Spanischer Wein in einem Münchner Hinterhof

Spaniens Weinwelten reichen weit über die eigentlichen Landesgrenzen hinaus. Und weil ein Blog laut Duden eine “tagebuchartig geführte Webseite” ist, berichte ich heute zur Abwechslung aus Deutschland, genauer gesagt aus München.

Vor ein paar Tagen war ich nämlich in der bayerischen Landeshauptstadt zu Gast bei Askoa Fernández, um eine Weinverkostung zu moderieren. Askoa importiert eine beeindruckende Vielfalt spanischer Produkte und verkauft diese unter anderem in dem Ladengeschäft “Donosti” in der Blutenburgstraße.

Das Donosti-Sortiment enthält freilich auch Wein. Darunter finden sich zahlreiche richtig interessante Gewächse, die nicht einfach zu beziehen sind, weil sie häufig von kleinen Erzeugern stammen und in der Menge entsprechend limitiert sind.

Spanischer Wein im Donosti-Ladengeschäft in München
Mit Askoa Fernández im Ladengeschäft Donosti

Von der Weinvermittlung zur Weinverkostung

Ich habe Askoa vor einem Jahr kennengelernt. Damals rief ich bei ihr an, um das Weingut Celler Alimara vorzustellen. Dies ist eines von inzwischen zehn spanischen Weingütern, die ich dabei unterstütze auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.

Gerade kleinere spanische Weingüter aus weniger bekannten Anbaugebieten tun sich schwer damit einen deutschen Importeur zu finden. Zwar erzeugen viele von ihnen exzellente Weine, es fehlt aber häufig an sprachlichen Fähigkeiten, an Marketing- und Vertriebs-Knowhow oder schlichtweg an Zeit und Geld, um fruchtbare Kontakte zu etablieren.

Für manche Weingüter, deren Weine und Geschichte ich besonders interessant finde, übernehme ich jene Aufgabe und bringe sie mit Importeuren zusammen. Auf diese Weise bin ich Askoa ursprünglich begegnet und unsere Zusammenarbeit hat sich schrittweise vertieft. Mit ihrem Partner Marc hat mich Askoa zwischenzeitlich sogar in Andalusien besucht und wir haben uns gemeinsam auf Weintouren begeben.

Nun dachten wir, es sei an der Zeit einige der von mir vermittelten Weine im Rahmen eines Tastings bei Askoa in München zu präsentieren.

Der Ort für die Weinverkostung hätte nicht schöner gewählt sein können. Quasi um die Ecke des Donosti-Geschäfts befindet sich der Lupinus Salon – ein geschmackvoll eingerichtetes Atelier in einem Hinterhof und mit einem reizenden Vorgarten.

Spanischer Wein in einem reizenden Hinterhof
Sieben Top-Gewächse aus Spanien. Jetzt auch in München.

Wein: Auf den Kontext kommt es an

Die sieben von mir ausgesuchten und präsentierten Weine sind jeder auf seine Weise interessant. Sie besitzen eine ganz unterschiedliche Stilistik, werden mit verschieden Methoden ausgebaut und stammen aus völlig unterschiedlichen Regionen:

Der eine ist ein Naturwein aus Andalusien aus den höchsten Lagen Europas, dessen Parzellen aufgrund von Unzugänglichkeit mit Maultieren gepflügt werden (siehe Weinliste weiter unten, Nr. 5).

Der andere ist ein biodynamisch erzeugtes Gewächs, und dieses wird in 200 Jahre alten Tonamphoren in einem ebenso alten, neun Meter tiefen Weinkeller unter der Stadt Valdepeñas nach dem Mondkalender ausgebaut (Nr. 6).

Wieder ein anderer Wein stammt aus Galicien und wird zum Teil aus über 135 Jahre alten wurzelechten Reben gekeltert, welche die große Reblausplage im ausgehenden 19. Jahrhundert überlebt haben (Nr. 3).

Nochmals einer wird in La Mancha aus einer völlig unbekannten Rebsorte gewonnen, die eben jener Reblausplage zum Opfer fiel und heute kaum mehr existiert, da ihr neuerlicher Anbau aufgrund von Frostempfindlichkeit ökonomisch riskant ist (Nr. 4).

Oder ein letztes Beispiel: Ein Wein stammt von einem Weingut aus der D.O. Bullas, das seit der Gründung in den 1940er-Jahren durchgängig von Frauen geleitet wird – ein absolut seltener Fall (Nr. 2).

So hat jeder Wein seine ganz eigene Geschichte. Was diese Weine eint, ist die hervorragende Qualität und ihre ehrliche Machart. Letzteres bedeutet für mich ein Fokus auf nachhaltige, zumeist biologische oder biodynamische Landwirtschaft sowie der Verzicht bzw. ein sehr behutsamer Einsatz industriell erzeugter Mittel für die Weinbereitung. Askoa und ich sind diesbezüglich Verbündete im Geiste.

