Spaniens Rote

Rund sechshundert, in der Mehrzahl autochthone Rebsorten, werden in Spanien zu Wein verarbeitet. Diese Zahl nennt die zuständige Abteilung im spanischen Wirtschafts- und Handelsministerium. Da ich auf diesem Blog immer wieder auf bestimmte Trauben hinweise ohne sie näher zu erläutern, will ich im Folgenden die wichtigsten und gängigsten Rotweinreben benennen und kurz beschreiben. Ein ähnlicher Artikel zu den weißen Sorten Spaniens erschien bereits kürzlich.

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Tempranillo-Feld im Ribera del Duero (Foto: Pablo Neustadt / © ICEX)

Tempranillo
die landesweit am häufigsten angebaute rote Sorte und – wenn es so etwas gibt – die Nationalrebe Spaniens. Vielen gilt sie auch als die Beste, und man kann nicht von der Hand weisen, dass die meisten der hoch dekorierten spanischen Weine wie beispielsweise jene von Dominio de Pingus reinsortige Tempranillos sind. Die Traube wird früher reif als andere und mag kühle Nächte, weshalb sie vor allem in Nordspanien – namentlich in Rioja und Ribera del Duero – besonders ausgezeichnete Qualitäten erzielt. In Ribera del Duero firmiert die Rebsorte unter dem Namen Tinto Fino. Auch in den Hochlagen Zentralspaniens (Méntrida, La Mancha) fühlt sich der Tempranillo wohl. Er verfügt über ein vielfältiges Geschmacksspektrum, das – abhängig von Terroir und Ausbau – intensive Aromen von Brombeeren, Cassis, Leder, Wild, Karamell, Tabak, Vanille und mehr offenbaren kann.

Garnacha
ein großer Garnacha-Fan bin ich spätestens seit 2012, als ich das kleine katalanische Weingebiet Priorat besuchte. Dort trotzt die Rebe Trockenheit und steinigen Böden und ergibt opulente Weine von dichter, dunkler Farbe und beeindruckender Konzentration. International bekannt ist die Traube unter dem Namen Grenache. Es wird vermutet, dass ihre Ursprünge im 12. Jahrhundert im nordspanischen Aragón liegen, wo sie bis heute in Weingebieten wie Campo de Borja, Calatayud  und Cariñena sowie entlang des Ebros bis in die Region Navarra einen hohen Stellenwert einnimmt.

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Garnacha-Rebe in Huesca, Aragón (Foto: Juan Manuel Sanz / © ICEX)

Cariñena
der Cariñena-Traube – die ursprünglich aus dem gleichnamigen Weingebiet in Aragón stammt – kommt eine wichtige Bedeutung zu, weil sie oftmals als Begleiter von Garnacha in Cuvées erscheint. Eher wenig wird Cariñena reinsortig abgefüllt. Entsprechend wird die Rebe meistens dort wo Garnacha zu finden ist in geringeren Mengen kultiviert. In Frankreich heißt die Traube Carignan, im Rioja Mazuelo, wo sie ab und an mit 10 bis 20% Anteil mit Tempranillo verschnitten wird.

Mencía
eine Rebsorte, die das nordwestlich gelegene Anbaugebiet Bierzo im Weinkenner-Atlas aufflackern lässt. Das Bierzo steht unter dem Einfluss der kontinentalen Witterung der kastilisch-leonesischen Hochebene und dem feuchten Atlantikklima Galiciens. Aus der Mencía-Traube entstehen hier mineralische, fruchtintensive Weine, die das Potenzial haben in nicht allzu ferner Zukunft mit den „großen“ Weinen aus Rioja, Priorat und Ribera del Duero in einem Atemzug genannt zu werden. In den galicischen Nachbarregionen Ribeira Sacra und Valdeorras ist die Mencía-Rebe ebenfalls häufig anzutreffen. Dort ergibt sie tendenziell etwas schlankere Weine.

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Alter Mencia-Stock in Bierzo (Foto: Juan Manuel Sanz / © ICEX)

Bobal
besonders gut gerät diese Traube im Weingebiet Utiel-Requena. Von mineralisch und schlank bis hin zu dicht und konzentriert können die Weine ausfallen. Eine hochinteressante, bislang wenig bekannten Rotweinrebe, die es wert ist beachtet und beobachtet und natürlich getrunken zu werden.

Monastrell
diese Sorte verträgt große Hitze und kommt mit kargen Böden gut klar. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Monastrell besonders in den südostspanischen Weingebieten von Murcia und Valencia dominiert – namentlich in Jumilla, Yecla, Bullas, Valenciana und Utiel-Requena. Es wird angenommen, dass die Rebe auch original aus diesem südostiberischen Raum stammt. In anderen Ländern – insbesondere Frankreich – ist sie als Mourvèdre bekannt. Monastrell ergibt spannende, lagerfähige Weine, die Aromen von reifen bis hin zu getrockneten Früchten und würzige Anklänge enthalten.

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Monastrell-Ernte in Jumilla (Foto: Patricia R. Soto / © ICEX)

Prieto Picudo
ist hauptsächlich in Kastilien-León in den Anbaugebieten Tierra de León und Tierra del Vino de Zamora anzutreffen, wo die Traube tendenziell leichtere, mit dezenter Frucht und etwas Säure ausgestattete Weine ergibt. Prieto Picudo kommt seltener im Bierzo vor und wird dort manchmal in geringem Anteil mit Mencía verschnitten.

Graciano
eine Sorte, die in manchen der besten Weine des Rioja in niedriger Menge um die 10% enthalten ist. Den Hauptanteil macht in diesen freilich der Tempranillo aus. Erst einmal hatte ich die Gelegenheit einen reinsortigen Graciano aus dem Anbaugebiet Ribera del Guadiana in der Extremadura zu probieren. Es zeigte sich ein weicher Wein mit viel Körper und wenig Gerbstoffen.

Internationale Klassiker
In Spanien populäre internationale Klassiker sind insbesondere Syrah, Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Petit Verdot. Eher selten entstehen aus diesen Reben reinsortige Weine (dann zumeist Syrah). Viel öfter werden sie für Cuvées verwendet. Darüber hinaus gibt es „Exoten“ wie schwäbische Auswanderer, die in Spanien Lemberger kultivieren und daraus hochinteressante Weine herstellen. Hierzu gibt es auf diesem Blog an späterer Stelle selbstverständlich einen eigenen Artikel.

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