Ariyanas Romé Rosado – ein Rosé als Offenbarung

Hin und wieder moderiere ich Tastings für Touristengruppen. Ein Landhotel in der Sierra Nevada, unweit von meinem Wohnort entfernt, fragt mich diesbezüglich an. Meistens kommen die Teilnehmer aus den USA, Kanada und vor allem Großbritannien. So war es auch jüngst wieder, als ich einer 14-köpfigen Gruppe sechs Weine aus den Provinzen Málaga und Granada präsentierte. 

Von einer “Offenbarung” (Revelation) und vom besten Rosé, den er jemals getrunken habe, sprach ein Gast sichtlich begeistert als ich den Ariyanas Romé Rosado 2017 von Bodegas Bentomiz kredenzte. Mit Superlativen sollte man zwar vorsichtig umgehen, aber der Mann – ein bekannter Schriftsteller – hat nicht unrecht und steht mit seiner Lobeshymne auch nicht alleine da: Ebenfalls wird der Ariyanas Romé Rosado von Jancis Robinson, der Grande Dame der Weinkritik, als bester Roséwein Andalusiens geadelt.

Ariyanas Romé Rosado 2017

Es erübrigt sich zu sagen, dass ich den Wein für großartig halte, sonst würde ich ihn kaum in eine Degustation aufnehmen. Neben dem spannenden Kontext, worauf ich gleich zu sprechen komme, finde ich vor allem interessant, dass es sich um ein Gewächs handelt, welches sich geschmacklich nicht nur durch das definiert, was es ist, sondern auch dadurch, was es im Vergleich zu den Anderen seiner Gattung nicht ist: Zu viele Roséweine sind zu fruchtig oder zu lieblich oder zu grob oder zu einsilbig oder mehreres davon. All das ist der Ariyanas Romé Rosado nicht. Vielmehr ist er filigran, frisch, mineralisch, zartfruchtig, vielschichtig.

Ariyanas Romé Rosado: Ein besonderes Terroir

Der spannende Kontext des Weins ergibt sich aus dem Dreiklang eines spezifischen geografischen Standorts, einer seltenen autochthonen Rebsorte und einer konsequenten Weinmacherin. „Ich mache genau die Weine, wie sie mir schmecken“, sagte mir Clara Verheij bei unserer ersten Begegnung vor etwa einem Jahr. Seither habe ich die Niederländerin drei weitere Male in ihrem Weingut im Anbaugebiet Sierras de Málaga besucht. Die Fotos in diesem Beitrag stammen aus den verschiedenen Visiten des letzten Jahres. 

Clara Verheij von Bodegas Bentomiz

Clara Verheij setzt in ihrer Weinstilistik für mein Empfinden auf Frische und Eleganz und nicht so sehr auf Kraft und Intensität. Bei der Lese achtet die Weinmacherin sehr genau darauf, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Denn im langen und heißen andalusischen Spätsommer werden Trauben schnell überreif. Sie enthalten dann zu viel Zucker und verlieren an Säure. Nicht so bei Clara: Entsprechend liegt der Alkoholgehalt von 12,5% Vol. für ihren Ariyanas Romé Rosado – gemessen an südspanischen Verhältnissen – eher niedrig. Der Wein ist darüber hinaus wunderbar saftig und trocken geraten, und ich meine den Schieferboden, auf dem seine Romé-Reben wachsen, sogar riechen und schmecken zu können. Ein Ausbau von acht Monaten auf der Feinhefe gibt dem Rosado ferner eine feine samtige Textur. Im Gesamtbild kennzeichnet den Rosé eine delikate Knackigkeit. Nicht nur dieser, sondern alle Weine von Clara Verheij – auch jene aus der Moscatel-Rebe – besitzen für mich ein gewisses Etwas, einen Special Touch, was sie interessant und anders macht.

Bodegas Bentomiz liegt auf 500 m Höhe in der Axarquia, dem schroffen Hinterland der Costa del Sol. An Tagen mit guter Sicht reicht der Blick über das nahe Mittelmeer bis nach Marokko. Die Reben wachsen in teils spektakulären Steillagen auf bis zu 850 m Höhe. Zumeist sind es kleine Parzellen, die aufwändig und nur von Hand bewirtschaftet werden können. 

Clara Verheij in einem der steilen, terrassierten Weinberge.

Der Höhenfaktor der Axarquia ist für den Weinbau gerade in Südspanien wichtig, denn Höhenlagen bringen kühlere Nächte mit sich, was den Reifezyklus der Trauben verlängert. Dies ergibt Beeren mit guten Säurewerten, die wiederum in frischeren und saftigeren Weinen resultieren. Sprechen wir von einem spezifischen Standort, dann kommen bei Bodegas Bentomiz als Sahnehäubchen die kühlenden Mittelmeerwinde und die Schieferböden hinzu. 

