Celler Capcanes – alle Macht den Böden

Jürgen Wagner ist studierter Önologe und überzeugter Genosse. Beides zusammen bei der Winzerkooperative Celler Capcanes im katalanischen Anbaugebiet D.O. Montsant. Kürzlich habe ich ihn auf der Weinmesse Fenavin kennengelernt, und Jürgen Wagner hat mir dabei einige hochinteressante Gewächse vorgestellt.

Spannend ist zum Beispiel die Weinlinie “La Nit de les Garnatxes”, für welche Celler Capcanes vier rebsortenreine Garnachas keltert, die jeweils von unterschiedlichen Böden stammen: Sand, Lehm, Schiefer und Kalkstein. Jene Rotweine des Jahrgangs 2017 parallel zu verkosten, ist aufschlussreich, geben sie doch den Einfluss des Bodens auf den Wein zu erkennen.

Weinlinie "La Nit de les Garnatxes" von Celler Capcanes
Vier sortenreine Garnacha von vier unterschiedlichen Böden

Eine Wein-Boden-Probe

Jürgen Wagner gießt mir die Weine der Reihe nach ein. Die Etiketten sind als Comic gestaltet. Er sei ein großer Comic-Fan, bekennt er, und in den Comics wird anschaulich vom Terroir und Charakter des jeweiligen Weins erzählt. Sogar die Flaschen sind mit einem Weincomic auf Papier eingewickelt.

Trotz identischer Rebsorte und Weinbereitung, trotz identischem Jahrgang und Anbaugebiet ist es verblüffend zu erkennen, wie unterschiedlich die vier Garnachas stilistisch daherkommen: mal eher saftig und erfrischend (Sand), mal knackig und robust (Lehm), mal elegant und vielschichtig (Kalkstein), mal weich und fruchtbetont (Schiefer). Gemein ist allen die prima Qualität: Trinkvergnügen und Anspruch gehen Hand in Hand.

So weist die Reihe “La Nit de les Garnatxes” auf einen faszinierenden Aspekt hin: Jedes Fleckchen Erde ergibt einen unterschiedlichen Wein. Neben den Böden spielen bei einer Lage freilich etliche andere Faktoren wie Höhenmeter, Himmelsausrichtung oder das Alter der Rebstöcke eine wichtige Rolle. Deshalb wäre es nicht angebracht aus unserer “Wein-Boden-Probe” eine wissenschaftliche Gesetzmäßigkeit abzuleiten. Das will dieses Projekt auch gar nicht; anregend und demonstrativ ist es dennoch.

Mit Jürgen Wagner von Celler Capcanes auf der Fenavin
Bei Jürgen Wagner (links) am Stand von Celler Capcanes.

Ein klasse Blanc de Noir aus Garnaxta Negra

Wie in anderen katalanischen Anbaugebieten nimmt in Montsant die Rebsorte Garnacha (bzw. Garnatxa in Katalanisch) eine exponierte Stellung ein. Im Zuge meiner Bloggertätigkeit sind mir schon allerhand Weine aus Garnacha Tinta, Garnacha Blanca oder Garnacha Peluda aus Regionen wie Terra Alta, Priorat oder auch Montsant ins Glas gekommen. Ein Blanc de Noir aus Garnacha Tinta (katalanisch: Garnaxta Negra) hingegen nicht.

Dieser aus einer Rotweinsorte gekelterte Weißwein “3/vb”, Jahrgang 2013, gehört zu den interessantesten Weinen, die mir auf dieser an interessanten Weinen nicht armen Messe untergekommen sind. Eine packende anregende Säure und salzige Noten im langen Abgang zeichnen ihn aus. Voluminös und mächtig ist er, dazu würzig und fruchtig oder um es in einem Wort auszudrücken: komplex. Der “3/vb” ist somit das genaue Gegenteil von zahlreichen anderen Gewächsen seiner Gattung: nämlich nicht langweilig und nicht beliebig, sondern individuell und charakterstark.

