Bodegas Jiménez-Landi und eine Neuentdeckung

Als ich neulich in der Sierra de Gredos war, hielt ich mich einen Tag im Vorland dieses Gebirgszugs auf. Ich besuchte Bodegas Jiménez-Landi in der Kleinstadt Méntrida, eine Visite, auf die ich mich lange vorab gefreut hatte. Das Weingut gehört zu den Top-3-Erzeugern der Appellation D.O. Méntrida und ist außerdem ein Pionier in Bezug auf die jüngere Weingeschichte der Sierra de Gredos.

Die Familie Jiménez-Landi keltert Wein seit 1963. Wirklich professionell wird das Weingut seit 2004 betrieben, als die Cousins José Jiménez-Landi und Daniel Gómez Jiménez-Landi die Führung übernahmen. Ihre ersten drei Jahrgänge kamen noch im damals für Spanien üblichen Stil daher. Das heißt kurz gesagt: dunkle, kräftige Rotweine nach Parker-Art. Mehr Bordeaux als Burgund. Einen solchen 2004er probiere ich mit José Jiménez-Landi während meines Besuchs.

José Jimenez-Landi im Innenhof des Weinguts. Ein Anwesen aus dem 16. Jahrhundert.
José Jimenez-Landi im Innenhof des Familienweinguts. Ein Anwesen aus dem 16. Jh.

2007 führten Daniel und José dann eine neue Stilistik ein, für die Gredos heute in der Weinwelt bekannt ist und die damals fast revolutionär war: Rotweine mit Frische, Finesse und Mineralität; mit heller Farbe, mit leichtem bis mittlerem Körper und ohne Make-up. Die Inspiration zogen sie aus Gebieten wie Burgund und Rhone. Der in Spanien omnipräsente Raul Pérez gab damals als Freund ebenso Tipps und Ratschläge.

Die zwei Cousins änderten ihre Weinbereitung komplett. Unter anderem vergärten sie die Trauben fortan mit den Rappen, sie sortierten die neuen Barriques aus und ersetzten sie mit größeren Fudern und Betontanks. Die gesamte Weinbereitung fand handwerklich und ohne Maschinen statt. Gemäß der burgundischen Philosophie richteten sie darüber hinaus ihren Blick auf das Terroir, konkret begannen sie damit Parzellen- und Lagenweine zu vinifizieren.

Bei unsrer Degustation begeistern mich 2013 The End und 2014 Ataulfos. Es sind beides Weine aus 100% Garnacha. Die Trauben kommen von alten Reben aus den Höhenlagen der Sierra de Gredos im Ort El Real de San Vicente. Der Wein Pielago (eine meiner spanischen Lieblingsgarnachas) stammt ebenfalls aus 750 bis 850 Meter hoch gelegenen Parzellen an diesem Ort. Diese drei Weine verkörpern – ungeachtet ihrer jeweils eigenen Persönlichkeit – den Gredos-Stil wie ich ihn oben beschrieb.

Außerdem sind sie trotz langer Mazerationszeiten von bis zu 50 Tagen hellfarben. José erklärt mir, dass er den Wein dabei kaum bewegt. Er verzichtet ganz auf Umwälzen oder Pigeage, was den Wein dunkler und fruchtiger machen würde. Mit einer Kanne gibt er einzig etwas Saft auf den Tresterhut, damit er nicht austrocknet. “Es ist mehr wie eine Infusion”, sagt er. Dies mag ein Grund sein, warum diese Weine so klar und floral anmuten und beinahe ätherisch duften. Ferner sind sie strukturiert, mit griffiger Textur, ohne von Tanninen dominiert zu werden.

Alter Garnacha-Weinberg von Jiménez-Landi in El Real de San Vicente, Sierra de Gredos.
Alter Garnacha-Weinberg von Jiménez-Landi in El Real de San Vicente, Sierra de Gredos. Typisch und wichtig sind die Granitsandböden.

Bodegas Jiménez-Landi – biodynamische Weinberge in Gredos und bei Méntrida

Daniel verließ das Weingut im Jahr 2013, um sich ganz auf sein Projekt Comando G zu fokussieren. José Jiménez-Landi leitet den Betrieb seither in Eigenregie. Die Weinberge bearbeitet er biodynamisch. Nicht alle Lagen befinden sich in der Sierra de Gredos, sondern ebenso in deren Vorland rund um die Kleinstadt Mentrida. Die Reben sind auch hier sehr alt und die Böden sandig. Hauptsächlich ist Garnacha im Anbau, hinzu kommen Syrah und Cabernet Sauvignon. Der hieraus gekelterte Rotwein El Corralón hat im Vergleich zu den aus den Gredos-Lagen gewonnen Weinen mehr Farbe und Körper und ist vom Profil her mediterraner. Frisch ist er natürlich trotzdem allemal, denn auch bei diesem Gewächs kommt die Höhenlage von über 600 m.ü.NN zum Tragen.

