Bodegas Fontedei – Weininsel im Olivenozean

Von der Provinzhaupstadt Granada nehmen wir die Autobahn A-44 in nördliche Richtung Jaén. Bereits kurz hinter Granada tut sich eine von Olivenhainen geprägte Landschaft auf. Andalusien ist mit rund 150 Millionen Bäumen das größte Olivenanbaugebiet der Welt. Als „gekämmtes Land“ beschreibt der Dichter Antonio Machado diese Landschaft, in der sich die Olivenbäume in feinsäuberlichen Reihen scheinbar endlos über die Hügel ziehen.

Nach etwa zwanzig Kilometern verlassen wir die leere Autobahn und fahren in die Ortschaft Deifontes, wo wir unseren Wagen vor einer ehemaligen Olivenölmühle abstellen. Heute wird hier kein Olivenöl mehr erzeugt, sondern Wein und wir sind zu Gast bei Bodegas Fontedei. Antonio López, der Weinmacher, hat uns eingeladen das Weingut und seine Weine kennenzulernen. Es ist ein sonniger, kalter Dezembertag, also setzen wir uns nach der Begrüßung zuerst in Antonios kleines, aber beheiztes Büro.  

Bodegas Fontedei, Eingang in Deifontes
Eingang zum Weingut Fontedei im Ort Deifontes

Antonio López, so erfahren wir rasch, kennt den Weinanbau in Granada wohl wie kaum ein Zweiter. Bevor er sich seit 2005 um die Weinbereitung bei Bodegas Fontedei kümmerte, war er als Önologe schon für die Weingüter Calvente, Señorio de Nevada und Muñana tätig. Jene Weingüter gehören wie Fontedei der DOP Granada an und zählen zu den besten und angesehensten der Provinz.

Bodegas Fontedei ist im Besitz regional ansässiger Investoren, und die haben reichlich in eine Top-Ausstattung investiert: Ob temperaturregulierende Edelstahltanks zur Vergärung, neue große Holzfuder, neue Barriques oder moderne Abfüllanlage – beim Rundgang durch den Keller findet sich praktisch alles, was ein Weinmacher sich heutzutage so wünscht. Bei etwa 150.000 Flaschen liegt die jährliche Produktion.

Antonio López und Emily im Weinkeller von Bodegas Fontedei
Emily von Spaniens Weinwelten mit Antonio López von Bodegas Fontedei

Primärfruchtige Weine durch Stickstoff und Kaltmazeration

Neben den üblichen Methoden der Weinbereitung wendet Antonio López einige Verfahren an, die nicht in allen Weingütern Usus sind. Nitrogen (Stickstoff) wird von ihm zum Beispiel als eine Art Schutzgas genutzt: Sowohl beim Weinausbau in den Stahltanks, als auch bei der finalen Flaschenabfüllung wird mit diesem Gas der „Leerraum“ aufgefüllt, um einen Kontakt des Weins mit Luft, sprich Oxidation zu verhindern. Die Idee dahinter ist, dass Weine so frischer und fruchtiger bleiben.

Darüber hinaus erfahren die Trauben eine sogenannte Kaltmazeration, die der eigentlichen Gärung vorgeschaltet ist. Konkret bedeutet dies, dass bei Bodegas Fontedei die Trauben nach der Ernte nicht sofort vergoren, sondern zuerst in einem Kühlraum bei fünf Grad Celsius für drei bis vier Tage gelagert werden. Hierbei lösen sich Aromastoffe in den Beerenschalen und gehen in den Saft über. Es werden also primäre Traubenaromen extrahiert, was fruchtigere Weine ergeben soll. Wichtig ist, dass dieser Vorgang bei kalten Temperaturen stattfindet, damit es zu keiner vorschnellen Gärung kommt.

Emily bei der Weinverkostung
Der Albayda aus Sauvignon Blanc und Chardonnay macht auch Emily glücklich

Tour de Granada: die Weinlagen und ihre Weine

Die allesamt trocken ausgebauten Weine von Bodegas Fontedei kann man durchaus als Repräsentanten der Provinz Granada bezeichnen. Insofern, als dass sich die Weinberge auf fünf, teils sehr unterschiedliche geografische Gebiete verteilen:

Nahe am Mittelmeer, an der sogenannten Costa Tropical, wachsen an einem schieferhaltigen Steilhang die Rebstöcke der regionaltypischen Sorte Moscatel de Alejandría. Aus jenen Trauben entsteht der sortenreine Weißwein „Zacatín Sobre Lias“. Der 2017er Jahrgang offenbart im Duft die für jene Moscatel-Varietät typische tropische Frucht. Die Kunst bei einem Moscatel de Alejandría ist es jedoch, ihn auch für den Gaumen interessant zu machen. Das gelingt Antonio López ausgezeichnet: Der Tropfen schmeckt saftig und frisch (5,5 g/l Säure) und hat Schmelz. Dezente Bittertöne, wie sie ebenfalls typisch für Moscatel sind, und fein salzige Noten im Abgang machen ihn richtig gut.

