Jaén Blanco – support your local grape (1)

Südlich von Granada, wo ich wohne, ist die Jaén Blanco eine der lokalen Rebsorten. Mein liebster Jaén Blanco kommt vom Weingut García de Verdevique. Ein Naturwein aus über 100 Jahre alten Reben, aromatisch, guter Trinkfluss und auch ein wenig rau, so wie die Gegend aus der er kommt: schroffe Schieferböden und schwer zugängliche Höhenlagen, frostig im Winter und trocken-heiß im Sommer.

Weingut Garcia de Verdevique in der Alpujarra-Contraviesa, südliche Provinz Granada

Seit rund 500 Jahren in Granada zuhause

Die Jaén Blanco wird im Süden der Provinz Granada nachweislich seit dem 16. Jahrhundert angebaut und war früher in ganz Südspanien verbreitet. Nachdem die Reblaus Ende des 19. Jahrhunderts nahezu alle Weinflächen zerstörte, scheint es, dass die Sorte vor allem in der Alpujarra-Region erneut kultiviert wurde. Hier trotzt sie mit ihrer Widerstandskraft einem extremen mediterranen Bergklima aus kalten Wintern und sehr heißen Sommern. Zudem ergibt die Rebe gute Erträge. Somit gleicht sie zumindest ein wenig die geringen Erträge aus, die sich in den Höhenlagen von Granada naturbedingt durch karge Böden und Wasserknappheit ergeben. 

Garcia de Verdevique, die steilen Hanglagen werden mit Pferden gepflügt

Wer des Spanischen nicht mächtig ist: “Blanco” bedeutet weiß. Es gibt die Sorte aber auch in rot, nämlich als Jaén Negro. Die Geschwister Jaén Blanco und Jaén Negro tauchen oft als Mischsatz auf und werden in der Alpujarra zusammen mit anderen lokalen Reben wie Vijiriega, Montúa oder Pedro Ximénez zum sogenannten “Vino de Costa” – “Küstenwein” verarbeitet.

Obwohl wir uns auf bis zu 1.400 Metern Meereshöhe und somit in den höchsten Weinlagen von ganz Kontinentaleuropa befinden, sind es per Luftlinie bis zum Mittelmeer nur ein paar Kilometer. Daher der Name “Vino de Costa” – es handelt sich eben um den traditionellen Wein, der entlang des Küstenstreifens der Costa Tropical entsteht. Andernorts, weiter landeinwärts, wird für diese Art von herzhaftem Roséwein auch das Wort “Mosto” gebraucht.

Über 100 Jahre alte Jaén Blanco Rebe bei García de Verdevique.

Ein Naturwein, sortenrein aus Jaén Blanco

Der sortenreine Jaén Blanco “Cuesta del Frontón” des Weinguts García de Verdevique entstammt, das hatte ich eingangs schon gesagt, aus über 100 Jahre alten Reben. Ich habe das Naturweingut in der Bergkette Sierra de la Contraviesa schon häufig besucht und bin von dessen Terroir aus Höhenlagen, Steilhängen, Schieferböden und alten autochthonen Reben geradezu begeistert.

Von dem Jaén Blanco kenne ich die abgefüllten Jahrgänge 2015 und 2016, und ich konnte auch schon eine Fassprobe des 2018er versuchen. Jeder Jahrgang schmeckt anders, dabei stets interessant. In der Aromatik mache ich überwiegend Noten von Kernobst wie Apfel und Mispel aus. Stilistisch ist es ein körperbetonter, kräftiger Weißwein mit moderater Säure, der sich nicht davor scheut oxidative Noten preiszugeben. Dieses Geschmacksbild hat nicht nur, aber auch mit der Spontanvergärung zu tun und damit, dass die Winzer Antonio und Alberto García ihre Weine zu keinem Zeitpunkt der Weinbereitung schwefeln. Es handelt sich nunmal um einen Naturwein außerhalb der gängigen Norm. Nicht alle Weinkonsumenten mögen so etwas; ich hingegen liebe es.

Interessanter Naturwein aus der Rebsorte Jaén Blanco.

Lokale Rebsorten im Aufwind

Die Jaén Blanco ist nur eine von Hunderten autochthonen Rebsorten Spaniens, die außerhalb eines bestimmten geografischen Gebiets – eben da wo sie angebaut werden – so gut wie kein Mensch kennt. Abgesehen von ein paar Weinfreaks wie ich. Oder haben Sie schon einmal etwas von Reben wie Forcallat, Rufete, Alarije, Caino, Baboso und Gorgollassa gehört?

Vielerorts in Spanien gibt es gerade eine Bewegung hin zu diesen lange Zeit vernachlässigten lokalen Sorten. Man kann fast von einem Trend sprechen, dem zumeist kleinere, oftmals ökologisch arbeitende Weinbetriebe folgen. Es müssen ja nicht immer Tempranillo und Verdejo sein. Ergo werde ich auf diesem Blog in einer Artikelserie zukünftig die ein oder andere dieser regionalen Sorten und einen zugehörigen Wein vorstellen. Wie heißt es gleich nochmal: Support your local grape!

Antonio und Alberto Garcia in ihrem Keller
Antonio und Alberto García. Familienweingut in fünfter Generation.

Weitere Infos:
Fotos 1, 2, 3 in diesem Beitrag: Alberto García

Über das Weingut García de Verdevique habe ich auf diesem Blog schon mehrfach berichtet, unter anderem im Zusammenhang mit der in Granada autochthonen Weißweinsorte “Vijiriego”. Lesen Sie gerne hier:
www.spaniens-weinwelten.com/andalusien-alpujarra-vijiriego

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.