Weinverkostung: "Warm-up" im Hinterhof
Das “Warm-up” zur Weinverkostung. Bei fast 30 °C kein Problem.

Einschub: Kritik an der Weinkritik

Die gängige Weinkritik ergeht sich allzu häufig in Verkostungsnotizen, die aus ellenlangen Auflistungen von Aromen bestehen. Das ist nicht nur eine langweilige, sondern auch eine bequeme Art sich mit Wein auseinanderzusetzen.

Freilich sollte die Grundstilistik eines Weins beschrieben werden. Ist er beispielsweise säurebetont, tanninreich, weich, kräftig, schlank, frisch, konzentriert, schwer, alkoholisch, fruchtig, leicht, mineralisch und so fort.

Ob der Wein nun aber nach Brombeere oder Himbeere, nach Feigenkuchen oder Feigenkompott riecht und schmeckt, ist mir relativ “Wurscht”, um es mal auf gut bayerisch zu sagen. Ich beglückwünsche jene, die den Unterschied ausmachen können.

Wenn ich Verkostungen moderiere, halte ich mich mit solchen Angaben deshalb ganz bewusst zurück.

Für mich ist stattdessen der Kontext entscheidend, und der wird von der Weinkritik leider viel zu selten erklärt. Was ist das Spezielle an diesen und jenem Wein in Bezug auf Weinmacher, Weinbereitung, Reben, Anbau, Terroir, Region, Geschichte, etc.? Hintergründe dazu sind interessant und machen Wein zugänglich. Vergessen Sie die Punkte und vergessen Sie die ausufernden Aromenbeschreibungen!

Beginn der Weinprobe. Vorstellungsrunde.
Bei der Vorstellungsrunde

Das Tasting – einmal quer durch Spanien

Dreißig Gäste fanden sich abends ein. Für die Pause zwischen Weiß- und Rotweinen hatte Askoa feine Tapas vorbereitet, wie zum Beispiel die Pastete vom Iberico-Schwein. Zum natürlichen Süßwein am Ende der dreistündigen Weinprobe wurden diverse Käsesorten gereicht.

Im Folgenden die Weinliste des Tastings. Vielleicht wollen Sie zuhause ebenfalls probieren. Weinliebhaber in Deutschland haben es jedenfalls verdient, diese größtenteils raren Weine im Spanien-Shop von Askoa beziehen zu können. Und diese Weine haben es aus meiner Sicht wiederum verdient, getrunken zu werden.

1) Celler Alimara, Llumi Blanc 2017, DO Terra Alta (weiß, Garnacha Blanca & Macabeo). Frisch und aromatisch. Einfach und schön zu trinken. Mittlerer Körper und gute Säure.

2) Bodega Balcona, Mabal Macabeo 2017, DO Bullas (weiß, Macabeo). Vollmundig und mit seidiger Textur. Spontangärung im 600-Liter-Holzfass. Das Holz ist gut eingebunden. Elegant und komplex.

3) Bodega Anadigna, Anadigna Sobre Lias 2017, DO Rías Baixas (weiß, Albariño). Mineralisches Profil, Zitrusfrucht, knackige Säure, schmelzige Textur. Ausbau auf der Feinhefe. Teils aus wurzelechten, bis zu 135 Jahre alten Reben.

Tapas
Zwischen Weiß- und Rotweinen gibt’s von Askoa zubereitete Tapas

4) Bodegas Verum, Ulterior Tinto Velasco 2016, DO La Mancha (rot, Tinto Velasco). Schöne Beerenfrucht und gute Säure. Saftig und straff. Mittlerer Körper. Ausbau zur Hälfte in Tonamphoren, zur Hälfte in Eichenfässern.

5) Garcia de Verdevique, La Lobera 2017, VT Cumbres del Guadalfeo (rot, Tempranillo). Naturwein mit erdigen und würzigen Aromen. Kräftiger Körper von lebhafter Säure getragen. Alte Reben auf Schieferböden. Hoch- und Steillagen.

6) Bodega de las Estrellas, Dionisos Tierra 2010, VT Castilla (rot, Tempranillo). Opulent, konzentriert, dicht, beerig, samtiges Tannin. Biodynamischer Anbau. Vergärung in Tonamphoren. Ausbau in Barriques. Sechs Jahre Flaschenreife.

7) Bodegas Bentomiz, Ariyanas Naturalmente Dulce 2012, DO Málaga (weiß, Moscatel). Frischer wie hocharomatischer natürlicher Süßwein mit öliger Textur. Aus in der Sonne getrockneten Trauben und ohne Zugabe von Weingeist gekeltert.

Bezugsquelle: www.spanien-shop.com
Donosti Weine und Spezialitäten, Blutenburgstraße 98, 80636 München

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