Gredos neu und Gredos alt. In der Mitte der erste Jg. 2004. Eher Parker-Style.
Gredos neu und Gredos alt. In der Mitte der erste Jg. 2004. Eher Parker-Style.

Das Anbaugebiet D.O. Méntrida befindet sich in der Provinz Toledo in Kastilien-La Mancha. Historisch ist es eine bedeutende Appellation, weil Méntrida in früheren Jahrhunderten die Weine für das Königshaus ins unweit entfernte Madrid lieferte. Einige Weinberge der D.O. Méntrida liegen in der Sierra de Gredos, andere erstrecken sich außerhalb auf der kastilischen Hochebene. Das Klima ist im Vorland mit 350 bis 450 mm Niederschlag im Jahr ziemlich trocken, während die Weinlagen in den Gredos-Bergen bis zu 750 mm Regen abbekommen. José erzählt, dass seine Weinberge über ganz verschiedene Mikroklimas verfügen.

Übrigens habe ich gerade auf diesem Blog eine Einführung zur Sierra de Gredos veröffentlicht, falls Sie mit dem Gebiet nicht allzu sehr vertraut sein sollten.

Eine Cuvée aus Garnacha- und Syrah-Trauben – erstere aus den Gredos-Weinbergen, letztere aus den Lagen bei Méntrida – ist Sotorrondero. Wir nehmen Fassproben der Jahrgänge 2019 und 2020. Das gestaltet sich hochinteressant, weil José die Lagen für Sotorrondero einzeln ausbaut. Mal kommt dabei ein Betontank zum Einsatz, mal ein Holzfuder. Erst später führt er die diversen Weine zu einer Cuvée zusammen. So probieren wir einzelne Garnacha- und Syrah-Parzellen mit einem völlig unterschiedlichen Charakter. Wie sehr ich solche Kellerproben in den vergangenen Monaten doch vermisst habe! Bei der zuvor erwähnten rebsortenreinen Garnacha Pielago tun wir das gleiche: Aus dem Fuder kosten wir die verschiedenen Plots der Jahrgänge 2019 und 2020.

Außerdem verkosten wir zwei Weißweine aus den lokalen Rebsorten Malvar und Albillo Real sowie einen Rotwein aus Moravia Agria. José experimentiert gerade mit diesen Trauben, um das Portfolio gegebenenfalls zu erweitern.

José Jiménez-Landi in einem Weinberg am Ortsrand von Méntrida.
José Jiménez-Landi in einem Weinberg am Ortsrand von Méntrida.

Anschließend fuhren wir ins Umland, um uns Weinberge anzusehen. Als biodynamisch arbeitender Winzer folgt José Jiménez-Landi dem Mondkalender und er führt den Böden zudem Präparate wie Hornkiesel und Hornmist zu. Selbstverständlich verzichtet er auf den Einsatz von Pestiziden und Chemikalien jedweder Art. Die biodynamische Landwirtschaft vitalisiert den Boden und stärkt somit auch die Widerstandskraft der Reben. In einem heißen und trockenen Land wie Spanien sind gesunde Rebstöcke von besonders wichtiger Bedeutung, weil sie Hitze- und Trockenphasen besser überstehen. Bislang hat das Weingut auf eine Zertifizierung verzichtet, in Kürze wird allerdings der Demeter-Stempel auf den Rückettiketten der Weine von Jiménez-Landi zu sehen sein.

Garnacha-Weinlage von Jimenez-Landi. Feinster Sandboden. Im Hintergrund die bis 2592 Meter hohen Gipfel der Sierra de Gredos.
80 Jahre alte Garnacha-Weinlage von Jimenez-Landi. Feinster Sandboden. Im Hintergrund die bis 2592 Meter hohen Gipfel der Sierra de Gredos.

Gegen 14 Uhr musste José zurück nach Madrid, um die Kinder von der Schule abzuholen. Ich hatte für den Nachmittag einen Termin mit Aitor Paul vom jungen Weinprojekt A Pie de Tierra vereinbart. Da José und Aitor sich kennen, rief José ihn schnell an, damit ich nicht alleine Mittagessen müsse, wie er sagte. Also machte ich mich auf den Weg, um Aitor Paul schon zum Lunch zu treffen.

Hierfür fuhr ich ins 15 Kilometer entfernte Aldea del Fresno und überquerte dabei die Grenze von Kastilien-La Mancha nach Madrid. Eigentlich sind die Regionalgrenzen in Spanien wegen der Corona-Pandemie gesperrt. Für den Fall einer Kontrolle hatte ich einige Einladungs- und Bestätigungsschreiben in meiner Tasche. Ich blieb unbehelligt.

