Marqués de Griñón und ein seltener Petit Verdot

Seit 1292 besitzt das Adelsgeschlecht Marqués de Griñón seine Ländereien nahe den Montes de Toledo. Aus dem Señorio (Ritter) de Griñón wurde im 19. Jahrhundert ein Marqués (Graf). Das Land diente den Herrschaften über die Jahrhunderte zur Jagd von Bären, Wildschweinen und Rehen.

Erst 1974 wandelte Carlos Falcó, der heutige Marqués de Griñón, den Besitz in einen Weinbetrieb um. Dieser erhielt 2003 für das Anwesen Dominio de Valdepusa als erstes Weingut überhaupt in Spanien die damals neu eingeführte und bis heute höchste Klassifizierung des spanischen Weinrechts: Vino de Pago.

Marques de Grinon, Vino de Pago, Dominio de Valdepusa
Dominio de Valdepusa, ein Vino de Pago von Marqués de Griñón (Foto: Felix Lorrio / ICEX).

Vino de Pago – der Wein einer Einzellage 

Das spanische „Pago“ übersetzt sich als „Weinlage“. Vino de Pago heißt somit wörtlich „Wein einer Weinlage“. Das klingt im deutschen etwas ungelenk, weshalb wir einfacher von einem Einzellagenwein sprechen.

Beim Vino de Pago rückt das französische Château-Prinzip in den Mittelpunkt, das heißt, Weine ausschließlich aus eigenen, um die Kellerei gruppierten Weinbergen zu keltern. Statt von Château-Weinen sprechen wir in Bezug auf Spanien vielleicht besser von Finca-Weinen.

Die 2003 eingeführte Klassifizierung Vino de Pago, das sei hier betont, basiert auf einem gesetzlichen Regelwerk. Denn Lagenweine per se sind nichts Neues für Spanien. Traditionsreiche Markennamen wie Viña Tondonia, Viña Real oder Viña Pomal beziehen sich auf eine konkrete Einzellage. Was im aktuellen spanischen Weingesetz von 2003 hingegen erstmals verabschiedet wurde, ist ein offizielles Reglement für Lagenweine, das sie unter eine gesetzliche Qualitätskontrolle stellt.

Wer den „Titel“ Vino de Pago erhalten will, muss in einem aufwändigen, oft jahrelangen Antragsverfahren erklären, welche Faktoren die jeweilige Lage so besonders und einzigartig machen. Zudem gelten recht strenge Vorschriften bzgl. Weinanbau und Weinbereitung, die vom Weingut einzuhalten sind.

Finca Éliz, Vino de Pago, Bodega Manzaneque
Finca Élez von Bodegas Manzaneque ist ebenfalls ein Vino de Pago der ersten Stunde; wie Dominio de Valdepusa 2003 als solcher klassifiziert (Foto: Félix Lorrio / ICEX).

Nur 18 Vino de Pago gibt es derzeit im riesigen Weinland Spanien. Die Hälfte davon befindet sich in Kastilien-La Mancha. Dies hat unmittelbar mit Carlos Falcó zu tun, der das Bewusstsein für Terroir-Weine in die spanischen Amtsstuben trug und die Klassifizierung Vino de Pago durch mühsame politische Arbeit erst ermöglichte. Als Graf findet man freilich leichter Gehör wie als einfacher Weinbauer.

Carlos Falcó handelte sicher auch aus Eigennutz, denn die Weinberge von Dominio de Valdepusa – eben in Kastilien-La Mancha gelegen – befinden sich außerhalb der abgesteckten DO-Qualitätsweingebiete. Das im Juli 2003 zu den Vino de Pago verabschiedete Gesetz des Landwirtschaftsrats von Kastilien-La Mancha ermöglichte es hingegen explizit Weingütern außerhalb der DO-Regionen diesen Qualitätsstatus zu erhalten. Die Bezeichnung der Weinlage von Marqués de Griñón lautet seither D.O. Dominio de Valdepusa (in der Regel ist das DO-Siegel nur ganzen Anbaugebieten vorbehalten).

Zum Weingut Marqués de Griñón gehört ein zweites herrschaftliches Anwesen El Rincón, auf dem ebenfalls Lagenweine gekeltert werden. El Rincón besitzt keinen Vino-de-Pago-Status, gehört aber der Appellation D.O. Vinos de Madrid an. Dies sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Wir bleiben im Folgenden ganz bei Dominio de Valdepusa.

Weinkeller von Marques de Grinon
Im Keller bei Marqués de Griñón, Anwesen El Rincón (Foto: Félix Lorrio / ICEX).

Das Terroir – Kalkböden und Kontinentalklima

Was macht das Terroir von Dominio de Valdepusa also besonders? Als erstes sind wohl die Kalk-Lehm-Böden zu nennen, deren Untergrund aus Kalkstein besteht. Weinkenner wissen es: Mit die größten Weine der Welt entstammen kalkgeprägten Lagen. Neben Mineralität hinterlassen kalkige Böden oft einen samtigen und weichen Gesamteindruck. So entstehen Weine von großer Tiefe und Harmonie. Von „Eleganz, Finesse und Komplexität“ spricht der Weinkritiker José Peñín in Bezug auf Weine mit hohem Kalkeinfluss.

