer wieder aufs Neue, was einige Trauben nicht ausreifen lasse. Ein wenig zeigt sich Clara besorgt, dass ihr Lesegut durch die Feuchtigkeit Schaden nehmen könnte. „That’s nature!“, schließt sie ab und lädt uns auf einen Gang durch ihre Kellerei im Erdgeschoss ein. 

Schild Bodegas Bentomiz
Tolle Aussicht aus dem Restaurant- und Verkostungsraum

In den dortigen Tanks blubbert es zum Teil gewaltig und wir probieren vom frisch vergorenen Merlot. Peter und ich finden, dass eine Sortentypizität selbst in diesem unfertigen Wein bereits zu erkennen ist. „Aber was ist eigentlich typisch Merlot?“, fragt uns Clara, die jene Rebe sowohl zum trockenen als auch natursüßen Rotwein ausbaut. „Nun ja“, entgegnet Peter, „normalerweise ist Merlot fruchtig und körperbetont, aber manchmal auch sehr elegant wie beim Petrus.“ Ein wenig neidisch blicke ich in diesem Moment auf Peter – er hat tatsächlich schon einmal von einem Château Petrus genascht. 

Peter Stuckwisch und Clara Verheij
Clara Verheij und Peter Stuckwisch probieren vom neuen PX.

Aus einem weiteren Gärtank zapft Clara einen gerade vergorenen Pedro Ximénez (PX). Ein erstmaliger Test, wie sie sagt. Ihre durchweg ausgezeichnete Weinkollektion aus trockenen Weiß-, Rosé- und Rotweinen sowie natürlichen Süßweinen liegt preislich zwischen zehn und zwanzig Euro. Damit kommt Clara derzeit auf eine Produktion von 50.000 Flaschen im Jahr, ihr Ziel für die Zukunft liegt bei rund 100.000 Flaschen. Aus jener Sorte Pedro Ximénez will sie nun einen günstigeren Weißwein im Segment fünf bis zehn Euro anbieten, das passt in die Vergrößerungsstrategie. Die Trauben hierfür bezieht Clara aus der Provinz Cordoba. 

Bodegas Bentomiz, Axarquia
In der Axarquia, nur wenige Kilometer von der Costa del Sol entfernt

Wir hingegen befinden uns in der Axarquia, einer Subzone des Anbaugebiets Sierras de Málaga. Steillagen zwischen 500 und 850 m Höhe, kühlende Mittelmeerwinde, Schieferböden und bis zu 90 Jahre alte Reben der einheimischen Sorten Moscatel de Alejandría und Romé machen das Terroir von Bodegas Bentomiz speziell. Aus der weißen Moscatel keltert Clara hocharomatische natürliche Süßweine sowie einen trockenen mineralischen Weißwein, den auch das berühmte Restaurant El Celler de Can Roca zu schätzen weiß und seinen Gästen kredenzt. Aus der roten Rebsorte Romé entsteht wiederum der lachsfarbene Rosado, der in seinen floralen Aromen ebenfalls von einer schönen Mineralität unterlegt ist. In den Handel gelangen diese und alle Weine von Bodegas Bentomiz unter dem Label „Ariyanas“, Bezug nehmend auf den Namen eines ehemaligen maurischen Dorfes in der Nähe. Übersetzt bedeutet das Wort passenderweise „aromatisch“.

Ariyanas: Weiß-, Rosé-, Rot- und Süßweine
Ariyanas, die Weine von Bodegas Bentomiz, entwachsen aus Schieferböden.

Ich frage Clara, ob sie ihre Weine spontan vergärt und ungefiltert abfüllt. Das hänge vom Wein ab, sagt sie. Die weißen Moscatel-Reben vergärt sie mit Zuchthefen, weil diese jedes Jahr zuerst geerntet werden und in einen sauberen Keller kommen, dem es zu diesem Zeitpunkt an natürlichen Hefekulturen fehlt. Moscatel sei für die Spontanvergärung insgesamt schwierig, ergänzt sie. Die natürlichen Süßweine werden zudem mit einer Mikrofilteranlage gefiltert. Jedes verbliebene Trubteil, jeder übrige Hefepartikel könne bei diesen nachteilige Prozesse in der Flasche auslösen, so Clara.

Rote Reben wie Romé, Petit Verdot, Merlot, Cabernet Franc oder Tempranillo werden bei Bodegas Bentomiz hingegen spontan vergoren, also nur mit natürlichen Hefen die sich auf den Beerenhäuten und im Keller befinden. Auch landen die Rotweine unfiltriert in der Flasche. Ganz offensichtlich ist Clara Verheij keine dogmatische Weinmacherin, denke ich mir, sondern geht pragmatisch und flexibel vor – abhängig von Sorte und Weintyp. Da ist es nur konsequent, dass sich die Winzerin mit Begriffen wie Crianza und Reserva nicht abgibt, sondern ihre Weine im Barrique genau so lange reifen lässt, wie sie es für nötig hält.

Clara Verheij
Clara Verheij in einem terrassierten Weinberg hinter der Kellerei

Direkt bei der Weinkellerei, die im Bauhaus-Stil erbaut ist und sich farblich eindrucksvoll der Umgebung anpasst, befinden sich terrassierte Weinparzellen. Manche der Moscatel- und Romé-Reben kommen auf das erhabene Alter von 90 Jahren. Die Steilhänge sind schwer zu bewirtschaften, alles wird von Hand gemacht, bereits der Einsatz eines Traktors ist unmöglich. Nur 2500 kg Trauben pro Hektar erntet das Weingut in diesen Lagen. Das ist ziemlich wenig, wenn man bedenkt, dass Weißweinerzeuger in Rueda etwa das Dreifache jener Menge mit Maschinenlese einfahren und Bodegas Bentomiz auf dem Markt mit diesen konkurrieren muss. 

Zur Herstellung der natursüßen Weine werden in der Axarquia die Trauben vollreif gelesen und danach für einige Tage in der andalusischen Sonne getrocknet. „Asoleo“ heißt dieses Verfahren des Rosinierens von Beeren. Aus vier bis fünf Kilogramm Trauben gewinnt Clara einen Liter natürlichen Süßwein. Welch Aufwand, welch kostbare Tropfen. Überragend ist für mich der Terruño Pizarroso (2012) mit seiner konzentrierten Struktur, einer filigranen Säure und dem Geschmack von Orangenzeste im Abgang. Das ist großes Moscatel-Kino (Danke, Peter Stuckwisch, der Ausdruck gefällt mir!).

Speise bei Bentomiz
Speisen auf hohem Niveau bei Bodegas Bentomiz (Foto: Peter Stuckwisch).

Es war in diesem Jahr mein zweiter Besuch bei Bodegas Bentomiz. Wie Clara Verheij zum Weinmachen gekommen ist und wie unter anderem ihre natürlichen Süßweine in einer Kombination aus modernen Weinbereitungstechniken und traditionellen Verfahren genau entstehen, habe ich bereits im März in diesem Artikel geschildert.

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