Godello – die Weiße aus Valdeorras und Bierzo

Vor vierzig Jahren galt die Rebsorte Godello als nahezu ausgestorben. Heute werden einige der besten spanischen Weißweine aus der Traube erzeugt. Als Hochburg darf wohl das Anbaugebiet Valdeorras in Zentralgalicien bezeichnet werden. Doch auch in der benachbarten Appellation Bierzo in Kastilien und León – eigentlich für Rotweine aus Mencía bekannt – entstehen Spitzenweine aus Godello. Ich stelle in diesem Beitrag die Erzeuger Rafael Palacios und Finca Losada vor.

Gewächsen aus Godello wird eine komplexe Aromatik aus Kräuter- und Zitrusnoten, Extraktreichtum sowie eine vitale Säure zugesprochen. Der Saft der Beeren enthält im Vergleich zur bekannteren Albariño-Rebe gar nicht so viel Säure. Jedoch ist bei der Godello der natürliche Gehalt an Weinsäure relativ hoch, die härtere Apfelsäure fällt geringer aus. Am Gaumen erscheinen Godello-Weine somit weicher. Ergänzend zeigen sie aufgrund der in Galicien vorkommenden Schiefer- und Granitböden oftmals eine spektakuläre Mineralität. 

Rafael Palacios, Weinberge Godello, Valdeorras
Terrassierte Weinberge mit Godello bei Rafael Palacios in Valdeorras.

Rafael Palacios – Godello mit Cremigkeit und Fülle
Aromatik, Säure, Extrakt und Mineralität: Diese Eigenschaften (und mehr) lassen sich in den Godellos von Rafael Palacios erkennen. Palacios entstammt einer bedeutenden Winzerfamilie: Das Stammweingut Bodegas Palacios Remondo liegt in Rioja Baja und wird von seinem Bruder Alvaro Palacios geleitet. Alvaro erzeugt darüber hinaus Weine in der DOCa Priorat. Sein Kultwein L’Ermita – hauptsächlich aus der roten Garnacha gewonnen – hat ihn weltberühmt gemacht. 

Rafael Palacios, der Jüngste von neun Geschwistern, studierte im Bordeaux und in Australien und war danach eine Zeit lang im Familienweingut im Rioja tätig. Aus seiner Hand stammt beispielsweise der Weißwein Placet aus der Rebsorte Viura. 2004 wechselte Rafael dann Anbaugebiet und Rebsorte, dem Weißwein blieb er treu: Sein eigenes Weingut gründete er in Zentralgalicien in der DO Valdeorras. Im Bibei-Tal, auf rund 600 m Höhe, bewirtschaftet er mehr als zwanzig Hektar Rebland, fast ausschließlich mit Godello bestockt. Der Terrassenbau erfordert viel Handarbeit. Das Klima ist vom Atlantik geprägt, die Sommer fallen hier im Landesinnern jedoch deutlich trockener aus als an der gut 100 Kilometer entfernten Küste.

Von Rafael Palacios habe ich gerade den 2017er „Louro do Bolo“ probiert, der neben der Hauptrebe Godello geringe acht Prozent Treixadura enthält. Mit jenem Cuvée-Partner, ebenfalls eine autochthone galicische Sorte, wird meist eine ausdrucksvolle Frucht und körperliche Fülle assoziiert. Nach dem Entkorken nehme ich zuerst einen Pfirsich-Duft wahr, der aber rasch verfliegt. Was bleibt ist ein Bukett von gelbem Apfel und Zitrusaromen. Am Gaumen zeigt der Louro do Bolo eine lebhafte Säure, die sich mit einer schmelzigen Textur verbindet. Über allem steht eine fantastische Mineralität, welche auf die vorherrschenden Granitsandböden zurückzuführen ist. 

