Bodegas Ponce – “Für Spitzenweine braucht es keine teure Technik”

Der Rebsorte Bobal sagt man eine gewisse Rustikalität und Robustheit nach. Umso erstaunlicher ist es, welch hochfeine und elegante Rotweine der Winzer Juan Antonio Ponce in der D.O. Manchuela aus dieser Traube gewinnt. Wie macht er das nur? Unter anderem darüber habe ich mich jüngst mit ihm auf Zoom unterhalten.

Juan Antonio Ponce in heller Jacke, im Weinberg mit seinem Bruder und Vater.
Juan Antonio Ponce in heller Jacke, hier mit seinem Bruder und Vater. Manchuela liegt auf einem Hochplateau, die Ponce-Weinberge befinden sich auf 750-900 m.ü.NN.

Über Telmo Rodriguez zum eigenen Weingut

Anderthalb Autostunden westlich der Hafenstadt Valencia befindet sich das Dorf Iniesta im Anbaugebiet Manchuela. Juan Antonio Ponce stammt aus einer Weinfamilie von hier. Sein Vater füllte jedoch nie eigenen Wein ab, sondern verkaufte Trauben an die Genossenschaft. Seit den 1950er-Jahren ist Manchuela, wie auch die benachbarten Gebiete La Mancha und Utiel-Requena, von großen Kooperativen geprägt. 

Allzu bekannt ist die 12.000 Hektar große D.O. Manchuela ebenfalls nicht, obwohl es neben Bodegas Ponce mit Finca Sandoval und Altolandon weitere namhafte Adressen gibt. Sogar dem genialen Fußballer Andrés Iniesta gehört eine Kellerei in Manchuela. Die Weine sind gut – in Sachen Wein spielt allerdings Juan Antonio Ponce in der Champions League. Er ist, was man im Englischen einen “quality leader” nennt.

Bevor Juan Antonio im jungen Alter von 24 Jahren sein eigenes Weingut gründete, schaute er sich in Spanien um. Nach dem Önologie-Studium in Requena begann er für den Starwinzer Telmo Rodriguez zu arbeiten. Hier war Juan Antonio in diverse Projekte eingebunden und fast überall in Spanien unterwegs. “Telmo Rodriguez war meine Universität”, sagt er schmunzelnd: “Ich lernte bei ihm völlig verschiedene Weinregionen, Rebsorten und Weintraditionen kennen”. Das wichtigste für Juan Antonio aber war die Erkenntnis, dass zur Erzeugung von Top-Weinen keine teure Maschinerie nötig ist:

“Bei Telmo Rodriguez habe ich erkannt, dass man keine moderne Technik braucht, um Spitzenweine zu keltern und dass man kein Millionär sein muss, um ein Weingut zu gründen. Sobald ich dies begriffen hatte, ist Bodegas Ponce in meinem Kopf entstanden.”

Ergo kehrte er 2005 nach Manchuela zurück, übernahm die alten Weinberge des Vaters und gründete mit einem Kredit von 60.000 Euro sein eigenes Weingut. Im Jahr 2017 errichtete er dann eine neue Kellerei, in der alten wurde es zu eng.

In der neuen Kellerei aus dem Jahr 2017. Sie liegt auf 800 m Höhe, drumherum hat Ponce drei Hektar der weißen Albilla gepflanzt.
Die neue Kellerei von 2017. Es kommen fast nur alte Holzfässer und Fuder zum Einsatz.

Biodynamischer Weinbau und autochthone Rebsorten

Fünfzehn Jahre nach Gründung gehört Bodegas Ponce der Crème de la Crème des spanischen Weins an, was sich unter anderem in der Mitgliedschaft bei Futuro Viñador zeigt. Dies ist ein Verbund kleinerer wie herausragender spanischer Erzeuger, denen es um nachhaltigen Weinbau und handwerkliche Weinbereitung geht. “Die Idee ist im Grunde, dass wir unsere Umgebung in einem besseren Zustand verlassen als wir sie vorfinden”, sagt Juan Antonio. Insofern ist es folgerichtig, dass er auf eine biodynamische Landwirtschaft setzt.

Beim biodynamischen Weinbau wird nicht die Pflanze gedüngt, sondern die Fruchtbarkeit des Bodens gefördert. Hierfür pflanzt Juan Antonio Ponce seine Weinberge mit Leguminosen (Hülsenfrüchtler) an, die den Stickstoff aus der Luft binden. Werden die Hülsenfrüchtler untergepflügt – was er einmal im Jahr macht – dann verbessern sie die Qualität des Bodens. Sie bilden Humus, das Erdreich wird also nahrhafter und die Rebstöcke können sich entsprechend versorgen.

