Pérez Hidalgo – Wein aus dem Oliven-Eldorado

Im Hinterland der Mittelmeer-Metropole Málaga befindet sich recht spektakulär an einem Felshang gelegen die Kleinstadt Álora. Der Ort ist spanienweit für eine spezielle Olivenart – die sogenannten Aloreñas – bekannt. Eine Eigenart dieser Aloreñas ist ihr „schwimmender Kern“, was bedeutet, dass sich der Kern leicht vom Fruchtfleisch lösen lässt. Die Aloreña ist die erste Olivensorte, die in Spanien das geschützte Herkunfts- und Qualitätssiegel „Denominación de Origen Protegida“ zugesprochen bekam. Rund 20 Millionen Kilogramm werden in und um Álora jährlich geerntet. Neben den ebenfalls weit bekannten Orangen aus Álora stellt die Olive den zentralen Wirtschaftsfaktor der Gegend dar.

Landschaft nahe Álora
Landschaft nahe der Kleinstadt Álora in der Provinz Málaga. 

Ein einziges Weingut gibt es in Álora ebenfalls, und das ist richtig gut. In einer Weinhandlung in Málaga hatte ich dereinst eine Flasche Moscatel der Bodegas Pérez Hidalgo für um die acht Euro erstanden. Beim späteren Abendessen bei meinem Schwager war ich von der Frische und Frucht des trockenen Weißweins sehr angetan. Als ich dann vor einigen Wochen im Januar in die Gegend von Álora kam, wollte ich mir den Besuch des Weinguts nicht entgehen lassen.

Von Co-Besitzer José Miguel Pérez Hidalgo werde ich sogleich freundlich begrüßt. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, halte ich bereits ein Glas des besagten Moscatel in der Hand. Es ist der einzige Weißwein, genannt Flor Floris, den das Weingut herstellt. Die Trauben, erzählt mir José, kämen nicht aus den eigenen Lagen bei Álora, wo es zu heiß für sie wäre, sondern aus den Hochlagen der Axarquia, in der die Sorte Moscatel de Alejandría besonders gut gedeiht.

Álora und die bergige Axarquia gehören zum erst 2001 gegründeten Weingebiet Sierras de Málaga. In Bezug auf Wein herrscht hier Pionierstimmung. Die meisten Betriebe befinden sich noch in der Hand ihrer Gründergeneration, wie Pérez Hidalgo, das 2004 seinen ersten Jahrgang abfüllte. Wir besichtigen die modern ausgestattete Weinkellerei. Früher beherbergte das Gebäude einen Weinhandel, sagt José, den sein Vater führte.

José Miguel Pérez Hidalgo und sein Mitarbeiter Diego
José Miguel Pérez Hidalgo (Besitzer des Weinguts, links) und sein Mitarbeiter Diego.

Im Anschluss fahren wir an den Ortsrand, um uns die Weinfelder anzusehen. Das Weingut bewirtschaftet sieben Hektar, auf denen Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah gedeihen. Das sind nicht unbedingt typisch spanische Sorten, aber für einen Tempranillo wäre es hier in Andalusien auf nur etwa 300 Höhenmetern zu heiß. Er würde zu schnell reifen und plump daherkommen. Cabernet Sauvignon reift im Vergleich langsamer und konserviert die Säure besser und länger. Bei Sommertemperaturen von über vierzig Grad tagsüber und kaum merklicher Abkühlung bei Nacht, muss die Weinlese bei Pérez Hidalgo trotzdem bereits im August in den frühen Morgenstunden stattfinden.

José Pérez Hidalgo ist studierter Psychologe. Sein Bruder Francisco arbeitete als Geschichtslehrer. Als sie sich im Jahr 2000 entschieden gemeinsam ein Weingut zu gründen, belegte sein Bruder Önologie-Lehrgänge. Francisco kümmert sich folglich um die Vinifizierung, während José überwiegend im Marketing und Vertrieb tätig ist. 40.000 Flaschen – auf diese Zahl beläuft sich die Jahresproduktion – hat er an Mann und Frau zu bringen. Einen Kunden habe er auch ich Deutschland, sagt er, ein Sternerestaurant in Nürnberg.

Rebschnitt auf den Feldern von Pérez Hidalgo
Auf den Weinfeldern werden im Januar die Rebstöcke zurückgeschnitten.

Zurück in der Kellerei verkosten wir die zwei Rotweine von Pérez Hidalgo: eine Crianza die zwölf Monate im Eichenfass reift sowie die Reserva mit 18 Monaten Ausbau im Barrique – jeweils Cuvées aus Syrah, Cabernet Sauvignon und Merlot. Die Crianza „Vega del Geva“ wurde erst kürzlich von der in Spanien angesehenen Kritikerin Joan C. Martín als einer der landesweit besten Weine für weniger als zehn Euro bewertet. Auch mir sagt dieser rubinrote, konzentrierte Wein mit seinen Aromen von roten Beeren und Anklängen von Lakritz zu. Die Reserva „Páramo de Cásser“ kostet dann schon über zehn Euro und ist nochmals dichter und komplexer als ihre jüngere Crianza-Schwester.

Während meiner Verabschiedung kommt neuer Besuch, den mir José sofort vorstellt. Es ist der Geschäftsführer einer Korkfabrik in La Mancha. In Deutschland beliefere er das Weingut Dönnhoff. Nicht die schlechteste Adresse, entgegne ich und zeige ihm meinen Artikel über die iberischen Korkeichenwälder und die Herstellung von Naturkorken, den ich wenige Tage zuvor auf diesem Blog veröffentlicht hatte. Das gefällt ihm, und er lädt mich zur Vertiefung meines Interesses zu einem Besuch seiner Korkfabrik ein. Eine Aufforderung, der ich alsbald nachkommen und wovon ich natürlich auf diesen Seiten berichten werde.

Weine von Pérez Hodalgo
Eine kleine, aber feine Weinselektion bestehend aus einem Weißwein und zwei Roten.


Link zum Weingut: www.bodegasperezhidalgo.es

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