A Pie de Tierra – eine Entdeckung

In Aldea angekommen, reizte mich ein vielversprechend aussehendes Restaurant, das auf der Außentafel Schnecken anpries. Es regnete leicht, also ging ich rein und der Laden war proppenvoll. Selbst an der Theke standen Leute dicht aneinander und ich hörte ein lautes Stimmengewirr, ganz so wie ich es früher aus Spanien kannte. “Ist nicht wahr”, flüsterte ich in meine FFP2-Maske und drehte wieder um. Ich traf Aitor Paul stattdessen an einem ruhigen Ort, das Essen war entsprechend mittelmäßig.

Immerhin hatte Aitor seine zwei Weine mitgebracht, und wir tranken sie zu den Speisen. Beide Gewächse sind tiptop, noch viel besser als ich erwartet hatte. Ich erzähle im Folgenden ein bisschen davon.

Aitor Paul im Weinberg in Aldea. Alte Reben. Garnacha. Sandiger Boden.
Aitor Paul im Weinberg in Aldea. Alte Reben. Garnacha. Granitsandboden.

Letztes Jahr hat Parker-Kritiker Luis Gutierrez einen langen und lesenswerten Artikel zur Sierra de Gredos veröffentlicht. Als Newcomer im Gebiet führt er unter anderem A Pie de Tierra auf. So hörte ich erstmals von dem Projekt der beiden Freunde Aitor Paul und David Villamiel. Die zwei haben sich beim Önologie-Studium in Madrid kennengelernt und machen seit 2017 gemeinsame Sache.

Aitor ist hauptberuflich Sommelier beim bekannten Weinhändler und Distributor Lavinia in Madrid. Er zog 2020 noch vor dem Corona-Lockdown nach Aldea del Fresno, in dessen Nähe sich der Weinkeller von A Pie de Tierra befindet. Er ist in einem Ziegelsteinhaus in einem 800 Hektar großen Anwesen untergebracht. Es gehört einem Geschäftsmann aus Madrid. Innerhalb dieses landschaftlich faszinierend schönen Geländes haben Aitor und David ferner einen 65 Jahre alten Weinberg mit Garnacha-Reben gepachtet. Wie in Gredos hat er einen feinkörnigen Granitsandboden mit Quartzanteilen. Für Aitor ist dieser Boden entscheidend, um Top-Weine erzeugen zu können. Er sagt, der Granit übersetzte sich mit großartiger Säure im Wein. Im Jahrgang 2018 betrug der ph-Wert 3,0.

Aus dieser zwei Hektar großen Lage, umgeben von Bäumen und nah an einem Fluss, keltern Aitor und Paul den Wein Fuerza Bruta. Das Gewächs gelangt unter der Herkunft D.O. Vinos de Madrid in den Handel. Ein Jahrgang umfasst etwa 5000 Flaschen.

Weinberg, A Pie de Tierra, Aldea, Madrid.
Laut Aitor Paul bringt der Granitsandboden eine großartige Säure und niedrige ph-Werte im Wein mit sich.

David Villamiel stammt wiederum aus Méntrida, seiner Familie gehören dort einige Hektar Weinberge, aus denen A Pie de Tierra die sortenreine Garnacha A Dos Manos gewinnen. Der Wein erscheint entsprechend mit der Herkunftsangabe D.O. Méntrida. Auch hier liegt die Auflage bei um die 5000 Flaschen.

Bislang ist einzig der erste Jahrgang 2017 abgefüllt, bzw. der 2018er ist abgefüllt, aber noch nicht etikettiert. Wir probieren diese beiden Jahrgänge und das ist wirklich klasse: Beide Weine haben Eleganz, sie sind strukturiert, klar, schlank und erstaunlich präzise für ein so junges Weingut. Wie bei vielen Weinen im Gredos-Stil dominieren florale über fruchtige Noten und beide Gewächse duften verführerisch. Im Gesamtbild wirkt Fuerza Bruta kühler, geradliniger und mineralischer, während A Dos Manos im Vergleich einen etwas wärmeren mediterranen Eindruck macht. Wunderbar frisch ist er dennoch.

Rotweine von A Pie de Tierra
Zwei richtig gute Weine, insbesondere für einen ersten Jahrgang. Und die Aussicht erst.

Aus den Fässern bzw. Tanks verkosten wir ebenfalls den 19er- und 20er-Jahrgang. Bei allen Unterschieden, die ein Jahrgang gegenüber dem anderen hat: Das ist durchweg astrein und total überzeugend. A Pie de Tierra ist zweifellos ein Projekt mit sehr viel Potenzial, und es wird spannend sein die Entwicklung der nächsten fünf Jahre zu verfolgen. Ich für meinen Teil hatte einen genialen Tag in Méntrida und Madrid.


Weitere Infos:

Bezugsquelle, u.a.: www.gute-weine.de

Fotos 1, 3-8: © Spaniens Weinwelten
Foto 2: © Jiménez-Landi

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