Erzeugt wird der Ariyanas Rosado aus der selten vorkommenden roten Rebsorte Romé. Diese autochthone Sorte der Provinz Málaga und insbesondere der Axarquia wird bei Bentomiz in Buscherziehung gehaltenen. Viele Reben sind zwischen 80 und 90 Jahre alt. Steillagen, Schieferböden und alte Reben: Die Erträge sind entsprechend gering, die Traubenqualität freilich hoch. 

Im Anbaugebiet Sierras de Málaga finden sich neben Bodegas Bentomiz ein paar weitere Top-Weingüter wie Sedella und Finca La Melonera, welche die Romé im Anbau haben und daraus rote Cuvées mit einem hohen Anteil der Sorte abfüllen. Meines Wissens ist der Ariyanas Rosado aber der einzige Qualitätswein, der zu 100% aus Romé gemacht wird. Bereits dieser Umstand macht ihn neben den erwähnten Eigenschaften besonders.

Bei Bodegas Bentomiz: Alte Reben auf Schieferböden

Wie ein Rosé gemacht wird

Kommen wir zurück zur Touristengruppe, für die ich das Tasting organisiert habe. Die Weinkenntnisse in einer solchen 14-köpfigen Gruppe sind naturgemäß ganz unterschiedlich ausgeprägt. Vom echten Wine Lover bis zum Abends-mal-gern-ein-Weinchen-Trinker ist die ganze Spannbreite vertreten. Einer der Teilnehmer dachte beispielsweise, dass ein Roséwein aus der Vermischung von Rot- und Weißweinen entsteht. Das trifft bei Massenweinen zwar zu, nicht aber auf Rosés von qualitätsbewussten Weinmacherinnen wie Clara Verheij.

Bentomiz: Weingut im Bauhaus-Stil mit Kellerei und Restaurant

Wenn Sie – liebe Leserin, lieber Leser – bereits Bescheid wissen wie Roséweine gemacht werden, dann können Sie an dieser Stelle die nächsten vier Absätze überspringen. Wenn Sie es nicht wissen oder sich schlichtweg noch nie darüber Gedanken gemacht haben, kein Problem, ich erkläre es jetzt.

Kurz gesagt: Ein Roséwein wird aus roten Trauben gewonnen, aber wie ein Weißwein vergoren. Der Unterschied zum Weißwein ist, dass die Trauben nach der Lese und bei der Ankunft im Weinkeller nicht sofort gepresst, sondern für wenige Stunden (zwei bis zwölf) auf der Maische belassen und danach erst gepresst und vergoren werden. 

Als „Maische“ bezeichnet man das Gemisch aus Traubenkernen, Fruchtfleisch und Schalen, welches entsteht, nachdem die Beeren von den Traubenstilen entfernt wurden. Bei Rotweinen findet die alkoholische Gärung auf eben dieser Maische statt. Nicht so beim Rosé: Erst nachdem der Saft von der Maische abgepresst wurde, wird er wie bei einem Weißwein alleine vergoren.

Warum dieser Zwischenschritt? Nur in den Beerenschalen stecken die roten Farbpigmente. Der Saft einer roten Traube ist nämlich genauso hell wie der einer weißen Traube. Deshalb lassen sich aus roten Rebsorten auch Weißweine erzeugen (Stichwort: Blanc de Noir). 

Im Kontakt mit den Beerenschalen zieht der Most also seine Farbe. Je länger diese Maischestandzeit, umso rötlicher der spätere Roséwein. Da in den Schalen neben Farbpigmenten auch Tannine stecken, wird ein Rosé mit längerem Schalenkontakt nicht nur farblich dunkler, sondern in seiner Stilistik robuster und kräftiger.

Clara Verheij beließ frühere Jahrgänge ihres Ariyanas Romé Rosado nur für etwa eineinhalb Stunden auf der Maische. Inzwischen arbeitet sie mit sogar noch kürzeren Kontaktzeiten: Die Trauben werden bei der Ankunft in der Kellerei sogleich entrappt (von den Stilen entfernt) und wandern direkt in die Presse. Das Lesegut wird nun leicht gepresst und einige Male in der Trommel geschwenkt. Der Saft kommt dabei mit den Beerenschalen in Berührung. Dieser ganz kurze Schalenkontakt reicht aus, um dem Romé Rosado die helle grazile Farbe zu geben, in der pinke und orange Anklänge durchschimmern. Da die Rebsorte Romé über eine gute natürliche Tanninbildung verfügt, erhält der Wein trotzdem eine hervorragende Struktur mit einem stabilen Rückgrat. Alles in allem ist es ein außergewöhnlicher Wein, hervorragend balanciert, tiefgründig und mit spannenden Aromen, die eher in die florale und kräuterige Richtung gehen.

Bodegas Bentomiz: Ein Weingut in den Bergen mit Mittelmeerblick

Info: Dies war nicht der erste Beitrag zu Bodegas Bentomiz auf meinem Blog. Mehr über das Weingut und seine Weine (u.a. natürliche Süßweine aus Moscatel de Alajandría) steht in diesem Artikel: In den Bergen dem Meer so nah

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