Zweitens liegt Dominio de Valdepusa auf der zentralspanischen Hochebene, wo das Klima streng kontinental ist. Die Temperaturunterschiede zwischen Winter und Sommer fallen sehr deutlich aus. In den heißen trockenen Sommern existieren ferner signifikante Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Dies ist unter anderem der Säurebildung in den Beeren dienlich und verlängert die Reifezeiten der Trauben.

Andererseits: Man findet einen Kalk-Lehm-Untergrund in vielen Teilen von Kastilien-La Mancha, ebenso in der Extremadura und in Katalonien (Terra Alta). Und kontinentales Klima herrscht überall auf der zentralspanischen Hochebene, vom nördlichen Ribera del Duero bis zum südlichen Valdepeñas.

Man darf sich deshalb von der höchsten gesetzlichen Qualitätsbezeichnung „Vino de Pago“ nicht blenden lassen. Es bedeutet nicht automatisch, dass diese Weine allein deswegen die absolute Spitze darstellen und besser als alle anderen wären. Womit wir bei den Gewächsen von Dominio de Valdepusa angekommen sind, die natürlich schon sehr gut sind.

Portrait Carlos Falco
Carlos Falcó (Foto: Pablo Neustadt / ICEX)

Rotweine aus französischen Rebsorten

Dominio de Valdepusa ist ein Anwesen mit 52 Hektar Weinbergen, die sich um eine Finca aus dem 18. Jahrhundert gruppieren.  Auf 14 Hektar wurzeln 45 Jahre alte Reben der Sorte Cabernet Sauvignon, die bekanntlich aus dem Bordeaux stammt. Ergänzend sind die ebenfalls ursprünglich französischen Rebsorten Petit Verdot und Syrah sowie die spanische Graciano im Anbau.

Aus dem Rebenmix Syrah, Petit Verdot und Graciano entsteht der Einstiegswein „Caliza“ (dt.: Kalk). Ich kenne den 2013er Jahrgang aus einem Tasting mit spanischen Freunden, das vor etwa zwei Jahren stattfand und erinnere mich gut an den Wein: In einem früheren Blogartikel beschrieb ich ihn so:

„Es handelt sich um einen Terroirwein, der die Mineralik seiner Kalksteinböden in sich trägt. Der Wein hat Tiefe und Komplexität, Finesse und Weichheit. Es ist saftig, gehaltvoll und verfügt über ein breites Aromenspektrum, das reife Früchte und Gewürzkräuter erkennen lässt. Ein Wein, der für seinen Preis von etwas über zehn Euro exzellent schmeckt und neugierig auf die noch höher eingestuften Weine von Marqués de Griñón macht.“

Genau um diese höher eingestuften Rotweine geht es jetzt: Ich habe mir den Petit Verdot 2014 und Cabernet Sauvignon 2014 besorgt und die zwei Weine über drei Tage hinweg verkostet. Im Vergleich zeigt sich der Cabernet Sauvignon beeriger, weicher und harmonischer. Der Wein ist dicht konzentriert und hat im Abgang eine gute Länge. Die Tannine sind kräftig, aber prima eingebunden, so dass man insgesamt von einer hochfeinen Komposition sprechen kann.

Flaschen Cabernet Sauvignon 2014 und Petit Verdot 2014
Dominio de Valdepusa, Petit Verdot 2014 und Cabernet Sauvignon 2014

Etwas sperriger und härter kommt anfangs der Petit Verdot daher, der trotzdem mein Favorit ist. Ich rieche Kräuter und feuchte Erde und fühle mich in einen kühlen Wald versetzt. Auch Gewürze und animalische Noten schimmern in der Nase durch. Am Gaumen offenbart der Wein reichlich Tannin und eine pikante Würze, unterlegt von lebendiger Säure und einem Bitterton. Der Wein hallt im Abgang lange nach und lässt mich kauend zurück. Das ist komplex und vielseitig und sagt mir sehr zu, während meine Frau den CS besser findet.

Die Petit Verdot zählt zu meinen absoluten Lieblingssorten. Sie wird in Spanien selten kultiviert und noch seltener wie von Marqués de Griñón reinsortig abgefüllt. In Andalusien hingegen, wo ich lebe, kenne ich mehrere Winzer, die die Rebe anbauen. Der Grund: Die Petit Verdot ist eine spätreifende Sorte (noch später als Cabernet Sauvignon) und passt somit perfekt ins dortige Klima mit den heißen, trockenen und langen Sommern. Im Zuge des Klimawandels – das wage ich vorherzusagen – wird die Petit Verdot eben aufgrund ihrer spätreifenden Eigenschaft einen Aufstieg erleben. Das ist zwar kein Trost, aber für die Sorte freut’s mich. Sie hat mehr Beachtung verdient.

Bezugsquelle: Weinzentrale Eberle

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