3/vb. Toller Blanc de Nior.
Supergut! Der Blanc de Noir 3/vb 2013

Celler Capcanes – Spitzenweine von einer Kooperative

Bevor ich Jürgen Wagner traf, hatte ich von Celler Capcanes erstmals durch den Weinkritiker James Suckling gehört. Auf seiner Liste der 100 besten spanischen Weine des Jahres 2018 tauchen gleich zwei Gewächse dieser Winzergenossenschaft auf. Das ist mehr als beachtlich, und nochmals einen Tick beachtlicher, wenn man bedenkt, dass allein fünfzig Weine in diesem Ranking aus den beiden renommiertesten Appellationen Spaniens – Rioja und Ribera del Duero – stammen.

PS: Ich frage mich, ob dieser Umstand eher für die Anbaugebiete Rioja und Ribera del Duero oder eher gegen den Kritiker James Suckling spricht. Hat da jemand noch nicht mitbekommen, wieviele aufregende Weine inzwischen in allen Teilen Spaniens gemacht werden?

Wie dem auch sei. Der koscher vinifizierte “Peraj Ha’abib 2016” – mineralisch, opulent, tief – steht zurecht auf dieser Liste. Unter anderem wegen dieser roten Cuvée aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Cariñena darf Celler Capcanes zu einer Riege von Kooperativen wie beispielsweise Borsao im benachbarten Aragon gezählt werden, die Top-Weine zu einem beachtlich guten Preis anbieten. Im Falle des Peraj Ha’abib sind 25 Euro sehr gut investiertes Geld. Und bereits ein günstiger Einstiegswein wie der saftige rote “Mas Donis 2018” (5,50 Euro) macht Spass zu trinken.

Im Keller von Celler Capcanes
Im Keller bei Celler Capcanes

Montsant – ein Hufeisen ums Priorat

Von den knapp 2000 Hektar Rebland, die zur kleinen Appellation Montsant gehören, bewirtschaften die Weinbauern der Genossenschaft Celler Capcanes stolze 230 Hektar. Die D.O. Montsant, 2001 gegründet, umschließt das weltbekannte Anbaugebiet Priorat hufeisenförmig. Im Jahr 2013 war ich kurz in der Region – eben auf dem Weg ins Priorat. Der optische Kontrast aus bergig-schroffer Gegend mit grauen Schieferböden (Priorat) bzw. sanft-hügeliger Landschaft mit roten Tonböden (Montsant) ist mir gut in Erinnerung geblieben.

Die D.O. Montsant verfügt aber nicht nur über rote Erde, sondern allgemein über eine beachtliche Bodenvielfalt, die eine Weinlinie wie “La Nit de les Garnatxes” von Celler Capcanes erst möglich macht. Auf engstem Raum finden wir verschiedene Terroirs. Feuchte Winde vom Mittelmeer und ein trockener wie kalter Wind aus nördlicher Richtung von den Pyrenäen wirken sich zudem positiv auf den Weinanbau aus. Und obwohl Montsant nur etwa dreißig Kilometer vom Mittelmeer entfernt liegt, ist ein kontinentaler Einfluss spürbar, der sich in teils hohen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht zeigt. Im Sommer lässt die Tageshitze die Trauben gut ausreifen, und die Abkühlung in der Nacht sorgt für frische Säure. Zusammengefasst sind das beste Voraussetzungen für große Weine.

Weinberg in der DO Montsant. Dahinter der Ort Capcanes.
Weinberg von Celler Capcanes in der DO Montsant. Im Hintergrund der Ort Capcanes.

Wenn ich also das nächste Mal ins Priorat gehe, dann werde ich nicht mehr einfach durch Montsant hindurchfahren, sondern garantiert einen Stopp einlegen. Und zwar bei Celler Capcanes.


Linktipp: Ein schöner Artikel über den koscheren Wein Peraj Ha’abib sowie über die Genossenschaft Celler Capcanes und deren erstaunliche Wandlung vom reinen Tankweinproduzenten zum Erzeuger von Spitzenweinen ist 2016 im Magazin der Süddeutschen Zeitung erschienen. Lesenswert!

Bildinformation: Die Fotos 4 + 5 in diesem Beitrag und das Eingangsfoto auf der Blogseite mit freundlicher Genehmigung von Celler Capcanes.

Bezugsquelle: Die Weinlinie “La Nit de les Garnatxes” und weitere Weine von Celler Capcanes hat u.a. der Online-Shop von Der Weinfleck im Angebot.

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