Bodega Los Barrancos – Südlich von Granada

Südlich von Granada lautet der Titel eines 1957 erschienenen und später verfilmten Buchs des in Andalusien verehrten Schriftstellers Gerald Brennan. Südlich von Granada befinden wir uns auf dem Breitengrad nordafrikanischer Städte wie Algiers und Tunis. Und im Bergland südlich von Granada kann es im Januar 2017 empfindlich kalt werden. Am elften diesen Monats habe ich mich aufgemacht, um dort die Bodega Los Barrancos zu besuchen.


Südlich von Granada: ein Weinberg in der Sierra de la Contraviesa. Im Hintergrund der schneebedeckte Gipfel des 3.481 Meter Hohen Mulhacen.

Kühle Weine aus dem Süden Europas
Mein Interesse an dem Weingut wurde durch ein Zitat des spanischen Weinkritikers José Peñín geweckt, der von „nördlich kühlen Weinen aus dem äußersten Süden Europas“ spricht. Wie es zu dieser Anmutung kommt, dazu gleich mehr. Zuerst stand eine Autoreise bevor: Von meinem 40-Einwohner-Ort am südlichen Ausläufer der Sierra Nevada trennen mich und die Bodega Los Barrancos gerade einmal zwölf Kilometer Luftlinie. Da aber keine Straße ins Tal und über den Berg hinüber führt (oder am besten als Tunnel hindurch), muss ich eine Bergkette umfahren. So dauert die Fahrt volle anderthalb Stunden.


Zwischen der Provinzhauptstadt Granada und dem Mittelmeer liegt die Alpujarra. Eine Region, zu der u. a. die Südseite der Sierra Nevada und die Sierra de la Contraviesa gehören.

Das Weingut Los Barrancos befindet sich in der Sierra de la Contraviesa. Die Kellerei liegt auf 1.297 Metern Meereshöhe mitten in einer weitläufigen Berglandschaft. Schaut man von der Bodega aus herauf nach Norden, erblickt man die schneebedeckten, bis zu 3.481 Meter hohen Gipfel der Sierra Nevada. Wendet man die Sicht in südliche Richtung hinunter, funkelt im Sonnenlicht das Mittelmeer. Es ist eine einzigartige Landschaft – rau und romantisch – mit einem ganz besonderen Klima: heiß im Sommer, kalt im Winter, staubtrocken fast das ganze Jahr über, ehe in den Wintermonaten dann und wann sturmartige Regenfälle hereinfallen.

Ökologischer Weinbau und konsequente Ertragsreduzierung
Ich werde begrüßt von Isabel del Olmo und Peter Hilgard. Weinmacherin und Weinmacher. Die Besitzer des Weinguts. Sie Spanierin, im heutigen Marokko aufgewachsen; er Deutscher, Mediziner und Journalist. Wie kommt das Paar in diesen abgelegenen Landstrich? Bereits 1979 haben sie inspiriert von Gerald Brennans Buch die Gegend südlich von Granada erkundet. Und wie viele Durchreisende waren sie fasziniert und haben ein Grundstück erstanden und sind geblieben.

Peter Hilgard und Isabel del Olmo von Bodega Los Barrancos
Das Winzerpaar Peter Hilgard und Isabel del Olmo vor einem ihrer Weinberge. 

In den 1990er Jahren kam das Weingut hinzu: acht Hektar Rebland und das Kellereigebäude der einstigen örtlichen Winzergenossenschaft. Seit 2000 werden Weine produziert – drei Cuvées aus den Sorten Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Merlot, die für mindestens zwölf Monate in Eichenfässern verschiedener Küfereien reifen.

Peter Hilgard und Isabel del Olmo bewirtschaften das Land nach ökologischen Kriterien und verzichten auf den Einsatz von Pestiziden. Ihre Weine sind Öko-zertifiziert. Die Gefahr eines Schädlingsbefalls und von Krankheiten sei in diesem Klima geringer als anderswo, sagen sie.  „Jedes Jahr ist anders“, erzählt Hilgard, „letztes Jahr beispielsweise hatten wir ganz kleine Trauben“. Auch Reifegrade und Zuckergehalt der Beeren variierten jährlich auf’s Neue.


Bodega Los Barrancos verwendet verschiedene Barriques aus französischer und amerikanischer Eiche, zumeist in Zweit- und Drittbelegung.