So entsteht eine positive Spirale: Gut ernährte Pflanzen in einem gesunden Boden sind wiederum weniger anfällig für Schädlinge. Juan Antonio Ponce muss noch nicht einmal Schwefel und Kupfer im Weinberg einsetzen, so wie es viele Biowinzer machen, um ihre Reben vor Mehltau zu schützen. Seit 2007 habe er in den Parzellen kein Schwefel und Kupfer mehr verwendet, erzählt er. Da er zudem ganz auf lokale Rebsorten wie Bobal, Moravia Agria und Albilla setzt, die alle eine gute Resistenz gegen Mehltau aufweisen, ist es naheliegend auf jedwede Art von Spritzmittel zu verzichten.

Alle Weinlagen sind nur mit Buschreben bestockt. Ihr Alter liegt bei 40 bis 100 Jahren. Das Klima in Manchuela ist kontinental-mediterran.

Der Ponce-Weinstil: Frische, Trinkfluss und wenig Alkohol

Bei einem spanischen Händler habe ich mir sechs Weine von Bodegas Ponce besorgt. Fünf Rotweine und ein Weißwein. Die Gewächse sind derart großartig, dass ich gar nicht anders konnte als mit Juan Antonio in Kontakt zu treten. Was diese Weine eint, ist eine grandiose Preis-Genuss-Relation und ein für mich überraschend niedriger Alkoholgehalt von 12 bis maximal 13 Volumenprozent. Die Rotweine kommen zudem transparent und hellfarbig daher. 

Wie kann das sein?, frage ich Juan Antonio. Mediterrane Rotweine sind doch eher kraftvoll, dunkel und alkoholisch. Oder etwa nicht?

“Das Mittelmeer kann man sehr unterschiedlich sehen. Es gibt Winzer, die die heiße Seite des Mittelmeers suchen, also reife Frucht, viel Alkohol, Körper und Struktur. Für mich ist das Mittelmeer dagegen ein floraler und kräuteriger Ort, zum Beispiel Lavendel und Rosmarin.”

Juan Antonio sagt, dass er die florale Seite in seinen Weinen ausdrücken will. Außerdem hebt er die kalkhaltigen Böden im gesamten spanischen Mittelmeerraum hervor. Deren Finesse will er ebenfalls betonen.

Das hört sich interessant an, meine ich. Aber irgendein Geheimnis muss er doch bei der Weinbereitung haben? “Ich mache Weine, wie ich sie gerne trinken möchte”, antwortet er: “Ich suche ein Profil von Frische, Trinkfluss und weniger Alkoholgehalt. Das ist auch besser für die Konsumenten. Man wird nicht so schnell satt und müde vom Wein.”

Hhm, klingt wieder gut, aber so ganz bin ich mit der Antwort trotzdem nicht zufrieden. Was macht er anders als die anderen? Ein Beispiel, bitte.

“In besonders heißen Jahren fahre ich die Bobal bei Regen ein. Mitte September fällt häufiger Regen, und während alle warten bis es wieder trocken wird, mache ich die Lese. Die Bobal hat nämlich ein rustikales Tannin. Wenn es regnet, dann nehmen die Beeren die Flüssigkeit auf. So wird das Tannin weicher und zudem erhalten wir frische Weine mit weniger Alkohol.”

Wow, das finde ich interessant. Eine Weinernte bei Nässe klingt gewiss nicht nach Önologen-Handbuch. Danke, Juan Antonio! Ich habe etwas dazugelernt.


Drei sortenreine Bobal trinke ich: den saftigen Einstiegswein 2019 Clos Lojen (7,50 €), den 2018 Bobal P. F. (15,50 €) aus wurzelechten Reben und den Einzellagenwein 2018 La Estrecha (23,90 €) aus alten Reben auf Granitböden. In ihrem Preissegment gehören sie jeweils zur obersten Liga, was Spanien zu bieten hat. 

Ferner probiere ich die sortenreine Garnacha 2019 La Xara (9,90 €) und den einzigartigen 2018 Buena Pinta (12,90 €) aus 85% Moravia Agria und 15% Garnacha. Beide tragen sie eine florale und elegante Handschrift, beide sind leicht und hell. Das Preis-Genuss-Verhältnis ist erneut beeindruckend.

