Die spanische Abreibung

Spanien hat Italien ordentlich weggeputzt. Nun sinnt Sommelier Christoph Schönegge auf eine Revanche, die er am 9. Dezember bekommt. Was ist passiert?

Mit Weinfreund Christoph traf ich mich zu einer “Wine Battle”. Er hatte für das Online-Tasting drei italienische, ich drei spanische Weine ausgesucht und mitgebracht. Die Zuschauer und Mitverkoster stimmten über die Siegerweine ab. Die Plätze 1 bis 3 gingen mit großem Abstand an Spanien :-). Italien folgte weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Hier die Gewinner laut Zuschauer-Voting:

1. Platz: Mas Doix, Les Crestes 2019, rot, DOQ Priorat
2. Platz: Edetària, Via Terra Blanco 2020, weiß, DO Terra Alta
3. Platz: Huerta de Albala, Barbazul Tinto 2019, rot, VT Cádiz
4. Platz: Mauro Molino, Leradici 2019, rot, DOCG Barbera d’Asti
5. Platz: I Capitani, Guaglione 2019, rot, DOC Irpina Aglianico
6. Platz: Bruni, Plinio Vermentino 2020, weiß, DOC Maremma Toscana

Den Sieger Mas Doix stelle ich euch weiter unten vor. Ich habe das Weingut im September im katalanischen Priorat besucht und auf Weinkenner.de einen Report darüber geschrieben. Teil des Artikels sind ferner die großartigen Terroir al Limit und Scala Dei. Dies als Hinweis am Rande.

Zurück zur Wine Battle.

Christoph glaubt, dass sich am 9. Dezember das Blatt wendet. Dann treffen wir uns wieder zur Online-Degustation. Dieses Mal bringt er drei Italiener aus Südtirol, Sizilien und dem Veneto mit. Mein Team besteht aus Rioja, Bierzo und Ribera del Duero. Die sind topfit und werden sich nicht lumpen lassen.

Ihr könnt euch auf Zoom für das Tasting über diesen Link anmelden.
Das 6er-Weinpaket zur Verkostung erhaltet ihr hier bei Vinopolis. Wir sind schon gespannt, wie ihr abstimmt und welche Weine dieses Mal vorne liegen. Vamos España!

Unsere erste Wine Battle könnt ihr auf dem YouTube-Video unten ansehen. Aber so richtig Spass macht es natürlich nur live und wenn ihr mittrinkt.

Noch ein paar Sätze zu Mas Doix und dem Siegerwein Les Crestes.

Les Crestes ist – typisch fürs Anbaugebiet Priorat – eine Cuvée mit der Hauptsorte Garnacha (Grenache). Winzer Valenti Llagostera erzählt mir, dass die Traube viel Frucht und Zucker mitbringt, während Säure und Tannin im mediterranen Klima des Priorat eher moderat ausfallen. Deshalb wird die Garnacha traditionell mit Rebsorten verschnitten, die über mehr Säure und Tannin verfügen, sprich mehr Frische und Struktur geben. Als erste Rebe wäre die autochthone Cariñena (Carignan) zu nennen, die diese Eigenschaften besitzt. Sie ist zu 10% in der Cuvée enthalten. Die Trauben stammen aus einem über hundert Jahre alten Weinberg. Im Falle von Les Crestes ist zudem 10% Syrah mit drin. Der 2019er ist rotfruchtig, frisch und weich. Er ist gut strukturiert, ohne von Tannin dominiert zu sein und bietet viel Trinkspass. Ich setze den Wein (um die 17 Euro) häufig bei Degustationen ein und er stößt bei den Teilnehmern immer auf großen Anklang. So auch dieses Mal mit Christoph bei unsrer Wine Battle.

Alle anderen Rotweine keltern Mas Doix hingegen einzig aus Garnacha und Cariñena. Top-of-the-Range sind die roten Gewächse 1902 Tossal d’en Bou Centenary Carignan und 1903 Centenary Grenache. Das sind Einzellagenweine, deren Weinberge 1902 bzw. 1903 angelegt wurden. Eine Flasche kostet im Handel jeweils über 250 Euro.

Valenti Llagostera in einem 120 Jahre alten Weinberg nahe Poboleda (© Thomas Götz)

Das Priorat liegt im Hinterland von Tarragona, nur 25 Kilometer vom Mittelmeer entfernt. Es ist ein schroffes, abgelegenes Berggebiet mit einem spektakulären Terroir aus Steillagen und einem hohen Bestand an alten Reben. Die Weinberge von Mas Doix befinden sich nahe der Ortschaft Poboleda. Laut Valenti handelt es sich um die kühlste Zone innerhalb der Priorat-Appellation. Diesbezüglich betont er die Wichtigkeit der nahen Montsant-Berge und der Höhenlagen: An einem 15. August könne es um 15 Uhr bis zu 38°C heiß sein, während es am selben Tag um 3 Uhr nachts auf 18°C abkühlt. Dieser Temperaturunterschied von zirka 20°C zwischen Tag und Nacht bringt in den heißen Sommern die dringend benötigte Abkühlung. Die Reifezyklen der Trauben verlängern sich dadurch und die Beeren können Säure besser konservieren.

Purer Schieferboden, ein typisches Merkmal des Priorat (© Thomas Götz)

Das Priorat ist nicht nur ein spektakuläres, sondern auch ein kleines Weingebiet. Der Rebbestand liegt bei etwa 2.000 Hektar. Die Rioja kommt zum Vergleich auf 65.000 Hektar. Die Nachfrage nach Priorat-Weinen ist allerdings hoch – die Region wurde in den 1990ern schlagartig weltbekannt. Deshalb werden auch neue Weinberge angelegt, was bei den brutalen Schieferböden kein einfaches Unterfangen ist. Valenti erzählt, dass sie ein Loch in den harten Steinboden bohren und die Pflanze in die Öffnung stecken. Die Wurzeln der Rebe kriechen dann auf der Suche nach Feuchtigkeit und Nährstoffen durch die Ritzen des brüchigen Schiefers nach unten. Bei sehr alten Reben gelangen sie bis zu 18 Meter in die Tiefe. Die nährstoffarmen Böden – gepaart mit dem trockenen mediterranen Klima – bedingen niedrigste Erträge, ergeben jedoch Trauben von hoher Konzentration und Weine mit enormer Intensität. Die Schieferböden sind also ein wichtiger Faktor, der dieses Gebiet so speziell macht.

Das Weingut Mas Doix im Schatten der Montsant-Berge (© Thomas Götz)

Man kann das Priorat problemlos besuchen, seine Landschaft und die Weine genießen. Vom Flughafen Barcelona dauert die Autofahrt nur 90 Minuten in diese völlig andere Welt. Parkt man den Wagen auf einer der schmalen, kurvigen Bergstraßen in einer Einbuchtung und steigt aus, dann ist die Stille förmlich zu hören.

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