Zur natürlichen Ertragsreduzierung durch die weite Bepflanzung der Rebstöcke veranlasst das Winzerpaar weitere Rebschnitte im Winter und Sommer (Grünschnitt), die die Reben im Sinne bestmöglicher Qualität ausdünnen und den Ertrag weiter reduzieren. Je nach Jahr gewinnen die Weinmacher so zwischen 20.000 und 30.000 Flaschen aus ihrer Ernte. Ferner verzichten sie bei der Weinbereitung im Keller auf eine geschmacksnivellierende Filtrierung (Schönung). Die Rotweine erhalten ihre Klarheit vielmehr durch mehrfaches Abstechen, sprich dem Umpumpen in ein neues Fass, bei dem Schalenreste, Hefepartikel und Trub im alten Fass zurückbleiben. „Wir wollen Weine erzeugen, die dieses Land und das Terroir abbilden“, sagt Hilgard.

Schieferböden, Hochlage und Nebelschwaden vom Mittelmeer: ein spezielles Terroir
Dieses besagte Land ist nicht nur faszinierend schön, sondern in seiner Formation einzigartig. Gleich mehrere Faktoren prägen den Wein: Das sind zum einen die Schieferböden, von denen man sagt, dass sie ihm eine besondere Mineralik verleihen. Zum anderen sorgt die extreme Hochlage von 1.300 Metern für wichtige Temperaturschwankungen. Kühle Nächte lassen die Rebstöcke ruhen und regenerieren und bringen lange Reifezeiten mit sich. So finden bei Los Barrancos viele Ernten erst im Oktober statt. Zum Vergleich: Die höchsten Weinberge Deutschlands befinden sich in der Bodenseeregion auf rund 550 Höhenmetern.

Last but not least bringt die geografische Lage, genauer gesagt die unmittelbare Nähe zum Mittelmeer, ein einzigartiges Wetterphänomen hervor: In den sehr heißen und trockenen Sommern ziehen am frühen morgen nicht selten Nebelschwaden von der Küste hoch. Sie kühlen die Weinberge ab und versorgen die Reben mit Feuchtigkeit.


Cuvées aus Tempranillo, Cabernet Sauvignon und ein bisschen Merlot. 

Die Gesamtheit aus ökologischer Landwirtschaft, behutsamer Kellerarbeit und das Terroir der Sierra de la Contraviesa bringen charaktervolle und saftige Weine hervor, die sich durch einen vollen Körper, feine Aromen, teils knackige Tannine und eine lebendige Säure auszeichnen. Bei einer gemeinsamen Probe mit dem Winzerpaar hinterließen die verschiedenen Cuvées und Jahrgänge nach meinem Empfinden einen äußerst frischen und eleganten Gesamteindruck.

So lässt sich auch der eingangs zitierte José Peñín verstehen, wenn er die Weine von Los Barrancos positiv gemeint als „nördlich kühle Weine aus dem äußersten Süden Europas“ bezeichnet. Denn sie kommen so gar nicht als reine Fruchtdropse daher, wie manch andere Tropfen aus dem südlichen Mittelmeerraum. Wohlgemerkt: Das Weingut Los Barrancos liegt so südlich wie der südlichste Zipfel Siziliens.

Interessant gestaltete sich zudem die Verkostung eines sortenreinen Cabernet Sauvignon aus der Ernte von 2016, den Önologe Cesar Ortega aus einem Barrique abfüllte. Dieser Cabernet ist natürlich noch mitten im Ausbauprozess und hat noch nicht sein volles Potenzial erreicht. Doch bereits jetzt offenbart er eine konzentrierte Frucht von Cassis und weniger aggressive Tannine als wir vor der Degustation vermuteten. Es wird also auch zukünftig nicht an ausgezeichneten Weinen aus dem Hause Los Barrancos mangeln, und es wird auch nicht mein letzter Besuch bei meinen so nah gelegenen und doch weit entfernten Nachbarn gewesen sein.


Der Chemiker und Önologe Cesar Ortega, hier in der Bildmitte, ist für die praktische Arbeit im Weinberg und Keller verantwortlich.

Wollen wir trinken?
Wer nun Durst und Lust bekommen hat, der findet in Deutschland zahlreiche Bezugsquellen. Aus eigener Erfahrung kann ich die Wein-Bastion in Ulm empfehlen. Dieses Fachgeschäft nimmt Bestellungen auch über’s Internet entgegen und liefert entsprechend aus. Ebenfalls führt vinos.de die Weine von Los Barrancos im Online-Katalog, allerdings zu teureren Preisen.


Ergänzender Tipp:
Peter Hilgard veröffentlicht regelmäßig neue Artikel auf seinem fachkundigen und lesenswerten Weinblog La Vineria. Auch über diese Webseite können die Weine von Los Barrancos und weiterer ausgesuchter Weingüter geordert werden.

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