Die Moravia Agria ist freilich kaum bekannt: Es handelt sich um eine autochthone Sorte von Manchuela. Die Traube ergibt Weine mit tendenziell niedrigem Alkoholgehalt, im Fall von 2018 Buena Pinta sind es nur 12% Vol. 

Juan Antonio Ponce mit einer seiner alten Buschreben.

Albilla mit “a” – ein Top-Weißwein von Ponce

Mein Lieblingswein ist der spektakulär mineralische, superfrische und vielschichtige Reto 2019 (12,90 €) aus der Rebsorte Albilla. Es ist der einzige Weißwein von Juan Antonio Ponce – er baut ihn sieben Monate auf der Vollhefe in 600-l-Holzfässern aus, die mindestens zehn Jahre alt sind. Muss ich erwähnen, dass alle Ponce-Weine mit wilden Hefen spontan vergären? Das ist eigentlich klar, oder?

Zuerst dachte ich Albilla wäre nur ein anderes Wort für Albillo – eine Traube, die wir unter anderem aus Gredos kennen. Dem ist aber nicht so: Die Albilla mit “a” ist eine eigenständige Sorte und hat nichts mit den anderen Albillo-Arten auf der iberischen Halbinsel zu tun.

Die Ursprünge der Albilla sind unbekannt. Weder konnten DNA-Analysen die Elternreben feststellen, noch weiß man, von wo sie genau herkommt. In Manchuela ist man sich heute ziemlich sicher, dass ein zugezogener Tierarzt um das Jahr 1900 herum die Sorte erstmals in seinem Grundstück pflanzte. Das war im Dorf Villamalea. 

Da die Albilla mit Hitze und Trockenheit gut klarkommt und außerdem gute Erträge ergibt, wurde sie in der Gegend von Villamalea rasch beliebt. Zudem ist es eine extrem früh reifende Traube (im Gegensatz zur roten Bobal). Dies ermöglichte den Weinbauern bereits im Sommer einen Weißwein zu keltern und jung zu verkaufen, noch bevor die Bobal-Lese im Herbst stattfand.

Dann – in den 1940er- und 50er-Jahren – wurden Winzergenossenschaften überall in Spanien und ebenso in Manchuela gegründet. Zum Teil lag dies an den verheerenden wirtschaftlichen Folgen des spanischen Bürgerkriegs (1936-39). Viele Kleinbauern konnten finanziell nicht überleben, also schlossen sie sich in Kooperativen zusammen. 

Wie dem auch sei, die großen Winzergenossenschaften in Manchuela setzten vorrangig auf die weiße Sorte Macabeo, deren Weine sie besser in die Cava-Gebiete nach Katalonien und Valencia verkaufen konnten. Albilla-Weinlagen wurden entsprechend herausgerissen und durch Macabeo ersetzt. Später kamen die internationalen Trendsorten Chardonnay und Sauvignon Blanc hinzu. Die Albilla starb dagegen fast aus.

Juan Antonio Ponce erzählt mir, dass er nie Lust darauf hatte einen Weißwein aus Macabeo oder Chardonnay zu machen. Als er aber davon hörte, dass es eine seltene weiße Rebsorte im Gebiet gibt, hatte er sofort Interesse. Als er sich dann die Weinberge anschaute, war er überrascht wie alt sie waren und startete mit der Rebe einen Versuch: Der erste Jahrgang 2010 umfasste nur zwei Barriques. Vom 2019er füllte Juan Antonio bereits 15.000 Flaschen ab. Zudem hat er um seine Kellerei herum drei Hektar neu gepflanzt. Die Böden dort sind sandiger, wovon er sich noch mehr Mineralität verspricht.

Reto übersetzt sich ins Deutsche als Herausforderung. Juan Antonio sagt dazu:

“Ich wollte nie einen kommerziellen Weißwein machen, nichts mit Ananas, Aprikose und so etwas. Ich wollte immer einen Weißwein mit Mineralität und Persönlichkeit keltern, einer der nach Manchuela riecht und schmeckt.”

Juan Antonio Ponce geht es um Einzigartigkeit. Sein Reto ist gewiss ein Weißwein, den es so nur einmal auf dieser Welt gibt. Und ich bin einer der größten Fans davon.


Weitere Infos:

Alle Beitragsfotos:  © Bodegas Ponce

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