Luis Saavedra – spannende Sierra de Gredos

Die Sierra de Gredos ist das neue Priorat. Insofern, als dass die Bergkette westlich von Madrid von der Weinkritik seit einigen Jahren geradezu euphorisch als Region für elegante und komplexe Rotweine – vornehmlich aus der Garnacha-Rebe – gefeiert wird. Erzeuger wie Comando G, Bernabeleva und Marañones stehen in der Gunst von Weinkennern ganz weit oben.

Auch Spaniens Starwinzer Telmo Rodriguez darf nicht fehlen: Er keltert in Cebreros zusammen mit dem Rallye-Fahrer Carlos Sainz einen sortenreinen Garnacha aus alten Reben, die in einer kargen Steinlandschaft wurzeln. Ebenfalls in Cebreros ansässig ist das Weingut Soto Manrique, dessen Gewächse aus Garnacha und der weißen Albillo Real ein hervorragendes Preis-Genuss-Verhältnis bieten.

Die Sierra de Gredos von der Extremadura aus gesehen (Foto: Juan Ramón Yuste / ICEX).

Sierra de Gredos – Bergklima und Granitböden

Die Sierra de Gredos bildet ein interessantes Terroir aus rauem kontinentalem Bergklima mit entsprechenden Höhenlagen sowie ferner aus oftmals alten Reben, die auf Granitböden wachsen. Die Weine fallen entsprechend mineralisch aus. Gerade erst hatte ich einen solchen Rotwein aus rund 100 Jahre alten Garnacha-Reben und aus einer Hochlage von 850 Metern im Glas. Der Wein kommt von Bodega Luis Saavedra. Dazu gleich mehr.

Das Wort „Garnacha“ ist in diesem Beitrag bereits häufig gefallen. Genau genommen ist es die Varietät Garnacha Tinta, die in der Sierra de Gredos heimisch ist. Jene Garnacha Tinta ist nach der Tempranillo die am zweithäufigsten angebaute Rotweinsorte Spaniens. Es gibt sie von den Pyrenäen bis zur Costa del Sol. Außerhalb Spaniens firmiert die Sorte zumeist unter dem Namen Grenache, in Frankreich stellt sie beispielsweise die Hauptsorte berühmter Weine aus Châteauneuf-du-Pape, Vacqueyras und Gigondas. 

In ihrer Stilistik fallen spanische Garnacha-Weine mitunter sehr verschieden aus: Mal dominieren Intensität und Konzentration, mal Eleganz und Frische. Der „Chulo Garnacha Centenaria“, Jg. 2017, von Luis Saavedra ist in der Mitte dieser Pole anzusiedeln: Er verfügt über Kraft und Frische und eine Portion jugendlicher Wildheit, unterlegt von erdig-mineralischen Tönen. Der Wein ist bereits jetzt spannend zu trinken und wird auch noch in einigen Jahren animierend schmecken, vielleicht mit entsprechender Flaschenreife sogar noch komplexer und geschliffener.

Weinberg von Bodega Luis Saavedra in Cenicientos (Foto: Patricia R. Soto / ICEX).

Bodega Luis Saavedra – Alte Reben und biologischer Landbau

Chulo, so der Name des Weins, bedeutet im Spanischen etwa „kess“, „frech“ oder „vorwitzig“. Der Begriff wird aber auch für Leute aus Madrid verwendet. Bodega Luis Saavedra liegt im Ort Cenicientos und gehört der DO Vinos de Madrid an. Neben der autonomen Gemeinschaft Madrid zieht sich die Sierra de Gredos auch durch das Grenzgebiet der autonomen Gemeinschaften Extremadura, Kastilien-León und Kastilien-La Mancha.

In den Höhenlagen der Sierra de Gredos reifen die Beeren langsamer als an vielen anderen Orten Spaniens. Längere Reifezyklen bedeuten in der Regel höhere Säurewerte und eine komplexere Aromatik. Die daraus resultierenden Weine sind saftiger und frischer und im Falle von Gredos durch die Granit(sand)böden zudem mineralischer. Das macht die Region für den Weinbau so außergewöhnlich vielschichtig und spannend. 

Bei Bodega Luis Saavedra befinden sich manche Weinlagen auf über 1000 m Höhe. Als weiterer Faktor kommt hinzu, dass alle 26 Hektar ökologisch bewirtschaftet werden. Der Einsatz von Herbiziden oder Pestiziden ist passé. Einige Weinberge werden aufgrund Unzugänglichkeit sogar mit Maultieren bearbeitet. Das durchschnittliche Alter der Reben liegt bei erstaunlichen 70 Jahren, einige Stöcke sind über 100 Jahre alt. Weil alte Reben tiefer wurzeln, sind sie in der Lage mehr Nährstoffe und Minerale aus dem Boden zu ziehen. Die Erträge sind bei alten Reben zwar niedriger, die Qualität der Trauben ist hingegen höher. 

Alte Rebe im Weinberg bei Bodega Luis Saavedra (Foto: Patricia R. Soto / ICEX).

Im Keller setzt das in vierter Generation arbeitende Familienweingut auf eine Spontanvergärung. Das bedeutet, dass die alkoholische Gärung durch natürliche Hefen, die sich zum Beispiel auf den Beerenschalen befinden, ausgelöst wird. Darüber hinaus wird auf eine Schönung des Weins – etwa mit Eiweiß, Gelatine oder Fischblase – verzichtet. Somit entsteht, was heutzutage als „veganer Wein“ bezeichnet wird. 

Nicht zuletzt verzichtet der Önologe Luis Saavedra bei einigen Weinen auf das Schwefeln. Einen solchen sogenannten Naturwein konnte ich ebenfalls probieren. Der „Corucho Finca Peazo la Encina“ ist ein Verschnitt aus fünf Rotweinsorten. Wieder ist es der junge Jahrgang 2017, den ich verkoste. Und dennoch zeigt dieser „Vino Natural“ bereits eine gute Balance aus prägnanten reifen Tanninen, spritziger Säure und komplexen Aromen, die von roter Frucht bis hin zu animalischen Noten reichen. Da ist Grip am Gaumen, der Wein hallt nach, das ist interessant zu trinken und außerhalb der Norm. Wie das Land, so der Wein. Sierra de Gredos eben.

Luis Saavedra: Chulo Garnacha Centenaria 2017 und Corucho Vino Natural 2017

Hinweis: Die beiden besprochenen Weine habe ich in München im hervorragend sortierten Wein- und Feinkosthandel Donosti erhalten. Herzlichen Dank an die Inhaber. Bestellen können Sie diese und weitere Weine von Bodega Luis Saavedra im zugehörigen Online-Shop: www.spanien-shop.com

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.