Antonio López bei der Verkostung
Antonio López während der Verkostung der Weine

Den zweiten Weißwein „Albayda“ finde ich sogar noch besser. Er wird aus Sauvignon Blanc (80%) und Chardonnay gekeltert und enthält ebenfalls den Zusatz „Sobre Lias“, die spanische Bezeichnung für einen Weißwein, der auf der Feinhefe ausgebaut wird. Der Jahrgang 2017 zeigt sich mit einem animierenden Frucht-Säure-Spiel, seidiger Textur und langem Abgang hervorragend ausbalanciert und komplex. Die Reben für diesen Wein stehen landeinwärts auf 700 m bis 1000 m Höhe in der Gemarkung Vega de Granada, wo das Klima weniger mediterran, sondern stärker kontinental geprägt ist: Das bedeutet hohe Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sowie zwischen Tag und Nacht.

In nochmals höheren Lagen auf bis zu 1200 Metern wachsen in der Sierra de Tejeda die roten Tempranillo, Merlot und Cabernet Sauvignon. In dem abgelegenen Bergzug herrschen ebenfalls markante Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, vor allem im Sommer, was die Reifephasen der Beeren verlängert und für gute Säurewerte sorgt. Die drei genannten Rebsorten stellen die Cuvée-Partner (ergänzt um Garnacha) für den „Prado Negro“ dar. Der Rotwein mit 14 Monaten Barrique kommt mit dunkler Frucht, erdigen Aromen, toller Säure und fein eingebundenem Tannin recht vielschichtig daher (Jahrgang 2014).

Weinlage von Bodegas Fontedei in der Sierra de Tejeda
Weinlage in der Sierra de Tejeda (Foto: Antonio Lopez)

Cabernet Sauvignon gedeiht außerdem an einem vierten Standort nahe der Stadt Guadix an der Nordseite der Sierra Nevada. Im dortigen rauen Klima fand die Weinernte 2018 erst Ende Oktober statt. Zum Vergleich: Die Lese der zuvor genannten weißen Moscatel de Alejandría begann in Mittelmeernähe schon Ende August. Dieser Unterschied von zwei Monaten liegt zum einen an der Rebsorte, zum anderen am gänzlich verschiedenen Terroir.

Alte Garnacha-Reben, gut versteckt zwischen Olivenhainen

Last, but not least gibt es in der Nähe des Weinguts eine zwei Hektar große Lage mit fünfzig Jahre alten Garnacha-Reben. Um dort hinzukommen, folgen wir Antonio López in unserem PKW auf einer schmalen geteerten Straße. Olivenhaine stehen links und rechts entlang des Wegs Spalier. Nach ein paar Kilometern biegen wir in einen Feldweg ein, der uns zum Weinberg führt.

Garnacha-Lage bei Deifontes. Der Weinberg gehört Bodegas Fontedei
Zwei Hektar mit alten Garnacha-Reben nahe Deifontes

Die Garnacha-Stöcke wurzeln hier in durchlässigen Sand- und Lehmböden. Wegen des kargen Untergrunds und ihres relativ hohen Alters liegen die Ernteerträge bei weniger als 3000 kg Trauben je Hektar. Der Qualität schadet dieser Umstand freilich nicht. Das Menge-Güte-Gesetz im Weinbau besagt schließlich, je weniger Trauben an einem Stock hängen, umso besser der spätere Wein.

Diese Regel können wir am „Garnata Selección Reserva“ 2014 ebenfalls gelten lassen. Der Rotwein besteht zu 60 Prozent aus eben jenen Garnacha-Trauben und zu 40 Prozent aus Syrah. Es ist ein weicher eleganter Wein – adstringierend und mit feinem Tannin. Ergänzend nehme ich Aromen von Gewürzen, mediterranen Kräutern und Waldbeeren wahr. Mit 7 g/l verfügt er für ein andalusisches Gewächs über eine fast schon spektakuläre Säure, die geschmacklich gar nicht so sehr durchdringt, aber freilich für einen guten Trinkfluss sorgt.

Blogger mit Garnata-Wein von Fontedei
Der Blogger, der Wein und die Reben

Es ist mittlerweile 14 Uhr. Antonio López lädt uns zum Lunch ein, doch wir müssen leider passen. Der Junge muss bald von der Schule abgeholt werden. Eigentlich aber will ich noch nicht gehen, denn die Szenerie und Stille hier draußen sind atemberaubend. Ich fühle mich wie auf einer einsamen Weininsel inmitten eines riesigen Olivenozeans.

Meine Frau Emily zeigt auf die Uhr – aus der Traum. Antonio López gibt uns den 2013er des “Garnata” (so der historische Name für Granada) mit auf den Weg. Das ist doch immerhin ein Trost. Zuhause warten weitere Weine von Fontedei auf mich, und wenn ich sie in Zukunft trinke, dann wird dabei immer eine Erinnerung an diesen speziellen Ort mitschwingen.


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