Rafael Palacios, Godello Rebstock
Rafael Palacios mit Godello-Rebstock auf Granitsandboden

Der reiche Körper des Louro do Bolo und der Tiefgang dieses Weins sind nicht allein das Resultat von Rebsortentypizität und Granitsandböden. Rafael Palacios vergärt den Most mit natürlich vorkommenden Hefen in 3.000 Liter fassenden Fudern und belässt ihn danach in den Holzgebinden für vier Monate auf der Feinhefe. Der Ausbau im Eichenholzfass (dosierter Sauerstoffkontakt) sowie auf der Feinhefe machen diesen Weißwein nochmals gehaltvoller und aromatisch komplexer. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn es kommt auf die Balance an: Nicht selten werden Weißweine von Holznoten maskiert, wenn nicht sogar erschlagen. So aber darf der Louro do Bolo mit seiner Cremigkeit und Eleganz zu den Top-Weißweinen Spaniens gezählt werden.

Finca Losada – klasse Godello aus dem Bierzo
Nur etwas mehr als eine halbe Stunde dauert die (fiktive) Autofahrt von Rafael Palacios zu Finca Losada. Wir überqueren dabei die Landesgrenze von Galicien nach Kastilien und León und finden uns im Anbaugebiet Bierzo wieder.

Eigentlich ist die DO Bierzo für Rotweine aus der Mencía-Rebe bekannt und international gefeiert. Bierzo und Mencía gelten manchen Weinliebhabern fast als Synonym. Das ist allerdings ein wenig zu kurz gegriffen: Denn so wie auf der galicischen Seite in Anbaugebieten wie Valdeorras und Ribeira Sacra mitunter hochfeine Rotweine aus Mencía gekeltert werden, so entstehen im Bierzo wiederum exzellente Weißweine aus Godello. 

Finca Losada, Bierzo
Finca Losada in der DO Bierzo.

Ich habe mir so ein Exemplar besorgt, nämlich den 2016er „Losada Godello“. Seine Reben sind alt und wachsen auf etwa 550 m Höhe auf schiefrigen Böden. Die Trauben bezieht Finca Losada von Weinbauern aus der Umgebung. In der Kellerei angekommen, baut Losada-Önologe Amancio Fernández die Godello zu achtzig Prozent im Stahltank und zu zwanzig Prozent in 500 Liter Eichenfässern aus. Der Most erfährt eine Spontanvergärung und wird nach dem ersten Abstich für sechs Monate auf der Feinhefe gelassen. 

Der Losada Godello 2016 kommt im Vergleich weniger cremig wie der zuvor genannte von Rafael Palacios daher. Dafür ist er fruchtiger und frischer, was wohl am hauptsächlichen Einsatz von Sauerstoffkontakt unterbindenden Stahltanks liegt. Es ist aber beileibe nicht so, dass die Primärfrucht aus Apfel und Zitrus alles dominieren würde. Am Gaumen zeigt dieser Godello etwas Schmelz, viel Grip, eine knackige Säure und klare Mineralität. Ein Wein, der mir mit seiner animierenden Saftigkeit und einem langen Finish enorm viel Trinkspass bereitet und dem es an Fülle und Finesse gleichfalls nicht mangelt.

Amencio Fernández, Finca Losada
Amancio Fernández, hier inmitten von Mencía-Reben. 

Finca Losada gehört zu den vielen jungen Weinprojekten, die dem Weinland Spanien eine ungeheure Dynamik verleihen. 2005 gegründet, bewirtschaftet das Weingut zwölf Hektar in Eigenregie. Gar nicht so typisch für das Bierzo sind es überwiegend lehmige Böden, auf denen von Finca Losada die Rebsorte Mencía kultiviert wird. Zum Portfolio des Weinguts gehören fünf Rot- und ein Roséwein aus eben jener Traube. Am Ende sind wir im Bierzo also doch wieder bei der Mencía gelandet. Trotzdem: Vergessen Sie die Godello nicht!


Bezugsquelle: Ich war neulich zur Abwechslung in Deutschland, unter anderem in Augsburg. Glücklicherweise muss man auch in Bayerisch-Schwaben nicht auf spanischen Wein verzichten: Im exzellenten Weingeschäft des Fachhändlers VINOPOLIS habe ich die beiden hier besprochenen Weine erhalten.

2x Godello
2x Godello: 1x Valdeorras, 1x Bierzo

Bildnachweis: Die Fotos 1 bis 4 in diesem Beitrag haben wir von der „Deuna GmbH & Co. KG“ erhalten. Herzlichen Dank!

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