Roig Parals – Alte Samsó und Graue Garnacha

Neulich auf der Durchreise in Katalonien habe ich das Weingut Roig Parals im Anbaugebiet Empordà besucht. Das Paar Santi Roig und Mariona Parals bewirtschaftet dort 19 Hektar mit mehrheitlich alten Garnacha- und Carignan-Reben. Die insgesamt zwölf Parzellen befinden sich nahe der Ortschaft Mollet de Peralada, nur wenige Kilometer vom Mittelmeer (Costa Brava) und von der Grenze zu Frankreich entfernt.

Empordà: Weingebiet zwischen Pyrenäen und Costa Brava.
Weingebiet zwischen Pyrenäen und Costa Brava.

Santi und Mariona gründeten Roig Parals im Jahr 2005. Santi Roigs Familie betreibt Weinbau hingegen schon seit 1896. Die Trauben verkauften sie stets an örtliche Erzeuger, ohne eigenen Wein für den Handel zu keltern. Durch diese lange Familientradition können Santi Roig und Monica Parals für ihre heutigen Weine auf einen Schatz von bis zu 124 Jahre alten Reben zugreifen. Die Weinberge bestellen sie biologisch ohne jeglichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Kunstdüngern.

Empordà: Von Masse zur Klasse

Als sie 2005 begannen, erzählt mir Mariona Parals, sei es noch schwierig gewesen Distributoren, Händler und Gastronomen für ihre Weine zu interessieren. Die Empordà-Region hatte einen Ruf für billige und qualitativ minderwertige Massenweine. Zwar erhielt das Gebiet im Jahr 1996 den Status einer Denominación d’Origen (D.O.), was einem Qualitätsweingebiet entspricht. Dennoch dauerte es eine Weile, bis das Potenzial und die Qualität in der D.O. Empordà sichtbar wurden. Heute gibt es neben Roig Parals eine ganze Reihe an Erzeugern wie Vinyes d’Olivardots, Espelt Viticultors, Martí Fabra und Còsmic Vinyaters, die es verstehen ausgezeichnete und interessante Weine zu keltern. Ihren Fokus legen sie auf biologischen oder biodynamischen Anbau und autochthone Reben, womit vor allem Garnacha und Cariñena gemeint sind.

Die alte Kellerei von Roig Parals in der Ortschaft Mollet de Peralada
Die alte Kellerei von Roig Parals in der Ortschaft Mollet de Peralada

Sprechen wir von Garnacha und Cariñena, dann ist es wichtig zu erwähnen, dass diese Rebsorten in der D.O. Empordà nicht nur in Rot, sondern außerdem als weiße und graue Varietät vorkommen. Auf diesem Blog habe ich darüber schon einmal in Beiträgen zu Vinyes d’Olivardots und zur Grauen Cariñena berichtet. Diese Vielfalt an Garnacha- und Cariñena-Typen ist einzigartig in Spanien. Die zuvor genannten Weingüter verfügen zudem über einen großen Bestand alter Reben, oftmals weit über 100 Jahre alt. Die Stöcke ergeben niedrige Erträge, dafür hohe Traubenqualitäten.

Ein wichtiger Terroir-Faktor in Empordà ist ferner die geografische Lage zwischen Pyrenäen und Mittelmeer. Aus nördlicher Pyrenäen-Richtung bläst der raue Wind „Tramuntana“ über das Land. Am Nachmittag tritt häufig eine feuchte Brise vom Mittelmeer auf. Diese Winde kühlen die Weinberge ab und sorgen dafür, dass die Trauben im heißen Sommer nicht zu schnell überreifen.

Weinberg mit alten Reben, etwa 12 km vom Mittelmeer entfernt
Weinberg mit alten Reben, etwa 12 km vom Mittelmeer entfernt

124 Jahre alte Samsó und Graue Garnacha bei Roig Parals

Als ich Mariona Parals im Weingut treffe, füllt ihr Mann Santi Roig in der Kellerei gerade einen neuen Dessertwein aus Moscatel de Alejandría ab. Da fühle ich mich ganz in meine Wahlheimat Andalusien versetzt. Der erste Jahrgang dieses gespriteten Süßweins umfasst nur wenige hundert Flaschen, und so konzentrieren wir uns bei der Verkostung auf die trocken ausgebauten Gewächse.

Bei etwa 45.000 Flaschen liegt die Jahresproduktion von Roig Parals. Darüber hinaus keltern Santi Roig und Mariona Parals in ihrer Kellerei die Weine Tocat de l’Ala, welche in einem gemeinsamen Projekt mit dem landesweit bekannten und umtriebigen Erzeuger Coca i Fito entstehen.

2020, ich muss es kaum erwähnen, ist ein verfluchtes Jahr. Die Corona-Krise trifft die kleineren Weingüter besonders hart. Mariona berichtet, dass sie während des mehrmonatigen Lockdowns nur eine einzige Bestellung erhalten hätten. Das Weinlager quillt entsprechend über. Für Familienweingüter, die eher mit kleinen Distributoren und Händlern zusammenarbeiten, ist es eine schwierige Zeit. Es heißt zwar immer, dass die Leute seit Corona mehr Wein trinken, aber den großen Reibach machen die Online-Shops und Supermärkte (und somit auch die großen bzw. bekannten Weinproduzenten). Als wäre das nicht genug, gab es im Frühjahr außerordentlich viel Regen, inklusive Mehltau-Befall vieler Reben, was dieses Jahr wohl hohe Ernteausfälle bedingen wird.

