Was schmeckt wem?

In meinem ersten Artikel auf diesem Blog schreibe ich über den unterschiedlichen Weingeschmack in Deutschland und Spanien. Die verschiedenen Erwartungen an einen Wein sind mir gestern bei einer Blindverkostung mit spanischen Freunden bewusst geworden. Auf diesem Blind-Tasting haben wir jeweils zwei deutsche und spanische Weißweine sowie Rotweine verkostet und bewertet.

Die Weißweine waren:
• Weingut Juliusspital, Thüngersheimer Grauer Burgunder 2015 (Franken), ca. 10 Euro
• Bodegas Chinchilla, Chardonnay Cloe, 2015 (DO Malaga), ca. 8 Euro
• Bodegas Rolland Galarreta, Verdejo, 2013 (DO Rueda), ca. 13 Euro
• Weingut Schloss Lieser, Riesling Spätlese trocken, 2011 (Mosel), ca. 15 Euro

Die Rotweine waren:
• Weingut Meyer-Näkel, Spätburgunder G, 2014 (Ahr), ca. 15 Euro
• Bodegas El Vinculo-Alejandro Fernández, Tempranillo, 2011 (DO La Mancha), ca. 9 Euro
• Weingut Gerhard Aldinger, Bentz Cuvée 2014 (Württemberg), ca. 9 Euro
• Bodegas Luis Pérez, Samaruco, 2014 (DO Jerez de la Frontera), ca. 14 Euro

So lief unser Tasting ab:
Die Etiketten der Flaschen haben wir mit Pappe überzogen, so dass niemand wusste, welchen Wein er bzw. sie im Glas hat (nun ja, der Bocksbeutel des Frankenweins gab in seiner Form freilich bereits Aufschluss über die Herkunft).
Dann haben wir die vier Weißweine der Reihe nach wie oben aufgeführt verkostet. In einer zweiten Runde, nach dem Mittagessen (in Spanien um 16 Uhr), folgten die vier Rotweine.
Bei der Bewertung der Weine erstellte jeder Tester – wir waren vierzehn Personen – sein eigenes persönliches Ranking und notierte dieses auf einem Verkostungszettel: Der Wein auf dem ersten Platz erhielt vier Punkte, der Wein auf dem zweiten Platz drei Punkte, der Wein auf dem dritten Platz zwei Punkte und der Wein an vierter und letzter Stelle einen Punkt. Am Ende wurden dann die Punkte aller Bewertungszettel auf die Weine addiert.

Foto Paula und Sergio

Das Gesamtergebnis unserer Blindverkostung liest sich wie folgt:

Weißweine, 13 Bewertungen:
1. Platz, 43 Punkte: Bodegas Rolland Galarreta, Verdejo, 2013 (DO Rueda)
2. Platz, 31 Punkte: Weingut Juliusspital, Thüngersheimer Grauer Burgunder 2015 (Franken)
3. Platz, 29 Punkte: Weingut Schloss Lieser, Riesling Spätlese trocken, 2011 (Mosel)
4. Platz, 27 Punkte: Bodegas Chinchilla, Chardonnay Cloe, 2015 (DO Malaga)

Rotweine, 14 Bewertungen:
1. Platz, 49 Punkte: Bodegas Luis Pérez, Samaruco, 2014 (DO Jerez de la Frontera)
2. Platz, 42 Punkte: Bodegas El Vinculo-Alejandro Fernández, Tempranillo, 2011 (DO La Mancha)
3. Platz, 29 Punkte: Weingut Gerhard Aldinger, Bentz Cuvée 2014 (Württemberg)
4. Platz, 20 Punkte: Weingut Meyer-Näkel, Spätburgunder G, 2014 (Ahr)

Obwohl es bei den Weißweinen mit dem Verdejo aus Rueda einen klaren spanischen Sieger gab (der auch mein Favorit vor Schloss Lieser und Juliusspital war), so sind die beiden deutschen Weißweine dennoch auf viel Anklang bzw. Interesse gestoßen. Der Grauburgunder von Juliusspital wurde auf zwei Bewertungszetteln sogar an erster Stelle geführt.
Sehr erstaunlich war für mich jedoch, wie wenig die deutschen Rotweine bei meinen spanischen Freunden angekommen sind. Insbesondere der Spätburgunder G von Meyer-Näkel, den ich persönlich auf den ersten Platz bewertete und den wir mit unserem deutschen Weinvokabular als „schlank und elegant“, fast schon als „filigran“ bezeichnen würden, fiel gnadenlos durch.
Offensichtlich verlangt der spanische Geschmack eher nach schweren Weinen mit dichter Farbe und einem reichen Körper, was beide spanische Rotweine auch zur Genüge boten, der Wein von El Vinculo-Alejandro Fernández sogar so viel, dass ich ihn auf den letzten Platz bewertete. Nach meinem Empfinden war dieser Wein „fett“ und derart mit Holznoten überlagert, dass alle anderen Nuancen quasi nicht erkennbar waren.

weinverkostung5

Nun denn, wir Deutschen sollten angesichts dieses Ergebnisses nicht zu traurig sein, es gibt ja noch Fußball. Und es ist nun mal so: andere Länder, andere Trinkgewohnheiten und Geschmäcker. Die nächste Blindverkostung steht übrigens schon fest – in der Osterwoche 2017. Dann heißt es Spanien gegen Italien. Und wir berichten natürlich an dieser Stelle.

RSS
Follow by Email
Facebook
Facebook
Google+
http://spaniens-weinwelten.com/2016/10/31/was-schmeckt-wem/
Twitter

1 Kommentar

  1. Hallo Thomas, wie herrlich, auf diesem Wege von dir zu hören. Ich freue mich riesig auf weitere Ausführungen von dir, werde sie alle mit Interesse lesen. Ich hab auch schon einige Bekannte angeschrieben, es ist auch ein Winzer aus dem Rheingau mit dabei. Er freut sich, noch mehr über die Weingegenden Spaniens zu lesen. Liebe Grüße, Anneliese

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.