Mariona Parals im Samsó-Weinberg von 1896.
Mariona Parals im Samsó-Weinberg von 1896.

Wir probieren acht Weine, allesamt sind sie tiptop. Vier Gewächse will ich im Folgenden hervorheben: 

Der 2017 Camí de Cormes Samsó ist ein Rotwein aus 120 und 124 Jahre alten Samsò-Reben. Die Samsó wird außerhalb Kataloniens Cariñena genannt und außerhalb Spaniens wiederum Carignan. Die klassisch mediterrane Sorte war lange in Verruf, weil sie angeblich nur minderwertige Moste hervorbringt. Das ist falsch. Bei alten Reben und niedrigen Erträgen sind die Rotweine bezüglich Spannung und Frische nahezu unerreicht: Die Trauben der Cariñena produzieren mehr Säure und Tannin und weniger Zucker als jene der Garnacha Tinta. Die Weine fallen also tendenziell frischer, strukturierter und weniger alkoholisch aus.

Die alten Reben wachsen auf Sandböden mit beachtlichem Anteil von Kalkstein und Lehm. Die Erträge liegen bei 3000 kg Trauben pro Hektar. Das Lesegut erfährt eine Kaltmazeration und wird nach der Spontanvergärung für 14 Monate in Barriques (20% neues Holz) ausgebaut. Im Resultat ist der “2017 Camí de Cormes Samsó” ein kraftvoller, zugleich eleganter und fein balancierter Rotwein. Spitze!

Drei klasse Weine aus autochthonen Rebsorten. Cami de Cormes. Roig Parals.
Drei klasse Weine aus autochthonen Rebsorten

Aus derselben Weinreihe kommt der 2019 Camí de Cormes Garnatxa Roja, ein sortenreiner Weißwein aus Grauer Garnacha (auf Spanisch: Garnacha Roja bzw. manchmal auch Garnacha Gris). Jene Graue Garnacha ist eine äußerst selten angebaute Rebsorte – im Gegensatz zur verwandten Rotweinrebe Garnacha Tinta. Wie die Grauburgunder entwickelt diese Weißweinsorte eine rötlich-pinke Beerenhaut.

Die Garnacha-Roja-Reben von Roig Parals sind 60 bis 70 Jahre alt. Die Böden enthalten viel Sand, Kalkstein und Lehm. Die Erträge belaufen sich auf 4000 kg/ha. Der “2019 Camí de Cormes Garnatxa Roja” steht vor der Gärung ein paar Stunden auf der Maische. Der Saft zieht dabei Farbe aus den Schalen. Nach der Gärung wird er fünf Monate auf der Feinhefe, jeweils zu 50 Prozent im Holzfass und im Stahltank, ausgebaut. Der Wein hat eine goldgelbe Farbe mit violetten Reflexionen. Der Körper ist kraftvoll, die Textur cremig. Da ist Druck am Gaumen und Zug im Abgang. Ein frischer, aromatischer und wirklich interessanter Weißwein.

Weinberg mit alten Reben bei Roig Parals
Weinberg mit alten Reben bei Roig Parals

Ebenfalls sehr gut gefallen mir die günstigen Einstiegsweine (ca. 8 €) der Reihe Mallolet, insbesondere der Weißwein 2019 Mallolet Blanc aus den autochthonen Reben Macabeo und Garnacha Blanca und der Rotwein 2019 Mallolet Negre aus Samsó und Garnacha Tinta. Beides sind fruchtbetonte und frische Weine der Kategorie „easy-drinking“. Sie sind unkompliziert, zugleich gut balanciert und machen mit ihrer „Trinkigkeit“ viel Spass.


Es ist heiß im Juli in Empordà. Schon um 11 Uhr rinnt mir der Schweiß über Stirn und Gesicht. Ob sie die Weine in besonders heißen Jahren nachsäuern müssen, um Frische zu erhalten, frage ich Mariona. Nein, das komme nie vor, antwortet sie. Sie erinnere sich an ein solches Jahr, in dem sie von der D.O. Empordà eine E-Mail erhalten hätte, dass das Ansäuern der Weine für diesen Jahrgang erlaubt sei. Aber sie hätten es nicht gemacht, weil ihre Weine bereits auf natürliche Weise frisch und balanciert waren. Das gefällt mir, und ich schätze das Geheimnis diesbezüglich liegt in den alten Reben mit ihren niedrigen Erträgen.

Für mich war Roig Parals der erste Weingutsbesuch seit über vier Monaten. Ein richtig guter Anfang obendrein …

Weitere Informationen

Link zum Weingut: www.roigparals.cat

Die D.O. Empordà ist mit 1800 Hektar Rebland und aktuell 48 angeschlossenen Weinerzeugern ein relativ kleines Anbaugebiet. Hier der Link zur offiziellen Webseite: www.doemporda.cat

Bildangaben: Fotos 1,3,4,5 © Spaniens Weinwelten; Fotos 2 & 6: © Roig Parals

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